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Autor | Norbert Lohrke | Bewertung (0): | |
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| Erstellt am: | 06.06.08 09:32 | Antworten: | 0 | ||
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An den Börsen gestern in den USA und heute in Japan waren hohe Kursgewinne zu verzeichnen. Der Grund sind die überraschend stark gestiegenen US-Einzelhandelsumsätze. Statt dem erwarteten Plus von +1,4 %, stiegen die Umsätze um das Doppelte, nämlich +2,8 %. Wal Mart kam auf +3,9 %, BJ’s Wholesale Club auf +13 % und der Luxusgüteranbieter Nordstrom Inc. auf +11 %.
Angesichts dieser erfreulichen Daten ist es nachvollziehbar, dass das renommierte Institut für Weltwirtschaft in Kiel in seinen gestern veröffentlichten Konjunkturberichten davon ausgeht, dass „die Wirtschaft der Vereinigten Staaten dank erheblicher wirtschaftspolitischer Impulse an einer Rezession vorbeischrammt“. Damit bestätigt das Institut die in meiner Kolumne vom 30.05.2008 („US-Wirtschaft wächst stärker“) geäußerte Einschätzung der Lage. Für die US-Wirtschaft wird ein Wachstum von +1,4 % in 2008 und +1,8 % in 2009 prognostiziert.
Als Welt-Konjunkturlokomotive eignet sich die USA damit allerdings nicht. Insbesondere auch deshalb, weil die hausgemachte Immobilienkrise ihren Boden noch nicht gefunden hat und das in 2008 wahrscheinlich auch nicht mehr schafft. Insofern ist eine verlangsamte Expansion der Weltwirtschaft die Folge. Dazu tragen die hohen Preise für Rohöl und Nahrungsmittel wesentlich bei.
Bevor nun aber wieder die Krisenhysteriker auf den Plan treten und alle verunsichern, sei aber beruhigend erwähnt, dass die Weltwirtschaft in 2008 und 2009 mit +3,9 % und +3,7 % wachsen wird und ich betonen möchte, dass wir hier nach wie vor über Wachstum sprechen. Wobei das Institut hier einen recht hohen Durchschnittsrohölpreis von 130 Dollar je Barrel zugrunde gelegt hat. Das Welthandelsvolumen wird übrigens von +4,0 % auf +4,8 % zunehmen.
Wieder einmal rettet uns die Globalisierung in Gestalt der Schwellenländer (China +10,0 % in 2008 und +9,1 % in 2009), wo sich der „Produktionsanstieg tendenziell weiter abschwächen wird, der Anstieg der Aktivität aber beträchtlich bleibt“. Das stark exportabhängige Japan dürfte das besonders spüren, wird aber dieses und nächstes Jahr noch mit +1,4 % wachsen. Auch der Euroraum wird in 2008 mit +1,8 % wachsen. 2009 wird ein Rückgang auf +1,4 % erwartet. Die Aufwertung des Euro und der Kaufkraftentzug über die hohen Rohstoffpreise sind dafür ursächlich.
Wobei ich an dieser Stelle eine deutliche Kritik an der europäischen Zentralbank und ihrem hochgelobten Chef Trichet anbringen möchte. In Zeiten wie diesen, eine Zinserhöhung ins Spiel zu bringen, ist nicht hohe Zentralbankkunst, sondern vollkommen unangemessen und angesichts der Wirtschaftsprognosen unverantwortlich. Gerade eine Notenbank sollte antizyklisch handeln und nicht nur sklavisch dem Inflationsziel hinterrennen. Sonst könnten wir gleich einen Computer an Stelle des EZB Rates setzen. Zudem ist es schlichtweg unklug angesichts des niedrigen Dollars weiter der Aufwertung des Euro das Wort zu reden. Wo bleiben da die konzertierten Aktionen, gemeinsam mit der FED? Nur so, also im Schulterschluss mit den USA wäre eine Zinserhöhung verantwortbar.
Deutschland profitiert derzeit vom milden Winter und der dadurch vorgezogenen Bautätigkeit, sowie den Auslieferungen der Ausrüstungsgüter, die im letzten Jahr noch wegen der Verschlechterung der Abschreibungsbedingungen bestellt wurden. Auch wenn in diesem Jahr das Wachstum von +1,9 % auf +2,1 % angehoben wurde, so rechnet das IfW in 2009 – nicht zuletzt aufgrund der gedämpften Konsumausgaben - nur noch mit einem Wachstum von +1,0 %. Übrigens wird ein Einbruch des Exports – trotz des hohen Euros - nicht erwartet, was für die Güte der deutschen Unternehmen spricht. Im nächsten Jahr soll die Weltwirtschaft wieder etwas rascher expandieren und die deutschen Exporte wieder zulegen. Auch die Investitionstätigkeit dürfte sich leicht beschleunigen.
Relativ unverhohlene Kritik äußert das Institut an der Bundesregierung und stellt folgendes fest: „Wenn die Staatsausgaben insgesamt spürbar langsamer steigen als das nominale Produktionspotential, dann entsteht durchaus ein Spielraum für Steuersenkungen“. So wird eine Reduzierung der Steuersätze, eine Kürzung der Finanzhilfen und der Ausgaben des Staates sowie das Unterlassen von verzerrenden Eingriffen in das Steuersystem gefordert. An die bereits vergessene Subventionsstreichungsliste von Koch-Steinbrück wird erinnert.
Als Fazit kann man festhalten, dass die Weltwirtschaft– getrieben von den Schwellenländern – weiter wächst, wenngleich etwas moderater. Dass die USA in keine Rezession fällt. Und, dass wir alle besser dastehen könnten, wenn die Regierung in Berlin endlich nicht nur immer Konsolidierung ankündigen würde, sondern endlich einmal spart und nicht nur immer davon reden würde. D.h. die Ausgaben senken und uns alle über Steuersenkungen und reduzierte Sozialversicherungsbeiträge entlasten würden.
Ob unsere Großkoalitionäre und Politversager der Großen Koalition aus Berlin das noch hinkriegen?
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke
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