Sie fechten wilde Kämpfe aus, wenn auch nicht per Schwert, sondern mittels Worten: Die Entwickler und Hersteller von Solarzellen und Solarmodulen zur Stromgewinnung, auch Photovoltaik oder PV genannt. Jeder reklamiert den Königsweg zur kostengünstigen Solarzelle für sich.
Da sind die Einen, die allein auf besseren Wirkungsgrad setzen; der liegt derzeit meist um die 15%. Zu „mindestens 22 Prozent“ wandeln seine Siliziumplättchen das Sonnenlicht in Strom um, gibt ein amerikanischer Hersteller an. Außerdem bezeichnet er sich selbst als „Rekordhalter des höchsten Wirkungsgrads aller serienmäßig produzierten Zellen: Mehr Strom pro Watt als viele andere Hersteller“ lautet sein Slogan – oder übersetzt: Mehr Sonnenergie vom gleichen Dach.
Eine japanische Firma nutzt die Vorder- und Rückseite ihrer dunkelblauen Halbleiterscheiben aus, um Sonnenstrom zu gewinnen: „Bifaciales (doppelseitiges) Solarmodul mit HIP-Solarzellen, Gesamtzellwirkungsgrad: größer 30%, Gesamtmodulwirkungsgrad: knapp 30%“ verspricht das Unternehmen aus dem Land der aufgehenden Sonne für sein Produkt. Das lässt sich beispielsweise senkrecht aufstellen, um Lärmschutzwände oder Gartenzäune zu ersetzen. „HIP“ eben: völlig neue Anwendungsmöglichkeiten tun sich da auf.
Doch die Herstellkapazitäten solcher hochwirksamer Solarzellen sind begrenzt: Wie lange noch, will niemand sagen.
Da sind die Zweiten, die auf Massenproduktion vertrauen: Weltweit werden derzeit riesige Fabriken für Solarzellen und –module aus dem Boden gestampft. Speziell aus China kommen beinah wöchentlich neue Grundsteinlegungs-Berichte.
Im EEG, dem 2004 renovierten Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Bezahlung von Solarstrom regelt, war die erwartete Kostenreduktion von PV-Zellen bereits fest eingeplant: Bei Herstellung in großem Stil ging die Bundesregierung von stark sinkenden Preisen aus und hat jährlich 5% weniger Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen im EEG festgelegt.
Doch der Wettbewerb um das hochreine Halbleitermaterial mit dem Kürzel Si, den sich Mikroelektronik- und PV-Hersteller zurzeit liefern, hat völlig überhöhte Siliziumpreise auf dem Weltmarkt bewirkt. Das führte in den letzten Jahren zu steigenden, statt zu wie gewünscht sinkenden Solarstromkosten. „Bis 2008“ soll die Materialknappheit vorbei sein, prognistiziert die Industrie...
Die Dritten versuchen, neue Technologien marktreif zu machen: Die >Grätzel-Zelle< beispielsweise, benannt nach ihrem Entwickler Prof. Michael Grätzel von der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne. Schon vor mehr als 10 Jahren legte der in der Schweiz lehrende Deutsche Grätzel Titandioxid-Solarzellen mit einem Flüssigelektrolyt auf Overheadprojektoren – und die produzierten Strom aus Licht. Nun endlich will ein amerikanisches Unternehmen in Südwales/Großbritannien die bis heute fehlende industrielle Fertigung von Grätzelzellen aufbauen. „Die von uns entwickelte Solartechnologie der nächsten Generation basiert nicht auf Silizium und kann aufgrund seiner einzigartigen Herstellungsweise weitaus kostengünstiger produziert werden“ versprechen die US-Manager. Dazu sind die Zellen biegbar, könnten also auf Kleidungsstücken aufgenäht werden, um Mobiltelefone oder tragbare Computer mit Strom zu versorgen: Klingt interessant.
Und weil sie kein Silizium verwenden, hätten sie momentan einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Die Knappheit von Si bräuchte sie nicht zu interessieren. Doch leider, so geben die Amerikaner zu, „wird bis Ende Oktober 2006 erst eine Pilot-Beschichtungsmaschine mit 5 Megawatt Kapazität in Betrieb genommen.“ Wie bereits vier Monate später die Serienproduktion mit geplanten 20 MW funktionieren soll, darüber schweigen die PR-Menschen des US-Unternehmens.„Bis Ende 2008 wollen wir Produktionskapazitäten in Höhe von bis zu 200 Megawatt“ aufbauen, gibt es bereits weitere Planungen.
Viel Planung also; wenig Konkretes, das dem Verbraucher und Investor hilft.
Und die Moral von der Geschicht? Einen Königsweg, den gibt es nicht – leider!
Doch spätestens 2008 soll ja ein Silberstreif am grau-blauen Siliziumhorizont leuchten, wie allseits angekündigt: Dieses Jahr verspricht spannend zu werden!
Aber vielleicht gibt es ja bereits nächste Woche etwas Neues?
Bis dahin!
Heinz Wraneschitz