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#16748 von BigOnyxia | Erstellt am: 15.05.07 10:25:07 | Beitrag Nr.: 16748 | Weitere Beiträge |
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Der bisherige Mutterkonzern werde den restlichen Anteil von 19,9 Prozent an Chrysler behalten, um die Zusammenarbeit bei konkreten Projekten fortzusetzen, kündigte DaimlerChrysler-Konzernchef Dieter Zetsche in Stuttgart an. Die milliardenschweren Pensions- und Gesundheitskosten würden bei Chrysler verbleiben. Chrysler hatte im vergangenen Jahr wegen der Absatzschwäche seiner zu durstigen Fahrzeugflotte rund eine Milliarde Euro Verlust gemacht. Am 14. Februar hatte Zetsche bei der Bilanzpressekonferenz in Detroit erklärt, für die Zukunft von Chrysler würden nun alle Optionen geprüft. Zugleich kündigte er den Abbau von 13.000 Chrysler-Jobs an. Mit Cerberus solle es keine neuen Stellenstreichungen geben, hieß es nun. In der Verwaltung der künftigen Daimler AG könne er "kleinere Anpassungen nicht ausschließen", sagte Zetsche.
ARBEITNEHMER ZUVERSICHTLICH, DIE BÖRSE AUCH
Die Arbeitnehmer, die in den vergangenen Wochen noch den Einstieg eines Finanzinvestors abgelehnt hatten, erklärten ihre Zustimmung. Der stellvertretende Aufsichtsratschef und Betriebsratsvorsitzende Erich Klemm zeigte sich zuversichtlich, dass die Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Atlantiks gesichert seien. Die Börse honorierte die Trennung. Der Kurs machte bis zum Mittag einen Sprung von 5,74 Prozent auf 64,09 Euro, schwächte sich zum Nachmittag aber auf ein Plus von 3,48 Prozent auf 62,72 Prozent ab.
"Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen", sagte Zetsche, der sich zusammen mit Vorstandskollegen und dem Verwaltungsratschef von Cerberus, dem ehemaligen US-Finanzminister John Snow, in Stuttgart den Fragen der Medien stellte. Snow machte dabei deutlich, dass der Cerberus-Berater und einstige Manager von DaimlerChrysler und VW, Wolfgang Bernhard, nicht ins Chrysler-Management kommen werde, wie spekuliert worden war. Cerberus wolle sich länger bei Chrysler engagieren. "Wir denken nicht an das nächste Quartal und die Analysten", sagte Snow. "Unser Kapital ist Geduld."
INDIREKTE KRITIK AN JÜRGEN SCHREMPP
DaimlerChrysler habe nur begrenzten Nutzen aus der jahrelangen Zusammenarbeit mit Chrysler gezogen, sagte Zetsche, der damit indirekt seinen Vorgänger Jürgen Schrempp kritisierte. Dieser hatte 1998 angekündigt, DaimlerChrysler werde der profitabelste Autokonzern der Welt werden. Die Synergien, die möglich gewesen seien, seien ausgeschöpft worden, sagte Zetsche. "Darüber hinaus gehende Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sind angesichts der unterschiedlichen Segmente begrenzt." Daher habe sich das Unternehmen entschlossen, die Mehrheit an Chrysler zu verkaufen. "Gleichzeitig ist mir persönlich diese Entscheidung nicht leicht gefallen." Dennoch werde die Zusammenarbeit auf einigen Gebieten fortgesetzt. Einen personellen Kahlschlag werde es nicht geben. Es könne höchstens zu kleineren Anpassungen kommen, sagte Zetsche.
Das formelle Aus von DaimlerChrysler soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst beschlossen und auch im Firmennamen sichtbar gemacht werden: Statt DaimlerChrysler AG wird der Stuttgarter Autobauer künftig nur noch Daimler AG heißen. Damit wird auch das Ende der einstigen "Welt AG" besiegelt, die mit Beteiligungen in den USA und Asien geschmiedet werden sollte.
PENSIONS- UND GESUNDHEITSKOSTEN BEI CHRYSLER
Durch die Trennung von der defizitären US-Tochter wird der Gewinn des Stuttgarter Mutterkonzerns in diesem Jahr voraussichtlich mit bis zu vier Milliarden Dollar belastet, hieß es. Zetsche betonte dennoch: "Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft - für Daimler und für Chrysler."
Cerberus hat nach Informationen aus Finanzkreisen auch dank finanzieller Zugeständnisse den Zuschlag für Chrysler erhalten. "Die Angebote waren von sehr unterschiedlicher Qualität", sagte eine informierte Person der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Das Angebot von Cerberus war das detaillierteste und seriöseste." Interesse an Chrysler hatten auch der US-Finanzinvestor Blackstone, der kanadische Autozulieferer Magna und der US-Milliardär Kirk Kerkorian.
Der Vertrag mit Cerberus sieht vor, dass die hohen Pensions- und Gesundheitskosten von Chrysler bei dem US-Unternehmen verbleiben und damit künftig nicht den Stuttgarter Konzern belasten werden. Der Rest der Transaktion ist kompliziert: Von der Einlage von 5,5 Milliarden Euro, die Cerberus leistet, sollen 3,7 Milliarden in das Industriegeschäft und 800 Millionen in das Finanzdienstleistungsgeschäft fließen, um die jeweilige Eigenkapitalquote zu stärken. Den Restbetrag von einer Milliarde Euro erhalte DaimlerChrysler, gibt Chrysler aber ein Darlehen von 300 Millionen Euro. Außerdem solle das Industriegeschäft von Chrysler komplett Schuldenfrei übergeben werden. Dies werde DaimlerChrysler 1,2 Milliarden Euro kosten. Zusätzlich werden langfristige Schulden von Chrysler abgelöst.