Geldanlage in Aktien: Ungebremste Nachfrage nach Rohstoffen
von M. Geissler, Biallo & Team
Die gute Stimmung des Boersenjahres 2005 haelt auch in diesem
Jahr an. Seit Januar hat der deutsche Leitindex DAX bereits
zehn Prozent zugelegt und erreichte erstmals seit fuenf Jah-
ren wieder die 6.000-Punkte-Marke. Doch wird der Aufwaerts-
trend anhalten?
"Deutsche und europaeische Aktien besitzen weiterhin Potenti-
al", zeigt sich Martin Gilles, Chefaktienstratege der WestLB,
ueberzeugt. Vor allem die ueppigen Unternehmensgewinne trie-
ben die Kurse weiter nach oben. Besonders interessant sind
fuer Gilles deutsche Dax-Konzerne: "Prognostizierte Gewinnan-
stiege von durchschnittlich 13 Prozent sind Treibstoff fuer
hoehere Kurse." Zudem sei der DAX immer noch guenstiger be-
wertet als andere Indizes. Andreas Raffel, Chef des Bankhau-
ses Rothschild, Deutschland, bevorzugt ebenfalls deutsche
Aktien: "Die gute wirtschaftliche und politische Lage er-
moeglicht es deutschen Unternehmen, verstaerkt durch Akquisi-
tionen zu wachsen." Mega-Deals und Firmenuebernahmen heizten
die Kursphantasie vieler Titel an - siehe Bayer-Schering.
David Kohl, stellvertretender Chefoekonom bei Julius Baer,
erkennt hingegen Chancen in Fernost: "Japanische Aktien zaeh-
len 2006 zu unseren Favoriten." Ausserdem haelt Kohl Schwel-
lenlaender, etwa die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, In-
dien und China) fuer interessant. Eine Branche sticht dabei
heraus: der Rohstoff- und Energiesektor. Binnen sieben Jahren
verdreifachte sich beispielsweise der Goldman-Sachs-Rohstoff-
Index, viele Aktienfonds dieser Kategorie verdoppelten in den
letzten drei Jahren ihren Wert. Ein Ende der Hausse scheint
nicht in Sicht. Die Landesbank Baden-Wuerttemberg sieht in
Rohstoffen gar die "Anlageklasse des Jahrzehnts".
Die positive Stimmung an den Boersen ist durchaus begruendet:
Die Konjunkturdaten vieler Volkswirtschaften sind unveraen-
dert gut, die Nachfrage nach Rohstoffen, Industrie- und Kon-
sumguetern ungebremst. Zwar mehren sich Stimmen, die vor ei-
ner Konsolidierung der Maerkte warnen, nachhaltige Kursrueck-
gaenge erwartet aber niemand. "Anders als in den neunziger
Jahren, als sich der Hoehenflug der Boersenkurse meilenweit
von der Ertragssituation der Unternehmen entfernt hatte,
steigen heute die Kurse im Gleichschritt mit den Gewinnen",
erlaeutert Hans-Juergen Loeckener, Geschaeftsfuehrer der
Fondsgesellschaft Cominvest, den fundierten Boersenauf-
schwung.
Ein robuster Gesamtmarkt verhindert aber nicht einzelne Ab-
stuerze - und die wiegen schwer. So bedarf es bei einem Kurs-
verlust um 50 Prozent einer Wertsteigerung um 100 Prozent, um
wieder auf den gleichen Ausgangswert zu kommen! "Boersianer
sollten daher stets Verlustmanagement betreiben", raet Thomas
Bieler von der Verbraucherzentrale Duesseldorf. Stopps sind
wichtigste Sicherheitsbarriere. Solche Verkaufsschwellen wer-
den zehn bis 15 Prozent unterhalb des Einkaufspreises der
Aktie gesetzt. Faellt die Aktie unter die "Stopp-Loss-
Grenze", verkauft die Bank automatisch das Papier. Auf diese
Weise sind Totalverluste ausgeschlossen. Man sollte dabei
moeglichst krumme Zahlen als Limit waehlen, etwa 20,11 Euro
und nicht 20 Euro. Da viele Stopp-Kurse auf glatten Zahlen
liegen, loest deren Unterschreitung eine Flut von Verkaeufen
aus. Der Kurs sackt dadurch kurzzeitig ab, was den Verkauf-
serloes deutlich schmaelert. Wichtig: Steigt eine Aktie, kann
der Stoppkurs entsprechend erhoeht werden. Vorhandene Gewinne
lassen sich so sichern. Auch sollte nicht alles auf ein Pa-
pier gesetzt werden. Ein Aktiendepot sollte mindestens acht
bis zehn unterschiedliche Titel enthalten. Wer unsicher ist,
welche Aktie die richtige ist, kann auf breit gestreute Stan-
dardwerte-Aktienfonds setzen.