Air Berlin: „Attraktive Ziele in Nord- und Osteuropa“
04.05.2006 - Mit Air Berlin steht einer der größten Börsengänge des Jahres 2006 kurz vor dem Abschluss. [URL]www.4investors.de[/URL] hat sich mit Unternehmenschef Joachim Hunold über den Börsengang und die Pläne danach unterhalten.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Bis vor kurzem hieß es, Air Berlin komme irgendwann in 2006 an die Börse. Jetzt geht alles auf einmal recht schnell. Warum diese plötzliche Eile beim Börsengang?
Hunold: Wir liegen genau im Zeitplan, von plötzlicher Eile kann keine Rede sein.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Sie werden einen Aktiensplit von 1:4 durchführen und eine Kapitalerhöhung machen. Danach gibt es etwa 63,3 Mio. Aktien von Air Berlin. Bei der genannten Bookbuilding Spanne von 15,00 Euro bis 17,50 Euro liegt die Marktkapitalisierung dann bei rund 1 Mrd. Euro. Ist das ein fairer Wert für Air Berlin?
Hunold: Ob die Bewertung fair oder nicht fair ist, entscheidet allein der Markt. Donnerstag ist der letzte Tag der Zeichnungsfrist. Die Erstnotiz und damit Handelsaufnahme an der Frankfurter Wertpapierbörse der Air Berlin-Aktien ist für Freitag, den 5. Mai, geplant.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Es gibt eine Studie der Commerzbank, ihrer Konsortialbank, dass Air Berlin im laufenden Jahr einen Gewinn von 50 Mio. Euro macht. Legt man dann einen Börsenkurs von 17,50 Euro zugrunde, errechnet sich ein KGV von etwa 22. Sowohl die Lufthansa als auch Ryanair werden in diesem Jahr nach den bisherigen Schätzungen ein KGV von etwa 15 erreichen. Womit ist ihre höhere Bewertung zu begründen?
Hunold: Die Zeichnungsfrist ist noch nicht abgelaufen; das Bookbuilding-Verfahren ist somit noch offen. Über den Preis der Aktien können und dürfen wir nicht spekulieren. Der Angebotspreis wird am heutigen Donnerstag, dem 4. Mai, festgelegt und danach veröffentlicht.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Zwischen 600 und 800 Mio. Euro werden ihnen nach dem Börsengang an Kapital zufließen. Ein Teil des frischen Geldes soll in Akquisitionen investiert werden. Wo liegt da ihre Stoßrichtung?
Hunold: Wir wollen nach wie vor von innen heraus wachsen. Übernahmepläne haben wir derzeit nicht.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Ihr Freefloat wird bei bis zu 79 Prozent liegen. Da könnte doch auch eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen über kurz oder lang möglich sein?
Hunold: Theoretisch ist immer alles möglich. Da wir jedoch Namensaktien ausgeben, behalten wir schon den Überblick.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Die Nettoverschuldung lag 2005 bei 309 Mio. Euro, das Eigenkapital beläuft sich auf 197 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote beträgt 18,5 Prozent. Das ist keine so berauschende Zahl, wollen sie diese Quote steigern oder halten sie diese für unbedenklich?
Hunold: Für eine Fluggesellschaft unserer Größe ist die Verschuldung nicht hoch. Derzeit sind keine weiteren Kapitalmaßnahmen geplant.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Sie haben im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. Am Ende stand ein Nettoverlust von 116 Mio. Euro in den Büchern. Analysten zeigten sich davon alles andere als begeistert. Ihre Mitbewerber, z.B. Ryanair, schreiben dagegen schwarze Zahlen. Warum sollten Anleger trotzdem in ihr Unternehmen investieren?
Hunold: Der Nettoverlust ist vor allem auf Einmaleffekte zurück zu führen: die durch Währungsumrechnung (von US-Dollar in Euro) und IFRS-Bilanzierung. Faktoren, die nicht cash-relevant sind.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Ihr Finanzvorstand meinte vor kurzem, dass man gegen den hohen Ölpreis zunächst nicht abgesichert gewesen sei. Dies habe man nun aber im Griff. Was haben sie gemacht, um sich gegen den Preis abzusichern?
Hunold: Das war ein Branchenproblem, denn kaum jemand wollte sich bei hohen Preisen absichern. Aktuell haben wir unseren Treibstoffeinkauf zu 80 Prozent abgesichert.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Es gibt Kritik, dass sie für den Börsengang zu viele Gebühren zahlen und dass es keine gute Idee war, sich eine englische Rechtsform zu nehmen. Was sagen Sie diesen Kritikern?
Hunold: Die englische Rechtsform mag nur auf den ersten Blick teurer erscheinen. Bei näherer Betrachtung überwiegen jedoch die Vorteile, da wir uns leichter mit unseren Mitbewerbern am Markt vergleichen können. Zudem sind wir nicht mitbestimmungspflichtig.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Lufthansa bietet derzeit europaweite Flüge zu 99 Euro an. Gräbt ihn das ein wenig die Kundschaft ab, spüren sie das?
Hunold: Die Überlappungen im Markt mit der Lufthansa betragen gerade einmal 9%. Wer wirklich Flüge zu 99 Euro buchen möchte, muss zeitlich schon sehr flexibel sein.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Wie konkret sind ihre Pläne aus Berlin fortzuziehen, wenn die dortigen Beschränkungen beim Nachtflugverbot kommen?
Hunold: Es gibt derzeit keinerlei Überlegungen, aus Berlin fort zu ziehen.
[URL]www.4investors.de:[/URL] In verschiedenen Studien heißt es, dass nur drei oder vier große Billigflieger den Boom überleben werden. Warum soll Air Berlin dazugehören?
Hunold: Wir gehören zu den drei größten Low Cost Carriern in Europa und haben eine sehr günstige Kostenstruktur (unter 10 Prozent Personalkosten).
[URL]www.4investors.de:[/URL] In ihrem Unternehmen rumort es an verschiedenen Stellen ein wenig. Piloten wollen mehr Geld, es gibt Forderungen nach einem Betriebsrat. Für eine Aktiengesellschaft sind solche Unruhen wie offene Brandherde. Wie ist das weitere Vorgehen?
Hunold: "Unruhen" und "Brandherde" sind die Wunschvorstellung der Pilotengewerkschaft VC Cockpit. Die rekrutiert sich mehrheitlich aus Piloten unseres Mitbewerbers Lufthansa und hat nur ein Ziel: uns aus dem Markt zu drängen.
[URL]www.4investors.de:[/URL] Wo wird Air Berlin in zwei Jahren stehen, was können die Aktionäre erwarten?
Hunold: Wir werden unser Wachstum konsequent fortsetzen und den Ausbau unseres Streckennetzes forcieren. Neue attraktive Ziele bieten sich vor allem in Nord- und Osteuropa. Da ist der Markt noch lange nicht ausgereizt.