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#132222 von  weitblick Erstellt am: 13.05.08 16:21:57 Beitrag Nr.: 132222 Weitere Beiträge
Dieser Beitrag:

ANALYSE DER GESAMTLAGE

 

1.   1.  WELTWIRTSCHAFT

 

Gesamtlage gut, allgemein nicht überhitzt, wenn auch etwas gebremst.

 

Finanzstarke Unternehmen kaum gefährdet aufgrund hoher Eigenkapitalrenditen.

 

Finanzschwache Unternehmen stark gefährdet, da von Kapitalaufstockungen und Venture-Kapital abhängig.

 

Fremdfinanzierungen durch Kreditinstitute sehr schwierig aufgrund der Subprimekrise.

 

Energiepreise werden aufgrund zunehmender Nachfrage und (künstlicher ???) Verknappung weiter steigen

 

Die steigenden Energiepreise spielen den alternativen Energien in die Hände. Denken die Öl- und Gaskonzerne strategisch, werden sie auf die Preisbremse treten, um die alternative Konkurrenz unten zu halten (dies ist jedoch aufgrund der defacto Verknappung der Ressourcen zeitlich nur sehr begrenzt möglich– Ölpike ca. 2020)

 

2.   2.  SOLARMARKT

 

Die Solarbranche wird sich bis 2020 und vor allem darüber hinaus ein ansehnliches Stück vom Energiekuchen abschneiden

 

Die bisherigen Infrastrukturen von etablierten zentralen Versorgern der Energiebranche wie RWE, EON, etc. werden sich zu dezentralen Versorgungsverbänden entwickeln müssen. Pläne von großen Versorgern mit gigantischen Infrastrukturinvestitionen die Energie in Afrika zu produzieren, nach Europa zu leiten und dann zu verteilen ist ein mehr als abenteuerlicher Gedanke.

 

Die Zukunft der Energieversorgung wird in einem dezentralen Energiemix liegen.

 

Konsolidierung der Solarbranche wird 2009 massiv beginnen und mindestens bis 2012 andauern

 

Bisher knappes Siliziumangebot wird 2009 massiv zunehmen und könnte zu Preissenkungen in der PV-Industrie führen. Am meisten davon werden die Firmen profitieren, die bisher mit einem hohen Kostenfaktor für ihr Silizium kalkulieren mussten. (Siliziumanteil der Paneele der CPV-Hersteller – sehr, sehr niedrig!!! Folge? – ohne Kommentar). Der Vorsprung der CPV aufgrund höherer Effektivität schmilzt etwas dahin.

 

Subventionen werden entsprechend in den Ländern abnehmen, die den Aufbau eines Solarmarktes vorangetrieben und etabliert haben. Daher können letztlich die Preise dennoch nicht überdeutlich sinken, es sei denn auf Kosten der Unternehmensgewinne. Dies wäre jedoch fatal für Solarfirmen, die aufgrund ihrer bisherigen Gewinne sehr hoch bewertet sind. Der einzige Ausweg würde nur in einer aggressiven Ausweitung der Umsätze zu sehen sein (im Übrigen das gleiche Spiel, das man seit Jahren in der Telekommunikations- und Computerindustrie beobachten kann). Deren Kursverläufe sprechen eine mehr als deutliche Sprache (Stichwort: JEDE Firma wird irgendwann von den Fundamentaldaten und der natürlichen Begrenzung ihres Wachstumstempos eingeholt).

 

Die erwachsen gewordenen ehemaligen start-ups werden sich der übrigen Konkurrenz alleine, ohne große Subvention stellen müssen. Dies führt zu massiven Preiskämpfen und extremer Innovationstätigkeit der Firmen.

 

Länder, die die Solarbranche bisher vernachlässigt haben, müssen ihren langfristigen Marktnachteil durch fehlende Technologieentwicklung schnellstens bereinigen. Dazu zählt Amerika vor allem in politischer Hinsicht.

 

Schwerpunkt der langfristigen Gewinner muss ein sehr schneller Innovationszyklus ihrer Technologien sein. Daher werden die Gewinne von start-ups und potentiell langfristig erfolgreicher Firmen zunächst niedrig bzw. die Verluste hoch sein. Die Existenz dieser Firmen steht und fällt jedoch mit ihrer Finanzierung. Diese wiederum hängt entscheidend von der Technologieentwicklung bzw. dem Technologievorsprung des start-ups ab. Gerät eine Firma augenscheinlich in das technologische Hintertreffen reisst der Geldstrom – Pleite.

 

Viele, sehr innovative Firmen sind KEINE Aktiengesellschaften. Sie leben ausschließlich von Venture-Kapital und können sich stressfrei ohne Berücksichtigung der Entwicklung der Aktienkurse, HV, Analysteneinschätzung etc. ihrer Technologieentwicklung widmen (siehe Solarvalley – Investments von Google auch in Firmen wie Roscheisens Nanosolar etc.). Einen Gang zur Börse wird nur eine Firma machen, die einen extrem großen finanziellen Entwicklungsaufwand benötigt.

 

Roscheisen von Nanosolar beabsichtigt in keiner Art und Weise einen Börsengang, weil er seine finanziell benötigten Mittel auf andere Weise aufbringen kann. Auch kein Wunder wenn man sich seine Geschäftsideen betrachtet:

 

Yahoo übernahm die von Roscheisen 1998 gestartete E-Mail-Plattform Egroups für 450 Millionen Dollar. Mehr Geld gab es für die Trading Dynamics, eine Internet-Handelsplattform der Roscheisen 1997 auf die Füße half. 18 Monate später wurde sie vom Softwarehersteller Ariba übernommen. Verkaufspreis: 720 Millionen Dollar.

 

Hoffen wir einmal, dass Gelbaum ebenfalls über ein derart bestechendes Investmentauge verfügt.

 

3.   3.  BEWERTUNG DER SOLARBRANCHE

 

Ebenso wie die Computer- und Internetbranche zur Jahrtausendwende ist heute die Solarbranche oder allgemein die Branche der alternativen Energien eine Boombranche, die von einer Vielzahl von Phantasien getrieben wird.

 

Bevor wir mit der Kennzahlbewertung starten vorab einige Definitionen:

 

market cap.            Marktkapitalisierung (Börsenwert) MK

revenue:                 Umsatz (ersetzt beim Vergleich die net sales)

sales:                      Erlös aus Verkaufspreis

sales return            Rabatte, Rückflüsse beschädigter Ware etc.

costs of goods:      Kosten für die Herstellung der Ware (Material, Zusammenbau)

operativ expenses: Kosten für Personal, Research and Development (R&D); Fabrikationsanlagen, Kreditzinsen, Mieten, Maschinen, Marketing, Einmaleffekte wie Übernahmen oder deren Vorbereitung etc.

 

Kennzahlen: 

net sales:        sales – sales return

gross profit:      net sales – cost of goods

net income:    gross profit – operativ expenses

profit margin:  Verhältnis aus net income und net sales (%) (Profitabilität)

KGV:               Kurs/Gewinnverhältnis (Indexbewertungen langfristig um die 12)

 

Das KGV hängt stark von den Markterwartungen und den Wachstumsaussichten ab.

 

Betrachtet man sich die Gesamtindizes langfristig ist man bei 12 fair bewertet. Zu Zeiten der Internetblase und den vermeintlich unendlichen Wachstumsaussichten der Branche waren KGV’s von 70 oder 80 oder noch höher (teils 150) auch nach Analystenmeinungen völlig normal. Es zählten nicht mehr die Fundamentaldaten, sondern Zitat eines Analysten:

 

„Man muss zu völlig neuen Bewertungskriterien kommen, herkömmliche Kennzahlen sind hier nicht mehr anwendbar - es zählt die Idee, die Vision …. blahblahblah“ Auch wenn der Visionsladen nur 3 Mitarbeiter und 3 Computer hatte. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, siehe Microsoft oder Google. Aber dies waren Diamanten unter Gigatonnen von Steinkohle.

 

Was aus der Masse der start-ups geworden ist wissen wir alle.

 

KUV:               Kurs/Umsatzverhältnis (Bewegt sich um die 2 bis 5)

PEG:               KGV/Gewinnwachstum in % (Idealbewertung 1 oder kleiner)

 

Betrachten wir uns nun eine „erwachsene“ Wachstumsfirma der Technologiebranche: MICROSOFT

 

Wäre in Tabellenform besser darstellbar, klappt aber mit dem Editor nicht, daher etwas unübersichtlicher:

 

MICROSOFT

 market-cap.::       280 Mrd.

gross profit:          40 Mrd.

net- income:         16 Mrd.

revenue 2007:     58 Mrd.

profit margin:       28 %

revenue 2008:     60 Mrd.

revenue 2009:     67 Mrd.

KUV 2007:           4,5 (Daten aus 2007 zum jetzigen Kurs)

Geschäftsjahr endet jeweils im Juni

 

Der Kurs dümpelt, da keine Phantasie enthalten ist. MSFT wird zum Dividendentitel.

 

Nun zu den SOLARIS:

 

FIRSTSOLAR

 market-cap.::       22,7 Mrd.

gross profit:          251 Mio.

net- income:         200 Mio.

revenue 2007:     634 Mio.

profit margin:       31 %

revenue 2008:     1 Mrd.

revenue 2009:     1,9 Mrd.

KUV 2007:           35 (Daten aus 2007 zum jetzigen Kurs) 

 

Betrachtet man sich gross profit und net-income: Ein extrem hochprofitables Unternehmen. Wachstumsraten von 60 und 90% in 2008 und 2009. 

 

ABER: Das KUV von augenblicklich 36 ist jenseits von Gut und Böse.

 

Auch das Kurs/Gewinn-Verhältnis KGV von augenblicklich 113 ist sehr abenteuerlich. Selbst das KGV für 2009 von 50 ist sehr ambitioniert. Trotzdem ist das Kursziel nach Analystenmeinung 375, teils 400 $.

 

Fazit: Die Korrektur kommt definitiv. Die größten Verlierer werden die jetzigen Einsteiger sein.

 

Bevor ich mich mit WWAT beschäftige vielleicht ein anderes Extrem:

 

CANADIAN SOLAR

 market-cap.::       930 Mio.

gross profit:          12,34 Mio.

net- income:         - 664000

revenue 2007:     300 Mio.

profit margin:       - 0,22 %

revenue 2008:     730 Mio.

revenue 2009:     1 Mrd.

KUV 2007:           3,1 (Daten aus 2007 zum jetzigen Kurs)

KGV 2009:           14

 

Bewertungstechnisch ein hochinteressantes Investment, wenn die Umsatzzahlen in 2008 und 2009 tatsächlich erfüllt werden. Ich habe auf diesen Wert bereits mehrere Male hingewiesen.

 

Ich glaube meine Bewertungsgrundsätze sind nun einigermaßen klar geworden und jeder kann seine Hochrechnung für WWAT bei sich ändernden Grunddaten bezüglich KUV, KGV, selbst durchführen und Konsequenzen aus der jeweiligen Bewertung ziehen.

  

4.   4. EINSCHÄTZUNG zu WWAT

 

 WORLDWATER & SOLAR WWAT 

market-cap.::       165 Mio.

gross profit:          1,7 Mio.

net- income:         - 14 Mio.

revenue 2007:     18 Mio.

profit margin:       - 77,9 %

revenue 2008:     nicht angegeben (ich rechne mit 35 bis 40 Mio.)revenue 2009:     nicht angegeben (es sollten mindestens 80 bis 100 Mio. werden, falls wir wirklich überdurchschnittlich Geld verdienen wollen)

KUV 2007:           9,1 (Daten aus 2007 zum jetzigen Kurs)

KUV 2008:           4,7 (bei einem Umsatz von 35 Mio. in 2008 zum JETZIGEN Kurs) 

 

Zunächst möchte ich mit der Behauptung endgültig aufräumen, WWAT mache keine gross profits und verkaufe seine Anlagen unter dem Selbstkostenpreis.

 

WWAT machte in 2007 bei einem Umsatz von nur 18 Mio. einen gross-profit von 1,7 Mio. Es stimmt demnach nicht, dass bereits durch die sales Verluste entstehen. Dazu könnte man nämlich auch auf der Couch liegen bleiben. Die cost of products liegen demnach im grünen Bereich. Das Problem sind die operativ expenses also die fixen Kosten für Marketing, R&D, Mieten, Personal etc.

 

Außerdem sind in 2007 Einmalkosten für die Vorbereitung der ENTECH-Übernahme in Höhe von 2,1 Mio. angefallen, zudem stehen Maschinen mit ca. 5 Mio. auf der Agenda für den Aufbau der Produktionslinie. Berücksichtigt man diese Tatsachen, so haben wir es defacto mit keinem net-income von minus 14 Mio. zu tun. Das ist ähnlicher Quatsch wie die Argumentationen der Zitrusfrucht bezüglich EMCORE.

 

Der einzige Grund für das Defizit des NET-INCOME sind die fehlenden Umsätze gemessen an den regelmäßig anfallenden operativ costs. Diese werden sich bei steigenden Umsätzen nicht proportional erhöhen (R&D, Mieten, Marketing etc.). Oder erhöhen sich bei steigenden Umsatzzahlen die Mieten und Forschungsausgaben???

 

Also, was ziehen wir für Schlussfolgerungen: UMSÄTZE, UMSÄTZE

 

Auch eine Canadian solar hat kleiner angefangen (sie produzieren normale PVs und installieren Systeme – sie sind also vertikal integriert). Nur vertikal integrierte Unternehmen werden das Gemetzel der nächsten 2 Jahre überleben und in diesem Bereich ist WWAT gut aufgestellt, wenn sie 2008 in die Gänge kommen.

 

Was macht WWAT nun besonders???

 

- Einer der Technologieführer im CPV-Markt (sie sind ganz vorne dabei)

- Unschlagbare Wasserpumpensysteme in Kombination mit Solar (einsam und konkurrenzlos auf weiter Flur)

- Installer für PV-Systeme

 

In Anbetracht der momentanen Situation bei WWAT ist die Konzentration auf Installments als wichtiges Standbein sehr entscheidend, bis die Produktion und der Vertrieb der CPV beginnen kann.

 

Auch wenn die anliegenden Umsatzzahlen und Gewinne in Höhe von 10 bis 13 Mio. im Q1 aufgrund von Verzögerungen noch nicht realisiert werden konnten, ist der Ausblick des Managements zur weiteren Vorgehensweise für mich entscheidender. Die anvisierten Umsätze von ca. 35 Mio. im Gesamtjahr 2008 sind allerdings UNABDINGBAR, egal in welchem Quartal 2008 sie kommen. Klappt dies nicht, wird WWAT Probleme bekommen, die nur durch weitere Finanzspritzen lösbar sein werden.

 

Werden die Umsätze jedoch erreicht, gepaart mit einer guten Pipeline für 2009 sehe ich einer sehr guten Zukunft entgegen.

  

So, das musste einmal gesagt werden. Wenn ich mir den Kurssprung von heute für Canadian Solar betrachte während ich blöde vor mich hinschrieb, könnte ich mir in den Hintern beissensmiley. Und genauso wird es für WWAT laufen, wenn sich das Management nicht megablöde anstellt - und anden hat doch Rechtsmiley.

 

Hört also endlich mit diesem doofen Gemeckere und Gezittere auf und konzentriert euch auf die Zahlen und die Aktivitäten des Managements und vor allem auf eure Diversifizierung - es gibt nicht nur WWAT. Aber WWAT hat eine prima Ausgangslage, zumindest technisch betrachtet, sie müssen nur ihre Finanzen durch Umsätze absichern.

  

weitblicksmiley