Arme Daimler-Aktionäre
Daimler ist wieder da, allerdings nur dort, wo der Konzern schon mal war. Die Aktionäre schauen bisher in die Röhre. Für sie sollte Vorstandschef Zetsche einen Gang zulegen. Auf den ersten Blick lesen sich die Zahlen gut, die Daimler
am Donnerstag veröffentlichte......: Bei 100 Milliarden Umsatz 2007 verdiente der Konzern annähernd vier Milliarden Euro und damit mehr als viele Analysten erwartet hatten. Die Dividende soll von 1,50 auf zwei Euro steigen.
In den vergangenen zwölf Monaten hatten die Anteilseigner jedoch kaum Grund zum Jubeln. Vor einem Jahr notierte die
Daimler-Aktie ......bei 51,50 Euro, heute ist sie kaum mehr wert. Auch die Dividende fiel äußerst mager aus – das Papier brachte nicht einmal drei Prozent Rendite. Fast jedes Tagesgeldkonto wirft mehr ab.
Das große AufräumenEs ist Vorstandschef Dieter Zetsche zugute zu halten, dass er bei Daimler kräftig aufgeräumt hat: Erst entledigte er sich des Verlustbringers
Chrysler......, baute den Konzern komplett um, gab dem Unternehmen einen eingängigen Namen und wehrte sich erfolgreich gegen die US-Finanzaufsicht SEC und deren
Korruptionsvorwürfe.......
Zetsche konzentrierte sich wieder auf Fahrzeuge und stieß Beteiligungen an Firmen ab, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Parallel dazu spornte er seine Ingenieure bei Mercedes an, die Modellreihen – von der A-Klasse bis zum CLS – zu überarbeiten und einen Gang höher zu schalten bei der Entwicklung neuer Antriebstechnologien mit Zukunft, etwa des Hybrids.
Jahrelang nur magere DividendeDie Anliegen der Anleger waren ihm erst mal egal. Die wurden schon seit Jahren mit einer mageren Dividende abgespeist und mussten für die Großmannssucht seines Vorgängers Jürgen Schrempp bluten, der aus Daimler-Benz einen Weltkonzern schmieden wollte, dabei
kläglich versagte...... und dafür noch
zig Millionen an Abfindung...... bekam. Kein Wunder, dass die Investoren murrten. Endlich kommt ihnen Zetsche entgegen. Als Erstes kündigte er eine höhere Dividende an, zudem will er im großen Stil Aktien zurückkaufen, um den Kurs auf alte Höhen zu bringen.
Die Party bei Daimler fängt also jetzt erst an. Daimlers Aktionäre dürfen sich auf bessere Zeiten freuen. Die Analysten gehen mehrheitlich davon aus, dass der Wert binnen eines Jahres auf annähernd 80 Euro steigen könnte und empfehlen das Papier zum Kauf.
Noch lange nicht am ZielAn seinem Umweltimage muss der Konzern aus dem Ländle allerdings noch arbeiten. Viele werfen Daimler PS-Protzerei vor, was gerade der jüngst vorgestellte Mercedes SLK belegt, den Produktmanager Detlef Barthelmes als „Lieblingsspielzeug für Männer – und Frauen“ einstuft. Statt wie BMW auf Start-Stopp-Automatik zu setzen, schwört Daimler auf
Bluetec....... Damit sollen schädliche Stickoxide reduziert werden.
Daimler ist jedoch gegenüber Toyota bereits im Hintertreffen und hat allen Grund, sich zu sputen. Denn auch in den USA, einem der wichtigsten Absatzmärkte Daimlers, zählt künftig niedriger Verbrauch als Verkaufsargument. Und da hat Daimler bisher wenig zu bieten.