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#111326 von  SHEsaTrader Erstellt am: 11.02.08 12:10:35 Beitrag Nr.: 111326 Weitere Beiträge
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Wassermangel, ein Faktorder Armut

Wasser ist nicht nur Quelle des Lebens, sondern auch Lebensmittel Nummer eins.In hoch entwickelten Industrieländern erscheint es oftmals als selbstverständliches Konsumgut: Es fließt einfach aus dem Hahn - sauber, in beliebiger Menge, kostengünstig - und zu jeder Zeit.Für über eine Milliarde Menschen ist das aber nicht so. Sauberes Trinkwasser ist für sie nicht erreichbar. Ebenfalls kaum vorstellbar: Über zweieinhalb Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen.

UN-Bericht mahnt zu gemeinsamer Strategie

Der UN-Bericht über die menschliche Entwicklung 2006 (Human Development Report 2006) will nicht nurFakten liefern. Er spricht sich für ein gemeinsames Vorgehen der Staatengemeinschaft aus."Zugang zu einwandfreiem Wasser ist ein Grundbedürfnis der Menschen und daher ein grundlegendes Menschenrecht", so die Feststellung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Kofi Annan, in dem Bericht.Die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu Trinkwasser und sanitärer Versorgung haben, soll bis zum Jahre 2015 halbiert werden. Dazu hatte sich die Weltgemeinschaft auf dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen im Jahre 2000 verpflichtet.Um dies zu erreichen, sind dem Bericht zufolge verstärkte Anstrengungen notwendig. Durch nationale Strategien, Entwicklungshilfe und einen globalen Aktionsplan soll Wasser- und Sanitärversorgung für alle erreicht werden.Der Bericht zeigt nämlich besorgniserregende Tatsachen auf: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden die Aussichten auf menschliche Entwicklung durch eine sich verschärfende globale Wasserkrise bedroht. Millionen von Frauen und Mädchen sind gezwungen, viele Stunden täglich mit Wasserholen zuzubringen.Außerdem behindern durch Wasser übertragene Infektionskrankheiten in einigen der ärmsten Ländern der Welt das Wirtschaftswachstum und die Armutsbekämpfung. Nach Berechnungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, sterben jeden Tag 4.500 Kinder, weil sie verschmutztes Wasser getrunken haben.

Recht auf 20 Liter Wasser pro Tag

Der Zugang zu Wasser ist ungleich verteilt. Jeder Europäer verbraucht rund 400 Liter Trinkwasser am Tag, allein 50 Liter Wasser durch die Toilettenspülung. Viele arme Menschen, besonders in Afrika, müssen mit weniger als fünf Liter Wasser am Tag auskommen.Der Mindestanspruch für jede Bürgerin und jeden Bürger auf der Welt sollte 20 Liter sauberes Wasser betragen. Und zwar kostenlos für diejenigen, die zu arm sind, etwas zu bezahlen, heißt es in dem Bericht.Der Bericht tritt der Meinung entgegen, die Wasserkrise sei vorrangig ein Ergebnis von klimatisch bedingter Wasserknappheit. Er argumentiert, dass Armut, Macht und Ungleichheit der eigentliche Kern des Problems seien.

Nationale Strategien und mehr Entwicklungshilfe erforderlich

Die Regierungen in den Entwicklungsländern sollten wenigstens ein Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für Wasser- und Sanitätsversorgung ausgeben. Heute liegen die Ausgaben im Durchschnitt nur bei der Hälfte. Die Anstrengungen der Entwicklungsländer müssen durch zusätzliche Entwicklungshilfe unterstützt werden.Der Bericht hält es ferner für erforderlich, die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit an die betroffenen Länder um zusätzliche 3,4 bis 4 Milliarden US-Dollar pro Jahr zu erhöhen. Nur so kann das Millenniumsziel erreicht werden. Ferner sollte das Thema Wasser- und Sanitärversorgung in einen globalen Aktionsplan aufgenommen werden. An diesem sollten sich die acht wichtigsten Industrienationen (G8-Staaten) aktiv beteiligen.

Bericht würdigt deutsche Leistungen

Bei der Vorstellung des Berichtes in Berlin wurde die deutsche Entwicklungszusammenarbeit für Wasser- und Sanitäreinrichtungen als herausragend bezeichnet.Für die Bundesregierung wies der Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Erich Stather, auf die besondere Bedeutung des Themas Wasser für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hin. "Unsere eigenen Erfahrungen und Maßnahmen bestätigen die Kernbotschaften des UN-Berichts", erklärte Stather.Deutschland engagiert sich stark in Regierungsberatungen und bei der Stärkung öffentlicher Institutionen im Wassersektor. Es ist der drittgrößte bilaterale Geber im Wassersektor und wendet hierfür jährlich 350 Millionen Euro auf.Allein mit der finanziellen Zusammenarbeit in diesem Bereich werden circa 70 Millionen Menschen direkt erreicht. Mit 28 Partnerländern arbeitet Deutschland zurzeit schwerpunktmäßig im Wassersektor zusammen. Der Libanon ist soeben als 29. Schwerpunktpartnerland hinzugekommen.

Vom Brunnenbau zum Wassermanagement

Deutsches Engagement zur Förderung des Zugangs zu Wasser ist schon lange nicht mehr auf den klassischen Brunnenbau beschränkt. Gefordert ist ein integrativer Ansatz. Dieser soll Regierungen der Entwicklungsländer, öffentliche Geber der Entwicklungszusammenarbeit sowie private Investoren und schließlich Entscheidungsträger auf der lokalen Ebene zusammenbringen.In den letzten Monaten erarbeitete das BMZ ein neues Sektorkonzept Wasser – eine Leitlinie deutscher Wassersektorpolitik. Es steht kurz vor der Veröffentlichung. Das Konzept zeigt den ganzheitlichen Ansatz eines integrierten Wasserressourcenmanagements (IWRM), wie ihn auch der UN-Bericht fordert.Stather hob hervor, dass die Millenniums-Entwicklungsziele nur dann erreicht werden können, wenn erhebliche und größere Fortschritte im Wassersektor erzielt werden.

Sanitäres Versorgungsthema nicht tabuisieren

Bei der Sanitärversorgung passiere immer noch viel zu wenig, so Stather: "Zum Teil, weil ihre Bedeutung nicht erkannt wird, zum Teil auch, weil das Thema immer noch tabuisiert wird."Schon die Bonner Süßwasserkonferenz 2001 hatte die Bedeutung der Sanitärversorgung besonders betont. "Nicht zuletzt auf deutsche Initiative ist die Halbierung des Anteils der Menschen ohne Zugang zu sicherer Sanitärversorgung bis 2015 als eigene Zielgröße in die Millenniums-Entwicklungsziele aufgenommen worden."Die Bundesregierung unterstützt die Ansiedlung eines UN-Büros im UN-Campus Bonn. Dieses wird "UN-Water", den Koordinierungsmechanismus der Uno für den Wasserbereich, unterstützen. Dabei geht es um die Weiterentwicklung von Ansätzen und Lösungen von Wasserkrisen und um die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele im Wasser- und Sanitärbereich. Das Büro soll bis Mitte 2007 im UN-Campus in Bonn seine Arbeit aufnehmen.Seit 1990 bietet der Bericht über die menschliche Entwicklung eine Grundlage für Debatten über die drängendsten Herausforderungen, denen sich die Menschheit gegenüber sieht. Er erscheint dieses Jahr zum 17. Mal.

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, UNDP, gewinnt damit das Interesse einer breiten Öffentlichkeit für die Lage der Menschen in Entwicklungsländern.

Die Arbeit von UNDP in den letzten Jahrzehnten hat wesentlich zu einem differenzierten, breiten Verständnis von menschlicher Entwicklung beigetragen. Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen hat sich der Veröffentlichung des Berichts in deutscher Sprache angenommen. Er kann dort angefordert werden.

http://www.bundesregierung.de/Content/DE/EMagazine...