SolarWorld AG: Hier kommt die Sonne
29.11.2005 Die Aktie der deutschen SolarWorld AG stieg im Laufe der letzten zwölf Monate um rund 500 Prozent. Damit hat das Unternehmen mit über 700 Mitarbeitern derzeit einen Börsenwert von 1,5 Milliarden Euro. Der hohe Ölpreis hat sicher zu dieser Wertsteigerung beigetragen, aber auch dass ein deutsches Gesetz die gesamte Branche stützt.
Die deutschen Elektrizitätswerke sind verpflichtet, Solarstrom zu einem festen Preis zu übernehmen, der deutlich über den Produktionskosten liegt. Die SolarWorld AG ist die weltweit grösste Firma, die sich ausschliesslich mit solarer Energie beschäftigt – das Unternehmen vereint alle Wertschöpfungsstufen, vom Rohstoff bis zur Solaranlage, und ist bestrebt, die Welt eine bessere zu machen. Ein Gespräch mit dem CEO, Frank H. Asbeck.
Olivia Schiffmann: Herr Asbeck, wo liegt der Ursprung der heutigen Solarworld AG?
Frank H. Asbeck: Ende der Achtzigerjahre gründete ich ein Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Das Unternehmen realisierte seit den Neunzigerjahren grosse Solarstromkraftwerke und war im Grosshandel für Solarmodule tätig. Die unternehmerische Entscheidung, den Solarbereich deutlich auszubauen, mündete 1998 in die Gründung der SolarWorld AG.
Weshalb haben Sie alles auf die Karte Solarenergie gesetzt?
Es war (und ist es noch) die Faszination, mit der unerschöpflichen Energie der Sonne das Vielfache vom weltweiten Energiebedarf decken zu können. Ganz enorm finde ich auch, dass der Rohstoff der Solarindustrie Sand ist. Ein Rohstoff also, den es auf der Erde im Überfluss gibt. Sand ist das Ausgangsmaterial von Silizium, welches man zur Herstellung von Solarzellen benötigt.
Frank H. Asbeck. CEO SolarWorld AG
Ist es im Bereich der alternativen Energien üblich, dass eine Firma sämtliche Produktionsschritte selbst entwickelt?
Ganz und gar nicht. Die SolarWorld AG und ihre Tochtergesellschaften sind international die einzigen vollintegrierten Solarunternehmen, die alle Wertschöpfungsstufen vom Rohstoff bis zur fertigen Solarstromanlage selbst abdecken.
Was sind die Gründe?
Die Vollintegration bringt im wachstumsstarken Solarmarkt erhebliche Vorteile. Sie war deshalb von Beginn weg unser strategisches Ziel. Einerseits sind wir vollständig unabhängig von Vorlieferanten. In Zeiten knapper Vorprodukte – wie es in den letzten Jahren bei den Wafern (Vorprodukte für Solarzellen) der Fall war –, sind wir damit immer unabhängig von Preissprüngen und können so unsere Produktions- und Beschaffungskosten konstant halten. Andererseits profitieren wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette von neuen Erkenntnissen unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Solche Synergieeffekte sorgen für Qualitätssprünge. Und apropos Qualität: Unsere Position als Qualitätsführer sichern wir dadurch, dass wir auf alle wesentlichen Produktionsschritte Einfluss haben.
Die Vollintegration ist also Ihr Erfolgsrezept?
Ja, die Vollintegration und eine Mischung aus Hartnäckigkeit, Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein und Kommunikation. Ausserordentlich wichtig sind motivierte Mitarbeiter, die Spass an ihrem Job haben. Das ist bei uns der Fall. Gute Laune, Zufriedenheit und die Überzeugung, mit der Arbeit etwas Sinnvolles zu tun, bergen weitaus mehr Potential für unseren Geschäftserfolg als erfolgshungrige Verbissenheit, die blanke Orientierung an betriebwirtschaftlichen Kennziffern und die Betrachtung der Mitarbeiter als Kostenfaktor.
Zum Thema:
Homepage der SolarWorld AG
Welche Vorteile bietet Solarstrom?
Solarstrom ist emissionsfrei, setzt also keine schädlichen Klimagase frei, wie etwa Kohle und Gas und ist, anders als Atomstrom, völlig ungefährlich für Mensch und Umwelt. Das sind die ökologischen Vorteile. Weiter Nutzen ist weltpolitischer Natur. Dadurch, dass Solarstrom überall auf der Welt erzeugt werden kann, fällt der Import von Energieträgern aus Konfliktstaaten weg. Ebenfalls bedarf es keiner Kriege um die Sonne. Beachtlich ist auch, dass vor allem im Sonnengürtel der Erde, nahe des Äquators, Solarstrom von den zumeist weniger entwickelten Staaten besonders intensiv genutzt werden kann. Für diese Länder, die oft über eine geringe Bevölkerungsdichte auf dem Land verfügen, ist Solarenergie eine ideale Form, den wachsenden Energiebedarf zu decken, ihre Wirtschaft damit zu entwickeln und für mehr Wohlstand zu sorgen. Der dezentrale Charakter kommt dabei besonders zum Tragen, da Solaranlagen auch abgelegene Dörfer, Krankenhäuser oder Telefonstationen ideal versorgen können und schon bei heutiger Kostensituation dem aufwändigen Anschluss an das zentrale Stromnetz überlegen sind.
Wie sieht es aus ökonomischer Sicht aus? Solarenergie ist immer noch sehr teuer..
Die Entwicklung zeigt, dass die klassischen Energieträger stetig teurer werden, während der Solarstrom günstiger wird. Dadurch kann sich die Wettbewerbsposition der Solarenergiehersteller kontinuierlich verbessern, so dass Solarstrom einst hoffentlich auch wirtschaftlich rentieren wird.