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#114711 von  wirthsald Erstellt am: 14.02.08 15:47:18 Beitrag Nr.: 114711 Weitere Beiträge
Dieser Beitrag:

Dieser Beitrag bezieht sich auf Threadbeitrag Nr. 114710 von wirthsald - 14.02.08 15:46:44 Uhr

 

Zuletzt stand er schon in den Schlagzeilen, weil er unmittelbar nach Einführung eines Mindestlohns in der Postbranche seine Aktien gewinnbringend verkauft hatte. Jetzt aber soll es Post-Chef Klaus Zumwinkel endgültig zu weit getrieben haben. Die Vorwürfe der Steuerhinterziehung könnten das tragische Ende einer langen Karriere sein.

 

Klaus Zumwinkel ist lange so etwas wie ein heimlicher Star in der deutschen Wirtschaft gewesen. Still, unauffällig, aber auch durchsetzungsstark und erfolgreich. Als der Chef der Deutschen Post zur Jahrtausendwende aus dem ehemaligen Staatsbetrieb einen Weltkonzern formte und diesen an die Börse brachte, erntete der deutsche Manager national wie international viel Lob für seine Arbeit. Es war der Gipfel einer Karriere, die bis vor kurzem nur eine Richtung kannte: nach oben.

Die Grundlagen für seine Managerlaufbahn wurden Klaus Zumwinkel quasi zur Geburt 1943 in die Wiege gelegt. Seinem Vater gehörten die Zumwinkel-Handelsunternehmen. Der Sohn übernahm die Kette nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster und anschließender Promotion. 1971 verkaufte er die zehn Kaufhäuser und 50 Discounter mit Gewinn an Rewe. Wenig später fing er als Berater bei McKinsey an, erst in Düsseldorf, dann in New York. 1979 wurde Zumwinkel Partner, 1984 stieg er in die weltweite Geschäftsführung auf.

An der Spitze des Versandhauses Quelle sammelte Zumwinkel ab 1985 die Managementerfahrungen, die ihn 1989 für den Job als Vorstandsvorsitzender der "Deutschen Bundespost Postdienst" qualifizierten - als erster Post-Chef, der nicht im Rang eines Bundesministers rangierte. Aus dem Staatsbetrieb hat er seitdem den größten Logistikkonzern der Welt gebaut. Die Deutsche Post World Net, wie sich die Post heute nennt, ist mit einer halben Million Beschäftigten der sechstgrößte Arbeitgeber weltweit, der Konzern hat in mehr Ländern Niederlassungen als die katholische Kirche. 1989 machte die Behördenpost jeden Tag eine Million Mark Verlust, heute wird das Unternehmen an der Börse mit 35 Milliarden Euro bewertet. Das alles ist Zumwinkels Werk.

Niemand steht länger an der Spitze eines Dax-Konzerns, kaum ein deutscher Manager gilt als besser vernetzt, vor allem in die Spitzen der Politik. Ob Post, Telekom oder Lufthansa - in den privatisierten Staatsbetrieben sitzt Zumwinkel an entscheidenden Posten, in Vorstand oder Aufsichtsrat. Aber der Post-Chef hat sich vor allem in letzter Zeit nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil. Gerade in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft wurde Zumwinkel zunehmend unbeliebter.

Der 64-jährige Zumwinkel gilt als Treiber, der der deutschen Wirtschaft den ersten Mindestlohn eingebrockt hat. Monatelang hat der Post-Chef dafür gekämpft, mit breiter Unterstützung der SPD und gegen die Interessen der Konkurrenz. Am Ende stand ein Mindestlohn, der nach Expertenansicht allein seinem Unternehmen das Überleben in der Post-Branche sichert. Dass Zumwinkel dann auch noch ein großes privates Aktienpaket an der Post verkaufte, als im Nachhall der Mindestlohneinführung die Papiere stiegen, brachte ihn noch mehr in die Kritik. Gut fünf Millionen Euro soll er an dem umstrittenen Geschäft privat verdient haben.

Von einem "Monopoly-Spiel" sprach die FDP, die Grünen nannten den Aktiendeal "moralisch verwerflich". Auch aus den Führungsetagen anderer deutscher Unternehmen hat Zumwinkel Kritik einstecken müssen. Zumwinkel selbst räumte später ein: "Ich habe einen Fehler gemacht. Der Zeitpunkt des Aktienverkaufs war nicht überlegt und in dieser Situation natürlich fatal."

Auch sein Agieren an der Spitze der Post wurde zuletzt kritischer gesehen. Vor allem das US-Geschäft, das sich offenbar als Milliarden-Grab erweist, kratzte am Image des erfolgreichen Unternehmenslenkers.

Dabei hatte der Post-Chef so große Pläne. An Selbstbewusstsein jedenfalls mangelte es ihm nicht. In seinem Büro in der 42. Etage des Post-Towers in Bonn hängt nicht zufällig ein Ölgemälde mit dem Porträt des Reichs-Postministers Heinrich von Stephan, der Ende des 19. Jahrhunderts das zersplitterte deutsche Postwesen vereinte. "Was er in Deutschland gemacht hat, mache ich jetzt auf der ganzen Welt", hat Zumwinkel einmal gesagt.

Etwa ab Jahresende, nach seinem 65. Geburtstag, wollte Zumwinkel dann an der Spitze des Post-Aufsichtsrates am Wachstum des gelben Riesens weiter mitwirken. Dieses Drehbuch muss jetzt wohl umgeschrieben werden.