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#35383 von LONGshort | Erstellt am: 27.10.07 21:02:39 | Beitrag Nr.: 35383 | Weitere Beiträge |
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Düsseldorf - Der Höhenflug des Solarkonzerns Conergy AG an der Börse ist vorerst beendet. Überraschend korrigierte das Hamburger Unternehmen seine Umsatz- und Gewinnprognosen drastisch nach unten. Die Ertragserwartungen senkte Conergy um ein Fünftel auf eine Mrd. Euro. Beim Vorsteuergewinn gehen die Hamburger jetzt von 40 statt 60 Mio. Euro für das laufende Jahr aus. Nach Steuern könnte sogar ein Verlust anfallen, sagte ein Firmensprecher. Für die Anleger war das ein Schock. Innerhalb weniger Stunden stürzte die Conergy-Aktie um rund ein Drittel auf 38 Euro.
http://ad.de.doubleclick.net/1361020/ANZEIGE.GIF" alt="Image" />Als Ursache für die schlechten Zahlen nannte der Konzern neben Problemen mit Lieferanten auch unsichere Währungsgeschäfte und die Abwertung von Lagerbeständen. Aus dem Umfeld von Conergy heißt es dazu, die chinesische Suntech Power habe umfangreiche Lieferungen im Wert von rund 270 Mio. Dollar (188 Mio. Euro) zurückgehalten, die für die Solarproduktion notwendig seien. Die Unternehmen streiten sich demnach offenbar über ausstehende Zahlungen.
Noch vor wenigen Tagen hatte das Unternehmen wiederholt positive Meldungen verbreitet, die den Kurs von Conergy stützten. Erst am Donnerstag hieß es, die Firma habe langfristige Lieferverträge mit dem US-Konzern MEMC über bis zu acht Mrd. Dollar abgeschlossen- und sich so langfristige Einkaufspreise gesichert. MEMC soll Vorprodukte in eine Solarfabrik der Hamburger nach Frankfurt/Oder liefern. Noch Mitte des Monats hatte Conergy zudem die alte Gewinn-Prognose bestätigt. Nach Einschätzungen von Finanzmarktexperten sind die Probleme des Konzerns hausgemacht. Zu oft sei in den vergangenen Jahren die Strategie gewechselt worden. So habe das Unternehmen unkontrolliert teure Büros in Spanien oder Fernost aufgebaut, ohne entsprechende Einnahmen zu erreichen. Auch sei wahllos in Energie-Projekte investiert worden, ohne auf die Kostenseite zu achten.
"Conergy konnte bei seinen Investitionen die neuen Verbindlichkeiten nicht immer aus gestiegenen Umsätzen und Gewinnen begleichen", sagte ein Firmenkenner. Auch das Milliardengeschäft mit MEMC sehen Beobachter kritisch. "Das ist ein Notgeschäft, um die neue Fabrik in Frankfurt an der Oder auslasten zu können." Die Preise dafür seien überzogen. Nach Ansicht von Investoren wird es für das Unternehmen sehr schwer, das verspielte Vertrauen zurückzugewinnen. WestLB-Analyst Mark Köbernik sagte der Morgenpost, "die grundlegenden Probleme waren vor einem Jahr bekannt und wurden zu spät angegangen. Das ist sehr negativ." Die Commerzbank stufte die Conergy-Aktie von "Kaufen" auf "Verkaufen" zurück. Die Gewinnwarnung sei dramatisch, sagte Analyst Erkan Aycicek. Sebastian Growe von Equinet sagte: "Die Glaubwürdigkeit des Unternehmens habe deutlich gelitten, weil Conergy erst jüngst die Ziele bekräftigt habe."
Dass die ganze Branche betroffen sein könnte, halten Analysten für unwahrscheinlich. Denn Vertreter von Ersol und Q-Cells bestätigten ihre Prognosen. Der Vorstandschef von Solarworld, Frank Asbeck sagte, sein Unternehmen laufe weltweit "auf Kurs".
Aus der Berliner Morgenpost vom 27. Oktober 2007