Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Der deutsche Aktienmarkt hat am letzten Handelstag der Woche deutlichere Verluste hinnehmen müssen. Der DAX sackte bis Handelsende um 0,97 Prozent ab und schloss bei 7.003,17 Zählern. Der MDAX verabschiedete sich mit einem Minus von 1,23 Prozent auf 9.548,00 Indexpunkte in den Feierabend. Belastet von katastrophalen Quartalszahlen des weltgrößten Versicherungskonzerns AIG lag auch die Wall Street zum Sitzungsschluss in Deutschland deutlicher im Minus. Ein weiterer Belastungsfaktor war die anhaltende Ölpreisrallye.


Mitunter stand das Zahlenwerk der Allianz im Blick. Wie der Allfinanzkonzern bekannt gab, musste er im ersten Quartal einen moderaten Umsatz- und einen kräftigen Ergebnisrückgang ausweisen. Dem Umfeld entsprechend verlor der Wert 1 Prozent. Die Linde-Aktie traf es mit einem Abschlag von 4,1 Prozent deutlich härter. Der Technologiekonzern hat Umsatz und operatives Ergebnis im ersten Quartal steigern können, die Erwartungen aber verfehlt.


Spürbar unter Druck standen außerdem die Deutsche Börse, Infineon und Siemens. Einem Pressebericht zufolge muss der Ex-Vorstandsvorsitzende und langjährige Aufsichtsratschef von Siemens, Heinrich von Pierer, in Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre mit Konsequenzen von Seiten des Unternehmens rechnen. BMW und die Deutsche Postbank wurden heute ex-Dividende gehandelt. Dagegen gewannen adidas trotz Dividendenabschlag vor E.ON an der Indexspitze 1,1 Prozent.


Im MDAX gaben AMB leicht ab. Die Versicherungsgruppe musste im ersten Quartal aufgrund der Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten einen Gewinnrückgang ausweisen.


Schlusskurse (17:36 Uhr):


DAX: 7.003,17 (-0,97 Prozent)


MDAX: 9.548,00 (-1,23 Prozent)


Tagesgewinner: adidas, E.ON, FMC


Tagesverlierer: BMW, Linde, Deutsche Börse


Unternehmensnachrichten:


Der Allfinanzkonzern Allianz SE (ISIN DE0008404005/ WKN 840400) gab heute bekannt, dass er im ersten Quartal einen moderaten Umsatz- und einen deutlichen Ergebnisrückgang ausweisen musste. Der gesamte Umsatz ging um 5,7 Prozent zurück. Das operative Ergebnis belief sich auf 1,86 Mrd. Euro; das sind 1 Mrd. Euro weniger als im ersten Quartal 2007. Davon entfallen 845 Mio. Euro auf ABS-Wertberichtigungen im ersten Quartal 2008. Der Quartalsüberschuss fiel um 64,6 Prozent. Dies resultiert vor allem aus der bewussten Zurückhaltung bei der Realisierung von Gewinnen aus Kapitalanlagen in einer Phase schwacher Aktienmärkte. "Obwohl wir eine leichte Entspannung auf den US-Hypothekenmärkten und den Aktienmärkten sehen, bleibt es schwer, vorherzusagen, wann sich die Turbulenzen an den Märkten legen werden. 2008 wird ein schwieriges Jahr bleiben und je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger wird es, unser mittelfristiges Ergebnisziel zu erreichen. Dennoch bleiben wir optimistisch, denn die Kennzahlen zeigen, dass das Unternehmen in sehr guter Verfassung ist und wir bestens positioniert sind für die Rückkehr normaler Marktbedingungen", so Vorstand Helmut Perlet.


Der Technologiekonzern Linde AG (ISIN DE0006483001/ WKN 648300) teilte heute mit, dass er Umsatz und operatives Ergebnis im ersten Quartal steigern konnte. Zudem wurde der Ausblick 2008 bestätigt. Demnach hat der Konzern den Umsatz währungsbereinigt um 7,5 Prozent erhöht und das operative Ergebnis währungsbereinigt um 11,1 Prozent verbessert. Ohne Berücksichtigung der Währungseffekte ist der Konzernumsatz zum Vorjahr um 2 Prozent gestiegen. Das operative Konzernergebnis hat sich auf berichteter Basis um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert verbessert. Das Ergebnis nach Steuern war deutlich rückläufig. Dieser Rückgang ist vor allem auf den im Vorjahr verzeichneten Buchgewinn zurückzuführen, der durch die Veräußerung von Unternehmensteilen erzielt worden war. Auf angepasster Basis stieg das Ergebnis je Aktie im Quartalsvergleich um knapp 21 Prozent.


Die zum Technologiekonzern ThyssenKrupp AG (ISIN DE0007500001/ WKN 750000) gehörende Tochter ThyssenKrupp Elevator hat einen Großauftrag aus Indien erhalten. Wie der Konzern heute erklärte, wird man im Rahmen der Vereinbarung insgesamt 267 Anlagen zur Personenbeförderung für den Indira Gandhi International Airport in der indischen Hauptstadt Delhi liefern. Ergänzt wird dieser Großauftrag durch einen Wartungsvertrag über fünf Jahre. Finanzielle Einzelheiten der Vereinbarung wurden nicht bekannt gegeben.


In der Schmiergeldaffäre um den Industriekonzern Siemens AG (ISIN DE0007236101/ WKN 723610) muss aktuellen Presseberichten zufolge der Ex-Vorstandsvorsitzende und langjährige Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer mit Konsequenzen von Seiten des Unternehmens rechnen. Wie das "Handelsblatt" am Donnerstag in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf Kreise des Kontrollgremiums schrieb, seien dem Siemens-Aufsichtsrat mindestens drei Korruptionsfälle vorgelegt worden, in denen von Pierer nicht ordnungsgemäß gehandelt und seine Pflichten damit verletzt habe. Ob von Pierers mögliche Pflichtverletzungen auch ein Strafverfahren tragen, bleibt der Zeitung zufolge weiter offen.


Der Nutzfahrzeug-, Motoren- und Maschinenbaukonzern MAN AG (ISIN DE0005937007/ WKN 593700) hat seine Marktpräsenz in Indien erweitert. Wie der Konzern heute erklärte, werden die Geschäftsaktivitäten von MAN in Indien künftig in einer neuen Zentrale in Mumbai gebündelt. Mit dem heute eröffneten MAN Haus Mumbai stünden den Kunden und Partnern MAN-Experten für das gesamte Produktportfolio und Serviceleistungen des führenden Nutzfahrzeug- und Maschinenbauunternehmens vor Ort zur Verfügung. MAN erzielte im vergangenen Jahr in Indien eigenen Angaben zufolge ein Auftragsplus von 38 Prozent auf 111 Mio. Euro. Wie es weiter heißt, wurde zusätzlich zu den Aktivitäten im Joint Venture von MAN FORCE TRUCKS Pvt. Ltd. von der MAN Nutzfahrzeuge eine Tochtergesellschaft in Indien gegründet.


Die Versicherungsgruppe AMB Generali Holding AG (ISIN DE0008400029/ WKN 840002) musste im ersten Quartal aufgrund der Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten einen Gewinnrückgang ausweisen. Die Prognosen für das Gesamtjahr wurden indessen bestätigt. Wie der Versicherer heute erklärte, sank der Vorsteuergewinn im Berichtszeitraum um 55 Prozent. Wesentlichen Anteil an der deutlich rückläufigen Ergebnisentwicklung hatte das gesunkene Kapitalanlageergebnis. Der Nettogewinn verringerte sich im Vorjahresvergleich ebenfalls deutlich. Trotz der Kapitalmarktentwicklung bleibt die AMB Generali bei ihren Zielen für 2008. (09.05.2008/ac/n/m)