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#125963 von newtrader | Erstellt am: 11.03.08 19:20:43 | Beitrag Nr.: 125963 | Weitere Beiträge |
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Wer regiert Porsche und Volkswagen?
Undurchsichtige Machtverhältnisse bei Europas Marktführer
Porsche steuert gerade wegs auf das grosse Ziel zu, die Mehrheit von Volkswagen zu übernehmen. Dabei steht viel auf dem Spiel, geht es doch um Europas grössten Autokonzern mit künftig über 400 000 Mitarbeitern, dessen Kapital weiterhin zu mehr als der Hälfte von Publikumsaktionären gestellt wird. Deshalb ist das öffentliche Interesse am Schicksal des neuen Unternehmens gross. Im Kontrast dazu stehen die undurchsichtigen Machtverhältnisse, Ziele und Strategien der Familien Porsche und Piëch, die sämtliche Stimmrechte von Porsche und bald auch die Mehrheit der Stimmen von Volkswagen halten. Seit der Bekanntgabe der angepeilten Mehrheitsübernahme vor einer Woche gibt es viele Spekulationen, aber wenig Klarheit über die Zukunft des Konzerns.
So wird über den vor einer Woche eher beiläufig bekanntgegebenen Rücktritt des Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch aus dem Präsidium des Porsche-Aufsichtsrats gerätselt. Weshalb tritt Piëch ausgerechnet zur Stunde seines grössten Triumphs aus dem innersten Machtzirkel des neuen Konzerns zurück? Der selbstgefällige Autokrat, der seit 1993 die Zügel bei Volkswagen in der Hand hält, äussert sich nicht. Am Wochenende kamen weitere Spekulationen hinzu. So berichtete das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», in der Eigentümerschaft von Porsche hätten sich gewichtige Veränderungen ergeben. Die Familie Porsche besitze, so der Bericht, wegen einer bereits 2003 erfolgten Handänderung im Familienkreis nicht die bisher vermuteten 54%, sondern 62% der Stammaktien, die Familie Piëch entsprechend nur noch 38% statt 46%. Die Besitzverhältnisse der Familien werden nicht veröffentlicht, Porsche konnte dazu keine Stellung beziehen. Das wirkt für einen Konzern dieser Grösse nicht sonderlich vertrauenswürdig.
Risikofaktor Piëch
Die Frage, wer mehrheitlich die Porsche Holding kontrolliert, ist mit Blick auf den Erfolgsausweis der beteiligten Personen nicht ohne Belang. Die Familie Porsche hat das Unternehmen unter ihrer Führung im Aufsichtsrat und mit Wendelin Wiedeking als Konzernchef aus der Krise Anfang der neunziger Jahre zur heutigen Stellung als profitabelster Autohersteller der Welt geführt. Die Regentschaft von Piëch bei Volkswagen steht dagegen für chronische Überkapazitäten, überhöhte Arbeitskosten, verzögerte Restrukturierungen, verpasste Modellvariationen, Milliardenverluste durch kaum verkäufliche Luxusautos und den Abstieg von Volkswagen zum Übernahmeopfer. Würde das unternehmerische Erfolgsteam Porsche-Wiedeking gestärkt und die Position des unberechenbaren Piëch geschwächt, könnte das für das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Kapitalgeber eine Abnahme der beachtlichen Risiken der Allianz bedeuten. Dass sich Piëch, der gemäss Medienberichten mit Wiedeking und Finanzchef Härter auch in den Aufsichtsrat von Audi drängt, kampflos zurückzieht, halten Beobachter allerdings für ausgeschlossen.
Unberechenbar bleibt auch der Einfluss der Politik. Der Volkswagen-Betriebsrat wettert unter Duldung seines traditionellen Verbündeten Piëch weiter gegen Wiedeking. Die SPD will das VW-Gesetz und damit den Einfluss der Regierung Niedersachsens sowie des VW-Betriebsrats bewahren. Ob Volkswagen je ein normales Unternehmen wird, ist ungewiss – die Kapitalgeber kann das nicht freuen.