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#114697 von wirthsald | Erstellt am: 14.02.08 15:32:47 | Beitrag Nr.: 114697 | Weitere Beiträge |
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Nun ist es offiziell: Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft Post-Chef Klaus Zumwinkel Steuerhinterziehung vor. Allerdings ist die Summe deutlich geringer als bisher berichtet: Es geht um eine Summe von rund einer Million Euro. Ein Haftbefehl gegen ihn wurde nicht vollstreckt, da sich Zumwinkel kooperativ gezeigt habe.
Die Ermittlungen richteten sich gegen mehrere Beschuldigte im Zusammenhang mit Geldanlagen in Liechtenstein, teilte die Staatsanwaltschaft Bochum heute Nachmittag mit. Bei Zumwinkel, dessen Privat- und Büroräume am Morgen durchsucht wurden, gehe es um einen Betrag von einer Million Euro, sagte ein Sprecher der Behörde.
Ein Haftbefehl gegen Zumwinkel sei nicht vollstreckt worden, weil der Manager sich kooperativ gezeigt habe und zudem eine Sicherheitsleistung „in nicht unerheblicher Höhe“ angeboten habe.
Nach fünfeinhalbstündigen Durchsuchungen seines Privathauses in Köln sowie seiner Büro-Räume in der Bonner Postzentrale war der Topmanager heute von der Polizei aus seinem Wohnhaus gebracht worden.
Verdacht auf Steuerhinterziehung mit Stiftung
Die Fahnder waren gegen sieben Uhr mit unauffälligen Zivilfahrzeugen vor Zumwinkels Villa im Bonner Stadtteil Marienburg vorgefahren. Kurz vor Mittag sperrte uniformierte Polizei die Straße vor dem Haus ab, anschließend verließ Zumwinkel das Haus und stieg in ein ziviles Polizeifahrzeug.
„Spiegel online“ berichtete, Zumwinkel werde vorgeworfen, seit zwei Jahrzehnten mit Hilfe einer Stiftung im Fürstentum Liechtenstein Steuern hinterzogen zu haben. Das Vermögen der Stiftung habe zuletzt mehr als zehn Millionen Euro betragen. Aus umfangreichen Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts solle hervorgehen, dass der Post-Chef auch überlegt habe, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern. Gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels wird diesen Angaben zufolge bereits seit Sommer vergangenen Jahres wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Die Operation sei seit Wochen unter strengster Geheimhaltung geplant worden, berichtete das ZDF.
Post-Sprecher: Zumwinkel "voll handlungsfähig"
Der Vorstand der Deutschen Post ist ungeachtet der Ermittlungen gegen Vorstandschef Klaus Zumwinkel nach den Worten des Konzernsprechers „voll handlungsfähig“. Die Vorstände leiteten ihre Bereiche, und „die Geschäfte laufen normal“, sagte Post-Sprecher Martin Dopychai heute der Deutschen Presse-Agentur dpa in Bonn. Es gebe auch „keine Veranlassung“, Spekulationen über die Führung zu kommentieren. Dopychai antwortete auf die Nachfrage, ob denn nun der 46-jährige Logistikvorstand Frank Appel wegen der Ermittlungen gegen Zumwinkel vorerst die Deutsche Post führe, wie Medien berichteten.
Der größte Einzelaktionär der Post, der Bund, reagierte zunächst zurückhaltend. „Das haben wir nicht zu kommentieren“, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Das sei eine Sache der Staatsanwaltschaft.
Doppel-Razzia in Zumwinkels Büro und Privathaus
Die Ermittler begannen laut ZDF mit ihren Razzien zeitgleich gegen sieben Uhr in der Zentrale des Konzerns in Bonn und in der Villa Zumwinkels im Kölner Stadtteil Marienburg. Die Ermittler hielten sich auch am späten Vormittag noch im Inneren des Hauses auf, dessen Vorhänge zugezogen waren. Im Laufe des Morgens trafen dort auch zwei auf Steuerrecht spezialisierte Anwälte ein. Beamte der Kölner Polizei rollten weiß- rote Absperrbänder bei dem Anwesen in Köln-Marienburg aus.
Arcandor-Chef Middelhoff: "Zunächst gilt die Unschuldsvermutung"
Arcandor-Chef Thomas Middelhoff sprach sich für einen Verbleib von Klaus Zumwinkel im Arcandor-Aufsichtsrat aus. Middelhoff äußerte sich heute bei der Vorstellung seiner Bilanz zu den Ermittlungen gegen den Postchef: "Zunächst gilt die Unschuldsvermutung. Zumwinkel spielt eine sehr wichtige Rolle im Aufsichtsrat von Arcandor. Er ist eine sehr eindrucksvolle Persönlichkeit und ein sehr wichtiger Manager, da wollen wir vorerst nicht auf ihn verzichten."
Dienstältester Manager eines Dax-Konzerns
Klaus Zumwinkel steht seit fast 19 Jahren an der Spitze der Deutschen Post. In seine Ära fällt der Börsengang des einstigen Staatskonzerns und die Verwandlung des eher trägen Monopolisten in ein weltweit agierendes Logistikunternehmen. Sein Vertrag läuft aus AltersgründenEnde des Jahres aus. Es wird seit längerem erwartet, dass der 64-Jährige sein Amt noch vor dem Auslaufen des Vertrages aus Altersgründen niederlegt.
Zumwinkel ist außerdem noch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom, Aufsichtsratsmitglied bei der Deutschen Lufthansa und Mitglied des Board of Directors der US-Investmentbank Morgan Stanley.
In letzter Zeit verstärkte Kritik an Zumwinkel
Der Top-Managerwar in letzter Zeit verstärkt in die Kritik geraten - und er hatte nicht immer eine glückliche Hand bei privaten Finanzgeschäften. Erst im Dezember vergangenen Jahres sorgte Zumwinkel für Negativ-Schlagzeilen, als er den Höhenflug der Post-Aktie.........nach dem „Ja“ zum Mindestlohn nutzte, Post-Aktien aus einem Optionsprogramm im Wert von 4,7 Millionen Euro zu verkaufen.......... Laut seiner Darstellung war der Aktienverkauf lange vor der Mindestlohn-Einigung geplant worden. Zumwinkel hatte angesichts der Kritik später eingeräumt, er habe einen Fehler gemacht und die Tragweite seiner Verkaufsentscheidung nicht bedacht.
Kritiker werfen dem Post-Chef außerdem vor, einen wenig lukrativen Zukauf eines Paketzustellers in den USA getätigt zu haben. Der Ausbau desUS-Geschäfts, in das das Zumwinkel 1,4 Milliarden Euro investiert hatte, geriet zum Desaster. Nach einem Berichtder WirtschaftsWoche......... will Zumwinkel in den USA 3500 Jobs, ein Fünftel seiner dortigen Belegschaft,abbauen. Außerdem muss die Deutsche Post für ihr USA-Geschäft Milliarden an Restrukturierungskosten abschreiben. Eine endgültige Entscheidung darüber soll im "Juni oder Juli" fallen.