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#77794 von  Russoil Erstellt am: 02.01.08 08:32:14 Beitrag Nr.: 77794 Weitere Beiträge
Dieser Beitrag:

FR-Interview
Der Wettlauf um das Öl
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http://www.fr-online.de/_img/fr/lupe_gruen.gi... (dpa) http://www.fr-online.de/no.gif" alt="Image" /> Image Der Ölpreis stieg 2007 auf Rekordhöhe. Ein Zeichen dafür, dass Energie global knapp wird?

Öl wird knapp, keine Frage. Aber nur das verhältnismäßig leicht zu gewinnende Öl, wie es seit 100 Jahren genutzt wird. Der aktuelle Anstieg auf mehr als 90 Dollar liegt aber auch an Spekulation an den Ölmärkten und zu geringen Raffineriekapazitäten in USA. Die Amerikaner kaufen in Europa Benzin ein, und der Preis steigt.

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In den 90er Jahren war Öl sehr billig; das Barrel kostete teils nur wenig mehr als zehn Dollar.

So billig wird es nie wieder werden, weil die Fördermenge des gut zugänglichen Öls künftig abnehmen wird.

Wie lange reichen Öl und Gas?

Das relativ billige Öl wird in rund 40 Jahre weg sein. Im Moment gibt es einen regelrechten Wettlauf um die noch frei verfügbaren Lagerstätten auf der Welt, etwa in Afrika. Besonders China und Indien kaufen sich dort ein.

Und die anderen Ölressourcen?

Teures Öl wird noch 100 Jahre und länger reichen. Es gibt die große Mengen Ölschiefer und Ölsande, die ausgebeutet werden können, außerdem Vorkommen in der Tiefsee und unter der Antarktis. Die zu gewinnen, kostet nicht 20, 25 Dollar pro Barrel wie heute, sondern das Doppelte. Man sieht: Unbezahlbar ist auch das nicht.

Eine echte Knappheit fossiler Energieträger ist also nicht zu befürchten? Zumal es ja auch noch die Kohle gibt, die für drei Jahrhunderte ausreicht.

Ja, wir haben eher ein Kosten- und Verteilungsproblem. Das ist lösbar. Kritisch wird es aber beim Thema Umwelt. Die Klimaproblematik ist am schwersten in den Griff zu bekommen.

Die Industrieländer haben den Anstieg der Energiepreise bisher erstaunlich gut weggesteckt. Woran liegt das?

Das hat drei Ursachen. Erstens: Bei den Ölkrisen kam die Verdoppelung der Energiepreise praktisch über Nacht; jetzt geht es allmählich nach oben, man kann sich anpassen. Zweitens: Die Wirtschaft ist in den vergangenen 30 Jahren recht gut gewachsen, also kapitalkräftig. Drittens: Die Wirtschaft ist dank besserer Technologie nicht mehr so stark vom Öl abhängig.

Probleme bekommen eher die Entwicklungsländer?

Genau. Sie leiden extrem unter den hohen Ölpreisen. Das hat bei vielen bereits eine Rezession ausgelöst. Sie brauchen für ihre Entwicklung einen leicht nutzbaren, einfach zu lagernden Energie-Rohstoff - zu deutsch: Öl. Das können sie kaum noch bezahlen.

Was ist der richtige Weg, um eine Welt mit bald neun Milliarden Menschen mit Energie zu versorgen?

Da gibt es nur eine Antwort: Wir werden sämtliche Energieträger nutzen müssen, weiterhin die Kohle, in Ländern mit hohem Technologiestandard auch die Kernenergie. Allein mit erneuerbaren Energien werden wir den Energiehunger der Welt noch einige Jahrzehnte lang nicht stillen können. Sie müssen aber verstärkt in denen Markt eingeführt werden.

Andere Energieexperten sagen: Der Umstieg geht schneller.

Von den Potentialen der erneuerbaren Energien her schon, aber nicht, wenn man die Kosten und andere Randbedingungen beachtet. Mondrechnungen anzustellen, ist falsch.

Was ist wichtiger - gute Versorgung oder Klimaschutz?

Ein echter Zielkonflikt. Die Schwellen- und Entwicklungsländer wollen unseren Lebensstandard, und das ist bisher mit stark steigendem CO2-Ausstoß verbunden. Jedes Jahr steigen die globalen Klimagas-Frachten um eine Milliarde Tonnen, davon kommt die Hälfte alleine aus China. Vergleichen Sie: Deutschland will bis 2020 rund 0,3 Milliarden Tonnen seines Jahresausstoßes einsparen. Das ist halb so viel, wie China in einem Jahr zusätzlich in die Atmosphäre pustet. Langfristig lässt sich der Konflikt auflösen, das heißt: in 50, 60 Jahren, wenn wir die nötigen Energietechniken dafür haben. Kurzfristig lässt er sich nur abmildern.

Der Klimawandel muss trotzdem begrenzt werden, damit die Schäden nicht unbeherrschbar werden. Was tun?

Ein wichtiges Instrument ist, dem CO2 einen Preis zu geben. Das unterstützt die Bemühungen weniger CO2 zu produzieren. Das wird aber nur Wirkungen haben, wenn auch die USA, Indien und China dabei einbezogen werden.

Interview: Joachim Wille