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#48264 von Konsolidierung | Erstellt am: 13.11.07 09:03:28 | Beitrag Nr.: 48264 | Weitere Beiträge |
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
sie haben es sicher nicht überhören oder übersehen können, selbst, wenn Sie es gewollt hätten: Die beiden deutschen Energieriesen E.ON und RWE sind derzeit so gut wie jeden Tag in den Medien zu finden. Doch es war nicht alles gut, was da zu vernehmen war.
Zuerst machte man sich bei Politik und Verbrauchern unbeliebt, indem man von weiteren drastischen Energiepreiserhöhungen ab 2008 sprach, und dann kam der Aufreger Nummer zwei, als vermeldet wurde, das Bundeskartellamt ermittle derzeit gegen E.ON und RWE wegen angeblicher Preisabsprachen beim Strom.
Erst Mitte vergangene Woche bestätigte Kartellamtschef Bernhard Heitzer in den Medien seine Vorwürfe gegen die beiden Branchenriesen: „Wir haben im Rahmen einer Durchsuchung mit der EU-Kommission im Mai 2006 Belege für Absprachen zwischen insbesondere E.ON und RWE gefunden“, sagte Heitzer der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Es könne klar belegt werden, „dass beide Unternehmen gemeinsam marktbeherrschend sind“. Das setzt dem ohnehin bei Verbrauchern stark in Mitleidenschaft gezogenen Image der Energiekonzerne glatt noch einen obendrauf.
Wie kann man da von Konzernseite aus gegensteuern? „Am besten, Klappe halten“, scheint man sich in den Führungsetagen zu denken. Und ich bin so dreist und unterstelle folgenden Gedankengang: ‚Rechtfertigungen machen es in so einer Situation nur schlimmer. Denn immerhin sprechen die stark steigenden Großhandelspreise doch eindeutig für uns und die geplante Erhöhung. Wir können diese Erhöhung nicht alleine schultern, das würde unsere Gewinne nicht mehr auf Rekord halten. Wie sollten wir so etwas unseren Aktionären beibringen, die Dividendenrenditen von 4,23% (RWE 2007e)und 2,97% (E.ON 2007e) erwarten. Das müssen die Menschen doch einsehen.’
Was den Verbraucher am Ende eines Jahres beim Lesen der Strom-Jahresabrechnung tierisch aufregt, das versetzt die E.ON- und RWE Aktionäre in Jubellaune. Rekordergebnis nach Rekordergebnis wird bei beiden Unternehmen vermeldet. Und auch in dieser Woche wird es wohl auf jeder dieser beiden Lagerseiten entweder Schimpf und Schande oder Applaus und Wohlwollen geben, denn am Mittwoch gibt RWE seine Zahlen zum dritten Quartal bekannt. Und natürlich wird hier Positives in Aussicht gestellt.
Angetrieben von seinem Stromgeschäft hat Versorger RWE in den ersten neun Monaten Experten zufolge einen Ergebniszuwachs verzeichnen können. Analysten erwarten im Durchschnitt einen Betriebsgewinn in Höhe von 5,74 Mrd. Euro nach 5,36 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Das Essener Unternehmen legt am Mittwoch eine Bilanz für die ersten drei Quartale vor.
Die Erwartungen beziffern sich im Detail wie folgt: Der Überschuss kletterte der Umfrage zufolge von 2,09 Mrd. auf 2,94 Mrd. Euro, während der Umsatz von 33,98 Mrd. auf 31,64 Mrd. Euro gesunken sein dürfte. Aha: Gesteigertes Ergebnis trotz Umsatzrückgang, woran das wohl liegt...? Als Hintergrund des Rückgangs vermuten die Analysten den Verkauf von einer Reihe von Randbeteiligungen wie Thames Water. Eine Änderung der Prognose für das Gesamtjahr erwarten die meisten Experten hingegen nicht. Zuletzt hatte RWE angekündigt, dass der Umsatz bereinigt um Thames Water leicht zulegen und der Überschuss zurückgehen soll. Das bereinigte Ebit solle um 10 bis 15% zulegen.
Das klingt weniger euphorisch als manche „Kritiker“ sicher vermutet hatten. Doch es bleibt der Mittwoch abzuwarten. Denn man wird solange das Kartellamt offiziell im Haus ermittelt, sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Und außerdem wird man abwarten wollen, was von Seiten der Politik und der Behörden für Sanktionen hinsichtlich der geplanten Preiserhöhungen im kommenden Jahr zu erwarten sind.
Zwar gab man sich sowohl bei RWE als auch bei E.ON gelassen. Doch wie viel davon echte Gelassenheit ist, bleibt abzuwarten. Denn wenn die Bundesregierung in dem Maße durchgreift wie angedacht, dann dürfen sich auch die coolen Energielieferanten „warm anziehen“.
In den Aktien-Kurs von RWE ist jedenfalls seit dem Medienrummel um sein Unternehmen erst so richtig Schwung gekommen. Wie die Strompreise hat auch er sich vorgenommen munter weiter in die Höhe zu klettern. Allein seit Anfang September ging es für den RWE-Kurs von 79 Euro bis auf aktuell 94 Euro in die Höhe.
Damit bricht die Aktie des Energieriesen aus seiner seit Anfang 2007 andauernden Seitwärtsbewegung aus und erfreut die Aktionäre mit einem Allzeithoch nach dem anderen. Und das wird auch so weiter gehen, sollten die Zahlen am Mittwoch in der Tat so Erfreuliches verkünden, wie von Analystenseite erwartet wird.
Ihnen wünsche ich einen angenehmen Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach