Dass die Miniaturisierung ein nicht mehr aufzuhaltender Trend ist, haben wir in den vergangenen Jahren schon im Hightech-Bereich gesehen. Egal ob es um Handys, Digitalkameras oder Computer geht - kleiner und leistungsfähiger müssen Nachfolgemodelle heute sein.
Logisch also, dass eine Wissenschaft, die sich ganz auf die "Kleinheit" konzentriert, ungeahnte Möglichkeiten für die Zukunft bietet. Und im Fall der Nanotechnologie gibt es Anwendungen, die bereits im Masseneinsatz sind. So in der Oberflächebeschichtung - zum Beispiel für schmutzabweisende Materialien.
Glaubt man also Finanzanalysten und Trendforschern, dann steht die Nanotech-Branche vor gigantischen Wachstumsraten. Ein wenig schwierig gestaltet sich hingegen die Suche nach aussichtsreichen Aktien. Und da unterscheidet sich Nano im Wesentlichen nicht von anderen Branchen.
Sicherlich gilt: Nanotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie - der Anleger sollte generell von der Branche überzeugt sein und eine lang- bis mittelfristige Orientierung haben. Ansonsten gelten auch bei Werten mit großem Potential in der Zukunft die Regeln des gesunden Menschenverstandes.
Dazu schauen wir auf zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit.
Für das Erste verlassen wir kurz die Nanotechnologie und blicken über den Tellerrand.
Anfang Oktober hat Google Youtube übernommen und zwar für 1,6 Milliarden US-Dollar. Analysten jubilierten wie zu den besten dot.com-Zeiten und einer ließ sich sogar dazu hinreißen, davon zu sprechen, dass wer diesem Deal skeptisch gegenüber stehe, habe das Internet nicht verstanden. Nun, das Internet vielleicht nicht, aber gewisse kaufmännische Regeln : Wer kauft eine Unternehmung mit 67 Beschäftigten und einem dicken Minus in den Büchern für so viel Geld? Und ein Geschäftsmodell, das mit ungeklärten Urheberrechten beim Inhalt auf juristisch wackeligen Beinen steht?
Beispiel zwei ist der jüngste Börsengang im Entry Standard – Nanogate.
Das Unternehmen ist seit zwei Jahren in der Gewinnzone, verfügt über ein breit gefächertes Portfolio und hat nach eigenen Angaben einen Stamm von 20 Serienkunden. Die Aktien wurden am oberen Rand der Preisspanne zu 32 Euro an die Börse gebracht. Das brachte dem Unternehmen am ersten Tag eine Bewertung von gut 60 Millionen Euro. Da das Unternehmen bereits angekündigt hat, dass der Gewinn im Gesamtjahr nicht so hoch ausfallen wird, wie in den ersten sechs Monaten, ist bei dem Papier also eher Geduld gefragt. Grundsätzlich zeigt sich aber eine wohltuende Transparenz, ein Punkt, auf den Anleger natürlich auch achten sollten.
Nanotechnologie, die eher konservativ auftritt, kaufmännisch ihre Hausaufgaben macht und dennoch versucht, nach den Sternen zu greifen, meines Erachtens ein guter Mix, der sich hervorragend als Beimischung ins Portfolio eignen kann.
Zwei Geschichten, eine Frage – Was ist ein gutes Investment in die Zukunft? Die Antwort werden wir natürlich irgendwann erfahren, wenn man auf Dauer sieht, wie sich beide Werte entwickeln, aber es zeigt sich auf den ersten Blick der Unterschied zwischen einem gesunden Risikobewusstsein und dem Weg hin zum Größenwahn.