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#137027 von  Bonea Erstellt am: 24.06.08 21:47:00 Beitrag Nr.: 137027 Weitere Beiträge
Dieser Beitrag:

Chrysler zieht Milliardenkredit bei Daimler

von Oliver Wihofszki (Stuttgart)

Der angeschlagene US-Autohersteller Chrysler hat beim einstigen Mutterkonzern Daimler einen Kredit über 1,5 Mrd. $ abgerufen. Doch in Geldnot kommen die Stuttgarter deswegen noch lange nicht.


Die Kreditlinie war beim Abschluss des Chrysler-Verkaufs im August 2007 an den Finanzinvestor Cerberus ausgehandelt worden. Cerberus leiht Chrysler zudem weitere 500 Mio. $. Daimler hatte seit Wochen mit der Milliardenbelastung gerechnet. Denn die Kreditlinie war auf ein Jahr befristet und wäre Anfang August ausgelaufen. Der Kredit wird laut früheren Angaben zu marktüblichen Konditionen verzinst und dürfte damit für Chrysler teuer sein. Daimler hält noch 20 Prozent an Chrysler.

Durch das Leihgeschäft kommen die Stuttgarter nicht in Geldnot. Der Konzern besitzt im Industriegeschäft Bargeldreserven von über 11 Mrd. Euro. Erst in der vergangenen Woche startete Daimler ein Aktienrückkaufprogramm über 6 Mrd. Euro. Den Chrysler-Kredit kann Daimler ab dem 3. August weiterverkaufen. Dann endet die einjährige Frist seit Abschluss der Chrysler-Trennung. Es gebe aber noch keine Entscheidung, ob der Kredit veräußert werde, sagte ein Sprecher.

Kritische Stimmen zu Chryslers Kreditwürdigkeit

Chryslers Kreditwürdigkeit wird in der Finanzbranche kritisch gesehen. Die Ratingagentur Moody's stufte am Montag den Ausblick zur Bewertung der Chrysler-Kreditwürdigkeit von "stabil" auf "negativ" herunter. Als Grund nannte Moody's die zunehmenden Herausforderungen für Chrysler auf dem amerikanischen Automarkt durch steigende Sprintpreise und sinkende Verkaufszahlen. Im Mai war der Absatz der Konzernmarken Chrysler, Dodge und Jeep im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent eingebrochen.

Der Finanzinvestor Cerberus, der 80 Prozent an Chrysler hält, stellt sich beim angeschlagenen Autobauer auf ein langes Investment ein. "Eine Haltefrist von zehn Jahren stellt für uns kein Problem dar", sagte Cerberus-Geschäftsführer Timothy Price kürzlich der Financial Times. Chrysler leidet wie die amerikanischen Rivalen Ford und General Motors besonders unter einer verfehlten Modellpalette mit zu vielen spritschluckenden Modellen, die im Heimatmarkt USA wegen steigender Benzinpreise immer weniger Käufer finden.