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Kolumne: WOI Weekly - Ist die Krise an den Aktienmärkten schon vorüber?

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Autor WOI Wochenübersicht Bewertung (0):
Erstellt am: 15.10.08 12:41 Antworten: 0  
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Kolumne: WOI Weekly - Ist die Krise an den Aktienmärkten schon vorüber?

Ist die Krise an den Aktienmärkten schon vorüber?


 


Die Krise hat ihren Höhepunkt überschritten, würden optimistisch gestimmte Zeitgenossen derzeit sagen. Tatsächlich haben die vielen Milliarden Euro, Dollar und andere Währungen schweren Rettungspakete einer ganzen Reihe von Regierungen die Börsen extrem stabilisiert. An den vergangenen beiden Handelstagen wurden deutliche Kursgewinne gefeiert, nachdem am Freitag noch das Gros der Börsianer mit schwersten Magenbeschwerden ins Wochenende ging. Auslöser der Beschwerden waren heftigste Sorgen um die Börseneröffnung am Montag.


 


Die Sorgen waren, das zeigte dann die Entwicklung am Wochenende, unbegründet. Europa brachte ein riesiges Hilfspaket für den strauchelnden Bankensektor auf den Weg. Ein Maßnahmenkatalog wurde erarbeitet, in dessen Rahmen jeder Staat handeln konnte. Wie immens die Summen sind, die bewegt werden, zeigt ein Blick auf das Volumen des Rettungspakets in Deutschland. Die Bundesregierung um „Chefkrisenmanagerin“ Angela Merkel allein bewegt bis zu 500 Milliarden Euro. „Nur“ 80 Milliarden Euro des Volumens sind direkte Finanzhilfen, die in den Bankensektor fließen. Der Großteil des Rettungspakets besteht aus Bürgschaften, mit denen man die Vertrauenskrise unter den Banken beenden möchte.


 


Ein wichtiger Faktor, denn dieser Kreislauf, genannt Interbankenhandel, ist der Schmierstoff, der den Wirtschaftskreislauf in Schwung hält. Die Banken nehmen in ihm einen zentralen Faktor ein. Untereinander werden Milliardenbeträge hin und her geschoben, Kredite ausgeliehen und überschüssige Liquidität angelegt. Es ist eine wichtige Quelle, aus der Banken ihre Fähigkeit ziehen, Kredite zu vergeben und jederzeit liquide zu sein. Ein austrocknender Interbankenhandel hätte sich zu einer extrem schweren Hypothek für die ohnehin schon angeschlagene Konjunktur entwickelt.


 


Eine Gefahr, die nun erst einmal gebannt scheint, auch wenn sich derzeit einige Bundesländer quer stellen und den Haftungsschirm nicht mittragen wollen. Gesprächsbedarf wird gesehen, es soll nachgebessert werden. Bisher sollen die Länder mit rund einem Drittel am Bürgschafts-Paket beteiligt werden, zudem sollen die Länder die Verantwortung für die Landesbanken tragen. Eine Einigung stand am Dienstagabend noch aus, am Donnerstag kommt es zu einem Treffen von Merkel mit den Länderchefs – dann soll das Paket endgültig geschnürt und am Freitag von Bundestag und Bundesrat beschlossen und schließlich von Bundespräsident Horst Köhler unterzeichnet werden. Damit wäre das Paket im Eilverfahren als Gesetz, das bis Ende 2009 befristet sein soll, in Kraft gesetzt. Es wäre „höchste Eisenbahn“, denn aus dem Bankensektor war schon jüngst zu hören, dass für eine Stabilisierung der Branche nicht viel Zeit bleibt.


 


Wie wichtig das Rettungspaket ist, zeigt auch ein Blick auf die zahlreichen Gewinnwarnungen, die die Börse zuletzt infolge der Kreditklemme verzeichnete. Jüngst enttäuschte Deutz (http://www.worldofinvestment.com/wkn/630500/DEZ/) die Märkte mit der Erwartung eines schwachen Geschäftsverlaufs in der zweiten Jahreshälfte 2008. Immer wieder ist aus Unternehmen zu hören, dass seit September das Geschäft massiv einbricht – eine klare Parallele zur Finanzmarktkrise, die längst in der Wirtschaft angekommen ist. Zudem haben die führenden Wirtschaftsinstitute in ihrem Herbstgutachten ihre Wachstumsprognose für Deutschland massiv gesenkt. Nach zuvor 1,2 Prozent soll das Wachstum im laufenden Jahr nur noch bei 0,4 Prozent liegen. Aufgrund der Krise musste die Studie sogar noch überarbeitet werden, bevor diese vorgestellt werden konnte.


 


Doch nicht nur die Aktien von Unternehmen, die Gewinnwarnungen veröffentlichten, zeigten sich infolge der Krise stark unter Druck und bewiesen selbst bei der Erholung der letzten Tage hohe Volatilitäten. Unter den TecDAX-Werten fiel unter anderem Conergy (http://www.worldofinvestment.com/wkn/604002/CGY/) auf. Die Aktie des angeschlagenen Unternehmens hatte innerhalb eines Jahres größte Teile ihres Wertes verloren. Conergy hatte sich verhoben, braucht dringend frisches Kapital und somit kam die Finanzmarktkrise zum denkbar schlechtesten Augenblick. Bis Ende des Jahres möchte Conergy eine Kapitalerhöhung im Volumen von mindestens einer viertel Milliarde Euro platzieren. Entsprechendes meldete die Solarenergiegesellschaft am 25. September – nur damals stand die Aktie noch bei Kursen um 8 Euro. Wenige Tage später verzeichnete der Kurszettel im Tief nur noch 2,86 Euro. Am Dienstag beendete das Papier den XETRA-Handel immerhin bei 5,60 Euro. Einfacher wird die dringend nötige Kapitalerhöhung für Conergy mit der Entwicklung seit dem 25. September aber dennoch nicht. Mittlerweile wurde von einem Anleger übrigens Klage gegen das Unternehmen erhoben. Conergy soll angeblich nicht rechtzeitig über Lieferengpässe informiert haben.


 


Massive Kursgewinne hat in den vergangenen Handelstagen die Aktie von Asian Bamboo (http://www.worldofinvestment.com/wkn/A0M6M7/5AB/) verzeichnet. Die Aktie des chinesischen Landwirtschaftsunternehmens gehört im Prime Standard zu den Titeln, die zuletzt die größten Kursgewinne machte. Im XETRA-Handel ging es von 4,80 Euro innerhalb weniger Tage bis in die Region um 8 Euro nach oben – zuvor ging es aber auch reichlich bergab, Anfang Juni wurden noch mehr als 13 Euro für die Titel des Bambusproduzenten bezahlt. Ende August bestätigte die Gesellschaft übrigens ihre Planungen für das laufende Jahr: Der Umsatz soll bei 45 Millionen Euro liegen und ein Gewinn von mindestens 18 Millionen Euro erzielt werden. Zum Vergleich: Aktuell bringt die Gesellschaft einen Börsenwert von rund 100 Millionen Euro auf die Waage.


 


Zu guter Letzt noch einmal zurück zum Rettungspaket für die Bankenlandschaft, denn dies hält eine wichtige Besonderheit bereit, die viele Bankkunden betreffen wird, andererseits bisher kaum öffentlich diskutiert wurde. Die Besonderheit betrifft Pfandbriefe. Diese sind unter Anlegern weit verbreitet und nach aktuellem Stand des Gesetzes nicht in das Paket einbezogen. Hintergrund sind die bereits jetzt bestehenden gesetzlichen Regelungen für die Pfandbriefarten, die dem Inhaber des Wertpapiers besondere Sicherheit bringen sollen. So sind zum Beispiel Hypothekenpfandbriefe besichert durch Darlehensforderungen der Bank, die den Pfandbrief emittiert, für die grundbuchliche Sicherungen bestehen. Sollte es am Pfandbriefmarkt zu Problemen kommen, dürfte Berlin aber auch hier eine schützende Hand ausbreiten.


 


 

 

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