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#128344 von  springer1968 Erstellt am: 02.04.08 19:18:23 Beitrag Nr.: 128344 Weitere Beiträge
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Wie Allianz und Dresdner bei der Beratung patzen

Sechs Testpersonen vereinbarten im März in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens Beratungsgespräche. Ihre Vita war identisch: Sie gaben sich als Berufsanfänger mit Hochschulstudium aus und wollten wissen, welche Altersvorsorge-Produkte sie brauchen. 15 Gespräche fanden bei Allianz-Vertretern statt, 17 in Dresdner Bank-Filialen.

 

„Das Ergebnis ist erschreckend. Das hätte ich bei einem Marktführer wie der Allianz nie erwartet“, urteilt Finanzexperte Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. „Obwohl die Aufgabenstellung sehr einfach war, waren die Ergebnisse im Durchschnitt mangelhaft. Mit viel Wohlwollen konnten wir ein Mal die Note „Gut“ und vier Mal die Note „Befriedigend“ vergeben. Der Durchschnitt aller 32 Beratungen ist jedoch mangelhaft.“

 

Die gravierendsten Mängel:

 

1. Risikovorsorge geht vor Altersvorsorge: Ein guter Berater sollte zunächst herausfinden, ob die existentiellen Risiken hinreichend abgesichert sind – und zwar auch dann, wenn der Kunde lediglich mit dem artikulierten Wunsch nach einer Altersvorsorgeberatung auftritt. Denn angesichts der verbreiteten, unzulänglichen Allgemeinbildung in Finanzfragen kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein Verbraucher von sich aus bereits für die Risikoabsicherung gesorgt hat. Im Test haben lediglich 9 von 32 Beratern gefragt, ob eine private Haftpflichtversicherung besteht. Das ist absolut ungenügend.

 

Ein gutes Drittel der Berater (12) hat zudem bei der Frage nach der Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) gepatzt. Auch das ist ein beschämender Wert. Von den 20 Beratern, die sich nach der BU erkundigt oder zu einem BU-Abschluss geraten haben, haben lediglich fünf erkennbar den Abschluss einer separaten BU-Versicherung empfohlen. In den anderen Fällen wurden stattdessen Kombinationsprodukte aus Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung angeboten – und zwar überwiegend die Allianz Basisrente StartUP Invest, also eine Kombination aus Rürup-Rente und BU-Versicherung. Offenbar wird hier vor allem auch mit der steuerlichen Absetzbarkeit der BU-Kosten im Rahmen der Basisrente geworben.

 

Vorrang muss aber die hinreichende Risikoabsicherung haben. Dort wiederum sieht es schlecht aus: Soweit konkrete Beträge genannt wurden, finden sich mehrere Fälle mit anfänglichen Raten von 45 bis 60 Euro. Das ist völlig ungenügend. Für junge Akademiker als Angestellte im Innendienst kostet eine reine BU-Police mit einer BU-Rente von 1.500 Euro monatlich bei guten Vertragsbedingungen und einer Versicherung bis zum 67. Lebensjahr bei der Allianz um die 85 Euro für Männer und 94 Euro für Frauen. Verträge mit halb so hohen Beträgen, von denen dann noch die Hälfte oder mehr in die Rentenversicherung fließen, können daher das BU-Risiko auch nicht annähernd abdecken. Insofern handelt es sich auch hier überwiegend um mangelhafte Beratungen.

 

Aber selbst in den Fällen, in denen richtiger Weise der BU-Absicherung der Vorrang gegeben wurde, bleiben Fragezeichen. In einem Fall wird eine Monatsrente von 1.500 Euro angeboten, das ist zunächst gut. Die monatliche Prämie soll aber nur 49 Euro betragen. Angesichts der oben genannten Zahlen kann das nur mit Abstrichen bei der Qualität gehen. Das alles ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Allianz – was die reine Produktqualität betrifft – sehr gute BU-Versicherungen im Angebot hat. Damit kann sie in Tests und in der Werbung punkten, in der Beratungspraxis wird dies jedoch offenbar vielfach unterlaufen – woran vermutlich die Provisionsgestaltung Schuld ist.

 

2. Kreditabbau geht vor Geldanlage: Gerade einmal zwei Berater haben sich nach bestehenden Verbindlichkeiten erkundet, darunter kein einziger originärer Allianz-Berater. Das ist typisch für provisionsbasierte Beratungen.