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#59433 von Russoil | Erstellt am: 27.11.07 10:01:23 | Beitrag Nr.: 59433 | Weitere Beiträge |
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26.11.2007
ND: Der Ölpreis kratzt an der 100-Dollar-Marke. Erklären sie uns den jüngsten Preisschock!
Matthies: Entscheidend dafür sind Meinungsverschiedenheiten in der OPEC (Organisation Erdölexportierender Länder) über den künftigen Kurs. In den vergangenen Jahren hatten die moderaten Kräfte, angeführt von Saudi-Arabien, sich dafür eingesetzt, dass der Preis nicht übermäßig anstieg. Jetzt spielen die Falken Venezuela, Ekuador und Iran eine stärkere Rolle. Daher ist es fraglich, ob die OPEC ihre Fördermenge weiter erhöht und so den Preisauftrieb dämpft. Zudem trieben in den letzten Wochen die Nordirak-Krise und der mögliche Einmarsch türkischer Truppen den Preis nach oben. Hinzu kommt der schwelende Iran-Konflikt um die Urananreicherung.
Aber auch Finanzinvestoren und Rohstofffonds drehen am Preisrad.
Ja, sie spielen eine große Rolle. Genau quantifizieren kann man dies zwar nicht, aber beim Ölpreis dürften 10 Dollar und mehr spekulativ sein. Unter den »Spekulanten« sind aber auch Marktteilnehmer, die ein physisches Interesse am Öl haben und sich ihren Nachschub für später sichern, weil sie einen weiteren Preisanstieg befürchten.
Der Ölpreis steigt tendenziell schon seit Ende 1998.
Nach der Asienkrise war der Ölpreis kurzzeitig bis auf 10 Dollar abgesackt. 2002/03 hat sich dann fundamental etwas geändert: Seither wächst die Öl-Nachfrage aus den Schwellenländern, allen voran China, rasant. Diesen Strukturbruch im globalen Ölgeschäft haben Förderländer, Ölkonzerne und auch wir Beobachter verschlafen.
Nach dem Lehrbuch müsste die Ölförderung entsprechend steigen, tut sie aber nicht.
Sie ist in den letzten Jahren gestiegen, aber die Ausweitung ist teuer, schwierig, langwierig. Und die OPEC-Staaten haben kein starkes Interesse daran, die Ölförderung schnell auszubauen, weil sie von den hohen Preisen genug profitieren. Die Neigung, sich nun besonders anzustrengen, ist daher gering. Die Staaten sind ganz zufrieden mit der jetzigen Lage, da die befürchteten negativen Auswirkungen der hohen Preise auf die Weltwirtschaft bislang weitgehend ausblieben. Dazu kommen die ungelösten politischen Konflikte vor allem im Nahen Osten, der wichtigsten Förderregion.
Einige Experten erwarten, dass die Ölförderung 2009 den Gipfel erreicht haben wird. Was halten Sie von der Peak-Oil-Warnung?
Panikmache. Natürlich wird irgendwann ein Punkt erreicht sein, an dem die jährliche Fördermenge aus geologischen Gründen zu sinken beginnt. Das spielt aber aktuell noch keine Rolle.
Können wir 2017 noch unsere Ölrechnungen bezahlen?
Da ist alles möglich. Venezuelas Präsident Hugo Chávez hat schon von 200 Dollar gesprochen. Für den Fall, dass geopolitische Zuspitzungen ausbleiben, gehe ich allerdings davon aus, dass nach dem Winter der Preis auf etwa 80 Dollar sinken wird. Auf längere Sicht dürfte sich Öl aber weiter verteuern. Die 100 Dollar sind da sicher keine Grenze. Da die Wachstumsraten in den Schwellenländern hoch sind und wohl auch hoch bleiben werden, können wir davon ausgehen, dass Öl teuer bleibt.
Trotzdem: Gemessen an der Wirtschaftsleistung waren die Ölkrisen der 70er und 80er Jahre schlimmer.
Ja, 1973 und 1979/80 vervierfachte sich der Ölpreis jeweils innerhalb weniger Monate. Wir können die Entwicklung heute entspannter sehen als damals, denn die Wirtschaft ist nicht mehr so abhängig vom Öl. Schocks lassen sich daher besser verkraften. Unterm Strich belastet der Preisanstieg aber die deutsche Wirtschaft. Auch in den Industrieländern insgesamt wird er die Konjunktur dämpfen. Langfristig kann der hohe Ölpreis aber auch ein Segen sein – weil wir dann mehr Energie einsparen werden. Das Klima würde es uns danken.