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Kolumne: freenet - normal ist das nicht!

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 08.08.08 09:22 Antworten: 0  
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Kolumne: freenet - normal ist das nicht!

Endlich ist es soweit. Heute findet die lang ersehnte Hauptversammlung der Freenet AG statt. Die Messer sind gewetzt. Die Anträge und Gegenanträge gestellt. Die Bühne ist bereitet. Der Show Down steht unmittelbar bevor.


Freenet Chef Eckhard Spoerr stilisiert in einem offensichtlichen Anfall von Größenwahn die bevorstehende Auseinandersetzung zwischen ihm und seinen größten Aktionären United Internet AG und Drillisch AG, vertreten durch die beiden Vorstände Dommermuth und Choulidis, zu einem „Kampf von Gut gegen Böse“ hoch. Und weiter kündigt er an, dass er – sollte er heute den Kürzeren ziehen – das Unternehmen von einem Tag auf den anderen verlassen wird.


Verzeihen Sie, wenn ich diese Aussage des Herrn Spoerr mit den Worten kommentiere: Selten so gelacht! Denn etwas anderes fällt mir dazu wirklich nicht mehr ein.


Wer nämlich das Trauerspiel um die freenet verfolgt hat und auch die Hintergründe kennt, der weiß, dass „Gut“ als Bezeichnung für das derzeitige Freenet Management und auch den Aufsichtsrat eher etwas von einer Falschaussage hat. Und was die zweite Aussage betrifft, dass er von einem Tag auf den anderen das Unternehmen verlassen wird, so gibt er lächerlicherweise vor, Herr des Geschehens zu sein. Hochkantig hinausfliegen wird er, wenn Dommermuth und Choulidis sich heute durchsetzen werden.


Und nicht nur das. Ich gehe einmal davon aus, dass die beantragten Sonderprüfungen noch das ein oder andere zu Tage fördern werden, was die angeblich weiße Weste des Herrn Spoerr sehr schnell einen anderen Farbton geben wird.


Und was den Ausspruch, dass „er dann alles in seiner Macht stehende für das Wohl der Gesellschaft, der Mitarbeiter und der Aktionäre getan hat“ anbetrifft. So hat er wohl die Pressemitteilung seines Dutzfreundes aus gemeinsamen Studenten- und Beratungstagen und derzeitigem Finanzvorstand Axel Krieger wohl versäumt zu lesen.


Da steht nämlich, dass der Umsatz um -6,8 % zurückgegangen ist. Und auch das EBIT (Gewinn vor Steuern und Zinsen) um -63 % einbrach. Und dann schauen wir uns doch einmal die Ursachen dafür an. Abschreibungen auf aktivierte Kundenakquisitionskosten und Rückstellungen für das Aktienoptionsprogramm sind dafür im Wesentlichen verantwortlich.


Nun weiß ich nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich finde es schon etwas seltsam und mit der Definition von „gut“ als Begriff wenig vereinbar, wenn die Vorstände just dann profitieren, wenn das Unternehmen im Sinkflug begriffen ist. Denn nichts anderes sagt die Bildung der Rückstellung. Wobei mich da einmal interessieren würde, wo der Basispreis der Optionen liegt. Der muss ganz schön niedrig angesetzt sein. Denn die Entwicklung des Kurses der freenet Aktie ist schließlich nicht gerade das, was man von einem guten Investment erwartet.


Und was die Kundenakquisitionskosten angeht. So frage ich mich natürlich schon, wie das so schnell gehen kann. Hatte nicht Herr Dommermuth in seinem Brief genau dieses Problem angesprochen und auf weitere Zahlen beharrt, bevor er sein Angebot für die Freenet Aktien abgeben wollte? Und hatte sich nicht der freenet Vorstand verweigert, diese Zahlen herauszurücken? Wie recht Dommermuth im Nachhinein doch hatte.


A propo Kundenakquisitionskosten. Ich vermute da einfach einmal, dass den Kollegen von PricewaterhouseCoppers die ganze Angelegenheit zu heiß wurde und sie auf die Abschreibungen beharrt haben. Denn freiwillig, da bin ich mir ziemlich sicher, werden unsere Wohltäter von der Freenet namens Spoerr und Krieger die Abschreibungen – noch dazu einen Tag vor der Hauptversammlung – nicht gemacht haben. Wobei ich mich schon frage, warum man die denn aktiviert hat statt stille Reserven zu legen. Offensichtlich war es notwenig, um halbwegs gut auszusehen. Schließlich putzt man die Bräute, bevor man in die Brautwerbung einsteigt.


Also, was bleibt von unseren Büdelsdorfern Skywalker’n im Kampf gegen den bösen Darth Vader aus Montabaur?


Eine Wertvernichtung, die ihresgleichen sucht (mehr als Kurshalbierung seit Juli letzten Jahres), rückläufige Umsätze, einbrechende Ergebnisse, hohe Verschuldung und eine Debitel am Bein. Und einen Gegenantrag der es in sich hat. Ferner einen Hauptversammlungsantrag, der die gleichzeitige Absetzung von Vorstand und Aufsichtsrat vorsieht. Ein einmaliger, aber durchaus nachvollziehbarer Vorgang, in der deutschen Börsenlandschaft. Wie recht die Freenet doch mit ihrem Slogan hat:


Normal ist das nicht!


Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.


Ihr Norbert Lohrke



 


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