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#111716 von huetter69 | Erstellt am: 11.02.08 17:43:08 | Beitrag Nr.: 111716 | Weitere Beiträge |
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Mit seinem neuen Bewertungssystem könnte Ebay die Büchse der Pandora geöffnet haben. Zahlreiche Verkäufer laufen Sturm, weil sie Käufern künftig nur noch gute Zeugnisse ausstellen dürfen. Nach dem Mutterkonzern in den USA kündigte am Montag auch der deutsche Zweig an, die Änderung im Sommer zu übernehmen. Viele wollen dem Online-Auktionshaus nun den Rücken kehren, drohen mit Klagen und rufen zu einem einwöchigen Ebay-Streik ab dem 18. Februar auf. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der der weltgrößte Internetversteigerer angesichts der starken Konkurrenz von Amazon und Co. an die Grenzen seines Wachstums stößt. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Ebay-Verkäufer den Aufstand proben. Bislang waren sie erfolglos.
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Das bisherige System, in dem Käufer und Verkäufer sich nach einer Auktion gegenseitig bewerten, ist ein zentraler Bestandteil von Ebay. Ohne einen derartigen Reputationsmechanismus - da sind sich Wissenschaftler einig - würde ein anonymer Online-Marktplatz nicht funktionieren. Das System sei jedoch nicht mehr transparent und aussagekräftig gewesen, sagt Patrick Boos, Geschäftsführer im Bereich Auktion von Ebay Deutschland. In letzter Zeit hätten immer mehr Verkäufer aus "Rache" für eine negative Bewertung auch ihren Kunden schlechte Noten gegeben. Seit 2001 habe sich die Zahl dieser "Rachebewertungen" vervierfacht. Das habe Käufer davon abgehalten, Verkäufer wirklich ehrlich zu bewerten.
Verkäufer rund um den Globus sehen das anders. "Die Käufer können jeden Verkäufer meiden, der nicht zu 99 Prozent positiv beurteilt wurde. Aber der Verkäufer darf keinerlei negative Bewertung über Käufer abgeben? Das ist ja wirklich gerecht!", schreibt ein anonymer Verkäufer auf der Ebay-Seite in den USA. Der deutsche Nutzer "Katznasch" kritisiert, er habe hunderte Artikel über die Plattform verkauft: "Und nun soll mein ganzes Bemühen, alle Transaktionen für Käufer und mich zufriedenstellend über die Bühne zu bekommen, zunichte gemacht werden!?" Es sei an der Zeit, "den Herren in der Chefetage zu zeigen das man nicht alles mit sich machen lässt".
Ebay sieht die Aufregung gelassen. Deutschland-Chef Stefan Groß-Selbeck sagt, die Kritik der Verkäufer werde ernst genommen, aber: "Wir sind überzeugt, dass es eine gute Entscheidung für den Marktplatz ist." Von vielen Verkäufern habe er auch Zustimmung für die Streichung des Bewertungsrechts erfahren, sagt Auktionschef Boos. Das Bewertungssystem sei "immer sehr emotional" gewesen, nun werde es transparenter, wirbt er für die Reform.
Doch die Verkäufer wollen sich nicht besänftigen lassen, zumal Ebay gleichzeitig zwar die Gebühren für das Einstellen von Artikeln senken, dafür aber bei mehr vom Verkaufserlös abzweigen will. "Wir Verkäufer haben endgültig genug. Man kann einen Hund lange schlagen, aber irgendwann beißt er zurück", schimpft Verkäufer Jan.
Doch auch wenn sich Tausende lautstark beschweren: Eine wirksame Gegenstrategie haben sie nicht. Ebay-Verkäufer haben in der Vergangenheit einige Streiks geplant wie 2003 gegen die Gebührenerhöhung in Frankreich oder gegen schlechten Service 2004 in Spanien. Bewirkt haben sie am Ende nie etwas. Und auch wenn es einige Alternativen zu Ebay gibt: Das Auktionshaus bleibt die größte, und damit erfolgversprechendste Plattform für Internetverkäufer.