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Kolumne: Zocker raus!

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 05.11.07 09:25 Antworten: 0  
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Kolumne: Zocker raus!

Jetzt hat es den Zweiten erwischt. Nach O’Neal musste nun auch Citigroup-Chef Charles Prince den Chefsessel räumen. Und er wird nicht der Letzte sein. Wie das Wallstreet Journal in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wird Prince durch den Interims CEO Sir Win Bischoff ersetzt. Dieser war bisher als Aufsichtsratsvorsitzender für die europäischen Geschäfte der Bank tätig. Mit Robert Rubin erhält das Unternehmen zugleich einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden (Chairman).

Prince hat im dritten Quartal Abschreibungen von 6,5 Mrd. Dollar zu verantworten. Schon kurz nach der Veröffentlichung machten sich Gerüchte breit, die besagten, dass bereits im vierten Quartal angeblich weitere 4 Mrd. Dollar folgen sollen. Insofern stellt sich die Frage, ob die Citigroup vielleicht nicht doch einen Verlust, anstatt eines „nur“ 57 %-igen Gewinnrückgangs hätte, zeigen müssen.

Die Citigroup ist mit einem Vermögen von 2,35 Billionen Dollar die größte US-amerikanische Bank und eine der größten Banken weltweit. Bekannt ist sie u.a. auch dafür, dass sie offensichtlich keinen Skandal und kein Fettnäpfchen auslässt. So gab sie in Sachen Enron und Worldcom, beides Unternehmen, die zusammenbrachen, kein gutes Bild ab. In 2003 musste sie und die J.P. Morgan Chase insgesamt mehr als 300 Mio. Dollar bezahlen, um zivilrechtliche Betrugsvorwürfe allein im Zusammenhang mit dem Enron-Debakel beizulegen. Der Vorwurf der SEC lautete damals auf Wertpapierbetrug.

In diesem Zusammenhang hat die Citigroup in 2005 in die Zahlung von über 2 Mrd. Dollar an frühere Aktionäre und Anleihenbesitzer des Enron-Konzerns eingewilligt. Damit entging die Bank einem Prozess um ihre Rolle im Bilanzskandal. Die Deutsche Bank war übrigens damals auch mit von der Partie und hat sich ebenfalls mit einem Vergleich aus der Affäre gezogen.

Zeitlich vor diesem Skandal kamen u.a. interne Mails ans Tageslicht, wo kritische Aktienbewertungen im Telekommunikationssektor  von „hold“ auf „strong buy“ geändert wurden. Auf Geheiß des damaligen Firmenlenkers Weill. Auch bei der Parmalat-Pleite war die Citigroup involviert. Und in Japan hatten vor Jahren Manager über Jahre hinweg gegen die dortigen Auflagen und Bestimmungen verstoßen.

Prince reagierte, als er kurz im Amt war, auf diese Vorfälle angeblich mit einer Ethikoffensive und stärkeren internen Kontrollen. Was das genützt hat, sieht man heute. Nichts! Denn wie ist es sonst möglich, dass sich so hohe Hypotheken Risiken in einer Bank auftürmen können. Ohne Wissen des Vorstands war das nicht zu machen. Und die ganzen Ethik-Hochglanz-Broschüren und internen Kontrollsysteme nützen dann nichts, wenn die Lumpen in den Vorstandsetagen, die Sie in Auftrag gegeben haben, sich selbst nicht daran halten.

Wie sie wissen, lege ich großen Wert auf wertorientiertes Verhalten. Einfach aus dem simplen Gedanken heraus, dass Werte auf Dauer nur von einem wertorientierten Management geschaffen werden können. Leider stelle ich aber fest, dass sich nicht nur Kulturen, sondern auch Unkulturen in den Firmen festmachen. In der Citigroup hat sich offensichtlich eine solche Unkultur entwickelt. Das sieht man anhand der langen Liste der Skandale. Ich befürchte fast, dass sich in solchen Unternehmen Personen, die integer sind und ordentlich handeln, nicht lange halten können.

Deshalb sollten Sie, liebe Anleger, solche Unternehmen meiden, wie die Pest.

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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