Ölimporte nach China und Indien steigen rasant an
Klar ist schon jetzt, dass der Ölimport nach China und Indien sehr stark ansteigen wird. In einer Prognose geht die IEA davon aus, dass der gesamte Ölimport dieser beiden Länder von 5,4 Mio. Barrel am Tag im Jahr 2006 auf 19,1 Mio. Barrel am Tag im Jahr 2030 ansteigen wird.
Nur zum Vergleich: Die USA verbrauchen rund 21 Mio. Barrel Öl pro Tag. China ist erst bei 7 Mio. Barrel pro Tag. Bei Wachstumsraten von 10% pro Jahr ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis China mehr als 10 Mio. Barrel pro Tag verbraucht. Indien ist sogar erst bei einem Verbrauch von 2,5 Mio. Barrel pro Tag. Wenn dort die Infrastruktur weiter ausgebaut wird, wird sich der Verbrauch mindestens verdoppeln. Prognosen der IEA für das Jahr 2030 lassen einen Anstieg des Verbrauchs von aktuell rund 85 Millionen Barrel auf deutlich mehr als 110 Millionen Barrel erwarten. So viel Öl kann mit der heute verfügbaren Technologie gar nicht gefördert werden.
Dieses eher düstere Bild wird dadurch abgemildert, dass es immer wieder Neuentdeckungen von Ölfeldern auf der ganzen Welt gibt. Erst vor einigen Wochen gab es die Meldung über die Entdeckung eines Riesenölfelds vor der brasilianischen Küste. Die dort vermuteten Vorräte sollen sich auf bis zu 8 Mrd. Barrel belaufen. Damit würden sich die die Ölreserven Brasiliens auf einen Schlag um 40% erhöhen und Brasilien könnte damit zu den zehn größten Ölproduzenten der Welt aufschließen.
So schon so gut. Aber bei einem genaueren Blick wird deutlich: Dieses Vorkommen lagert in rund 7 km Tiefe. Dies verteuert die Produktionskosten enorm und erste Schätzungen gehen davon aus, dass eine rentable Förderung dieses Vorkommens erst bei einem dauerhaften Ölpreis von mehr als 60 Dollar möglich ist.
Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass selbst mit großen neuen Ölfeldern kaum eine Entlastung zu erreichen sein wird. Und noch etwas: Wenn schon ein Benzinpreis von unter 1,30 Euro pro Liter zu Hamsterkäufen in Deutschland führt, dann können Sie sich schon vorstellen, was uns in der Zukunft noch bevorstehen wird.
Bis morgen,
Heiko Böhmer
Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“