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#137416 von  KGV Erstellt am: 27.06.08 18:12:59 Beitrag Nr.: 137416 Weitere Beiträge
Dieser Beitrag:

27.06.2008 13:38

Milliardengrab DaimlerChrysler

Editorial

Liebe Leser,

am kommenden Montag geht das erste Börsenhalbjahr zu Ende. Im Rückblick auf die vergangenen Jahre fällt auf: 2008 war sicherlich bislang äußerst turbulent. Nur zur Erinnerung: Der DAX startete dieses Jahr mit etwas mehr als 8.000 Punkte. Doch schon zwei Wochen später begann der Abstieg.

Mit unter 6.400 Punkten sind wir dem Jahrestief vom 17. März heute im Handelsverlauf wieder sehr nahe gekommen. Damals notierte der deutsche Leitindex kurzzeitig bei 6.167 Punkten. Der aktuelle Stimmungsmix an den internationalen Finanzmärkten lässt auch kurzfristig kaum Raum für große Kurssprünge.

Über allem schwebt die hohe Inflation – nicht nur in vielen aufstrebenden Ländern, wie eben China oder Indien, sondern auch bei uns. Eine Preissteigerung von 3,7% wie im Mai in der EU ist ein Rekordwert. In Deutschland lag die Teuerung im Mai im Vergleich zum Vorjahr bei 3,1%.

Trotz der eher schlechten Rahmenbedingungen sind die langfristigen Perspektiven für deutsche Aktien gut. Als Maßstab dient hier die Bewertung. Aktuell notiert der DAX mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 12. Das ist deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 15. Vor allem Finanzwerte sind aktuell – jedenfalls auf den ersten Blick günstig zu haben. Das KGV der Allianz beträgt nur 7,2 und die Deutsche Bank bringt es auf 7,6. Dennoch ist jetzt noch nicht der Zeitpunkt zum Einstieg bei Finanzwerten gekommen. Die Finanzkrise in den USA ist noch lange nicht überwunden. Und einen Trost haben wir in der aktuellen Marktphase auf jeden Fall: Historisch betrachtet sind US-Wahljahre gute Börsenjahre.

Derzeit leiden viele Konzerne eben unter externen Faktoren, wie dem hohen Ölpreis. Dagegen kann man sich als Konzern zwar absichern. Doch gibt es insgesamt nur wenige Möglichkeiten. Ganz anders sieht es bei internen Faktoren wie falschen Managemententscheidungen aus. Hier kann man im Rückblick sehr häufig die Fehler an einer Person festmachen. Mein Kollege Norbert Lohrke, vom Börsendienst „Take Off Investor“ stellt Ihnen heute das Milliardengrab Daimler Chrysler (News/Aktienkurs) vor. Da heißt es: Platz nehmen und anschnallen bei dieser turbulenten Fahrt.

Ein schönes Wochenende
wünscht Ihnen
Heiko Böhmer
Chefredakteur „Privatfinanz-Letter

Milliardengrab Daimler Chrysler

Von Norbert Lohrke, Chefredakteur „Take Off Investor“

„Mit dem heutigen Tag beginnt ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte.“ Dies waren die Worte des Vorstandsvorsitzenden der damaligen DaimlerChrysler AG, Dr. Dieter Zetsche, mit denen er die außerordentliche Hauptversammlung zur Namensänderung am 4. Oktober 2007 ankündigte. Die Überschrift der Pressemitteilung lautete: „DaimlerChrysler schließt Transaktion zur Mehrheitsabgabe von Chrysler an Cerberus ab“.

Schon kurz danach musste er für das 2. Quartal am 29.08.2007 einen Umsatzrückgang von -3,3 % und ein Rückgang des EBIT von -10,1 % melden. Dann haben die Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung - wie erwartet – mit 98,76 % der Stimmen die Namensänderung von DaimlerChrysler AG in Daimler AG gebilligt. Dabei wurde mit dem Verschwinden des Namen Chryslers in bester Marketingmanier m.E. durchaus der Eindruck erweckt, als wenn das Kapitel Chrysler damit abgeschlossen wäre.
Deshalb habe ich schon damals darauf hingewiesen, dass das Kapitel Chrysler AG für die Daimler AG noch lange nicht vorbei ist. Ich hatte damals schon vermerkt: „Daimler geht Risiko von 1,5 Mrd. Dollar ein, weil Cerberus Schwierigkeiten hat, den Deal am Markt zu finanzieren!“.

Daimler-Vorstände werden von der Vergangenheit eingeholt

Dass es mit der Aktionärsfreundlichkeit nicht zum besten stand, kommentierte ich damals mit folgenden Worten: „Eintrag Schwarzbuch Börse 2007! Das Optionsprogramm aus 2000, das ohne Hintergrundinformationen blindlings durch gewunken wurde und worauf der SdK (= Schutzvereinigung der Kapitalanleger e.V.) auf seine Nachfragen keine Antwort seitens des Vorstands erhielt, belohnt nachträglich die ungeheure Wertvernichtung.“ Dass das Kurspotential seinerzeit - aller Hochglanzbroschüren und dem neuen Namen zum Trotz - als negativ eingestuft wurde, sei hier nur am Rande erwähnt.

Nun holt also Daimler seine Geschichte ein. Oder sollte man besser sagen: Zetsche und seine Vorstandskollegen werden von den unsäglichen Verträgen von damals eingeholt. Denn Chrysler hat jetzt den Kredit über 2 Milliarden Dollar abgerufen. Davon entfallen 1,5 Mrd. Dollar auf die Daimler AG und 0,5 Mrd. Dollar auf Cerberus. Der Kredit hat eine Laufzeit bis 2014. Er wird mit 7 % über Libor (=London Interbank Offered Rate) verzinst. Nun sind bei einer Bilanzsumme von 135 Milliarden Euro 2 Mrd. Dollar ja nicht gerade die Welt. Das sieht aber etwas anders aus, wenn dieser „notleidend“ werden sollte und den Jahresüberschuss, der in 2007 gerade mal 3,9 Mrd. Euro ausmachte, über Wertberichtigungen mindert.

Und dass so etwas nicht im Reich der Fantasie angesiedelt ist, sondern sich schon schnell konkretisieren könnte, zeigt die Tatsache, dass Chrysler im Mai gegenüber dem Vorjahr -16 % weniger Autos verkaufte und die Rating-Agentur Standard&Poor's das Unternehmen jetzt mit einem negativen Ausblick belegt hat. Das bedeutet, dass Chrysler wahrscheinlich in Kürze herabgestuft wird, was höhere Finanzierungskosten nach sich ziehen würde. Da Chrysler große Autos mit hohem Spritverbrauch baut, also die „No-Go's“ unserer Zeit, wird das Unternehmen es schwer haben, wieder auf die Füße zu kommen.

Daimler hängt weiter an Chrysler-Verlusten

Nicht umsonst hat die Daimler AG die Beteiligung schon weitestgehend abgeschrieben. Blöd ist nur, dass Daimler weiterhin mit einem Fünftel an den Verlusten der Chrysler AG beteiligt ist. Und die werden mit großer Wahrscheinlichkeit noch eine Weile anfallen. Und nicht nur das, sie werden vermutlich auch noch wachsen!
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich stelle mir wiederholt die Frage, was bei Daimler los ist. Mal ganz ehrlich. Wie kann man solche Verträge, wie den mit Cerberus, unterzeichnen? „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, sagt schon der Volksmund. Zetsche scheint den offensichtlich nicht gekannt zu haben.

Noch auf der Hauptversammlung am 09.04.2008 in Berlin sagte Zetsche: „Wir schaffen Wert.“ Damals stand der Kurs bei 52,83 Euro. Heute notiert die Daimler mit 40,36 Euro – auf einem neuen 52-Wochen-Tief. Das sind nach meiner Rechnung -23,6 % Kursverlust. Lieber Herr Zetsche, Sie haben seit damals Wert vernichtet. Und zwar nicht zu knapp. Analog zu Ihrem Vorgänger. Was bei einem solchen Geschäftsgebaren kein Wunder ist. Es wird also weiterhin ordentlich „geschremppelt“. Vielleicht sollte sich der Aufsichtsrat schon einmal nach einem neuen Konzernlenker umsehen. Nehmen Sie diesmal aber bitte einen von Draußen, also außerhalb des Konzerns.

Daimler ist nicht mehr das Vorzeigeunternehmen

Wann wird dieses einstige Vorzeigeunternehmen Deutschlands endlich wieder ordentlich geführt werden? Dabei gibt es sehr ordentlich geführte Unternehmen in Deutschland. Einen meiner Favoriten habe ich auch im Depot des „Take Off Investor“. Und bei diesem MDAX-Wert steht nach dem ersten Halbjahr sogar ein Kursplus von 18% zu Buche. Hier schafft das Management Werte und arbeitet für die Aktionäre. Beim grundsoliden Daimler-Konzern müssen die Aktionäre hingegen ein Minus von knapp 40% verkraften. Näheres zu diesem MDAX-Favoriten und meinen weiteren Empfehlungen finden Sie hier.