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#24460 von  Entsafter Erstellt am: 13.10.07 09:15:11 Beitrag Nr.: 24460 Weitere Beiträge
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Image BörsengängeFulminantes Debüt von Centrotherm macht Börsengängern Mut12. Oktober 2007
Mancher fühlte sich schon an die Zeiten des Neuen Marktes erinnert, als drastische Kurssteigerungen von Börsenneulingen am ersten Handelstag zum Alltag gehörten. Heute sind Kurssprünge neuer Aktien alles andere als selbstverständlich. Umso fulminanter erschien am Freitag der Start der Solarfirma Centrotherm Photovoltaics am Frankfurter Börsenparkett.
Die Aktie war mit 34,50 Euro bereits so teuer wie möglich verkauft worden, nämlich am oberen Ende der Preisspanne, die bei 26,50 Euro begann. Der erste Handelskurs lag mit 40 Euro bereits 16 Prozent über dem Ausgabepreis. Im Tagesverlauf katapultierte sich die Aktie bis auf 49,50 Euro. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 40 Prozent.Eine 13-fach überzeichnete EmissionDaran verdienten vor allem Privatanleger, an die ein Gutteil der 13-fach überzeichneten Emission ging. Mit der Ausgabe von 5,365 Millionen Aktien belief sich das Volumen auf rund 185 Millionen Euro. Rund 138 Millionen davon kommen dem Unternehmen mit Sitz in Blaubeuren bei Ulm zugute, das sich als führender Anbieter schlüsselfertiger Produktionslinien für die Fertigung von Solarzellen sieht, im vergangenen Jahr pro forma 108,5 Millionen Euro umsetzte und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 11,4 Millionen Euro erzielte.Mit dem Börsenerlös will Vorstandschef Robert Hartung das weitere Wachstum des Unternehmens finanzieren und neue Niederlassungen in Asien und Amerika schaffen. Zudem peilt Centrotherm die Entwicklung neuer Technologien an, den Aufbau eines Test- und Schulungszentrums, den Aufbau des Dienstleistungsgeschäfts sowie die Entwicklung neuer Märkte und den Aufbau weiterer Produktionskapazitäten.Solarwerte sind „immer noch en vogue“Die Nachfrage an der Börse war riesengroß. Alleine in den ersten eineinhalb Handelsstunden wechselten auf der elektronischen Börsenplattform Xetra knapp eine Million Aktien ihren Besitzer. Händler fanden überschwängliche Worte: „Das ist ein sehr gelungener Börsengang“, hieß es. Die Solarwerte seien „eben immer noch en vogue“. Den Kurssprung zum Handelsauftakt begründeten Börsianer damit, dass institutionelle Anleger, die bis dahin nicht zum Zuge gekommen waren, zukauften. Und das auch deshalb, weil bei Centrotherm - anders als bei den Konkurrenten Roth & Rau und Manz Automation - die Bewertung stimme.Die Aktie des Anbieters von Siliziumnitrid-Antireflexbeschichtungsanlagen für kristalline Siliziumsolarzellen, Roth + Rau, hat sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten in den Monaten nach dem Börsengang im Mai 2006 seit bald einem Jahr als Überflieger präsentiert. Von ihrem Tief bei 27,80 Euro im August 2006 legte der Aktienkurs nahezu ununterbrochen bis auf knapp 250 Euro vor wenigen Tagen zu. Seitdem hat sie auf 225 Euro nachgegeben - vielleicht weil Roth + Rau jetzt an der Börse Konkurrenz erhält: Mit Centrotherm bietet nunmehr ein weiterer Hersteller schlüsselfertiger Produktionsanlagen für Solarzellen und Solarsilizium seine Aktien an.Erfolgreichster Börsengang seit Sommer 2006 Gemessen an der Kursentwicklung zum Handelsstart ist Centrotherm der erfolgreichste Börsengang seit Sommer 2006. „Das haben wir lange nicht mehr gesehen, dass ein Kurs beim Börsendebüt derart explodiert“, sagte Händler Niklas Breckling. Allerdings komme Centrotherm aus einer Branche, „die bei Anlegern zur Zeit stark nachgefragt ist“. Analyst Marco Günther von der Hamburger Sparkasse sagte, der Solartechnologiefirma sei das momentane zyklische Hoch an den Börsen und bei den Solartiteln zupass gekommen. Abzuwarten bleibe allerdings, ob sich die Papiere auf dem derzeit hohen Niveau halten könnten. „Aus fundamentaler Sicht ist der Aufschlag doch recht hoch“, so der Experte.Dennoch sind Fachleute überzeugt, dass der Centrotherm-Börsengang als Eisbrecher wirkt: „Die zuletzt eingetrübte Stimmung gegenüber Neuemissionen dürften sich nun etwas aufhellen.“ In den beiden letzten Monaten des Jahres 2007 haben noch einige Firmen den Gang an die Börse geplant, wie die Investmentbanken Morgan Stanley und J.P. Morgan zu berichten wissen. Sal. Oppenheim erwartet acht bis zehn Transaktionen. Bereits in Sicht ist das Börsendebüt der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) im November. Dabei will die Stadt Hamburg 30 Prozent des Kapitals plazieren.„2007 ist insgesamt ein gutes Jahr für Börsengänge“, resümiert Georg Hansel, der das deutsche Aktienemissionsgeschäft der Deutschen Bank leitet. Und 2008 soll es so weitergehen. Zumal viele Unternehmen als eine Folge der amerikanischen Hypotheken- und Finanzkrise ihren Börsengang auf das kommende Jahr verschoben haben.Nicht jeder Neuling stößt auf InteresseAllerdings stößt nicht jede Neuemission auf Interesse bei Investoren. So sagte der Hamburger Sprudelgerätehersteller Aquellness am Freitag überraschend sein für Montag geplantes Börsendebüt im nur schwach regulierten Handelssegment Entry Standard ab. Dies hatte vor wenigen Tagen auch der norddeutsche Werkzeughändler Lerbs getan. Als Begründung hatte Lerbs „unterschiedliche Vorstellungen über den Emissionspreis“ angeführt. „Wer eine gute, gesunde Firma zu fairen Preisen an den Markt bringen will, der ist damit auch erfolgreich“, meinte dagegen Händler Breckling.Text: @tih
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET, Th.F.Datastream