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Kolumne: Von Miesepetern und Ignoranten

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 03.04.08 09:21 Antworten: 0  
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Kolumne: Von Miesepetern und Ignoranten

Wie Sie wissen, gehe ich jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten weltweit durch. Mit der Zeit bekommt man ein Stimmungsbild und Gefühl dafür, wie die verschiedenen Länder ihre guten und schlechten Fakten an den Mann bzw. die Frau bringen. Dabei bekomme ich zunehmend das Gefühl, dass die deutsche Berichterstattung mitunter an Hysterie grenzt. Jedenfalls in vielen Fällen reichlich übertrieben ist.

 

Sie alle kennen das Bild, von dem halben Glas Wasser. Die einen sehen mit Freude, dass es halb voll ist, die anderen sind besorgt darüber, dass es halb leer ist. Aber wie man es dreht und wendet, so ist es doch faktisch die Hälfte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

So lese ich heute in der Financial Times Deutschland „US-Notenbank warnt vor Rezession“, im Handelsblatt „Rezession: Nun warnt auch die Fed“ und etwas abgemildert in der FAZ „Bernanke schließt Rezession nicht mehr aus“.

 

Was aber hat Fed-Chef Ben Bernanke tatsächlich gesagt? Hier das Originalzitat: "It now appears likely that gross domestic product will not grow much, if at all, over the first half of 2008 and could even contract slightly”. Wörtlich übersetzt heißt das: „Es erscheint nun wahrscheinlich, dass das Bruttoinlandsprodukt nicht viel wachsen wird, wenn überhaupt; es könnte sogar im ersten Halbjahr leicht schrumpfen.“ Bitte verzeihen Sie die etwas holprige Übersetzung, aber ich wollte möglichst nah am Original bleiben.

 

Nun, sprechen alle schon von Rezession, obwohl wir noch nicht einmal ein statistisches Wirtschaftsdatum vorliegen haben, das dies beweist und Bernanke lediglich die Möglichkeit einer Rezession einräumt. Wer die Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate gelesen hat, wundert sich deshalb über den negativen Grundton der Gazetten. Denn eigentlich müssten angesichts der Miesepetrigkeit der letzten Wochen unsere Redakteure in Jubelstürmen ausbrechen. Denn, von einer Rezession gingen fast alle mit hundertprozentiger Sicherheit aus. Und alle die etwas anderes behaupteten, wie z.B. ich, wurden als Schönredner dargestellt. Also, wo bleibt die Schlagzeile: „USA – wenn überhaupt nur leichte Rezession“ oder „USA - Befürchtete Katastrophe bleibt aus“?

Aber nicht nur in der Berichterstattung ist diese Ignoranz zu vernehmen, auch in den Analysen könnte man angesichts des Geschriebenen manchmal verzweifeln. Schauen wir uns doch einfach einmal die Arques an. Vor drei Wochen habe ich eine Kolumne „Eine Lanze für Arques“ veröffentlicht, wo ich das Geschäftsmodell lobe und – wie ich denke – das Unternehmen sehr sachlich beschrieben habe. Mittlerweile hat das Unternehmen seine Zahlen auf den Tisch gelegt. Wie von mir erwartet und übrigens das Unternehmen auch prognostiziert hat, ist der Konzernumsatz um +174 % auf 2,1 Mrd. Euro und das EBITDA um +61 % auf 203 Mio. Euro gestiegen. Das ist außerordentlich gut, wenn ich das einfach mal so schlicht feststellen darf.

 

Gleichzeitig hat das Management hinter den in diesem Jahr geplanten Börsengang der Actebis, die für 145,6 Mio. Euro erworben wurde, ein Fragezeichen gestellt. Was angesichts der derzeitigen Marktlage vernünftig ist. Siehe z.B. den verschobenen Börsengang der Evonik.

 

Jetzt raten die „Experten“ vom Frankfurter Tagesdienst vom Rückkauf der Aktie ab. Mit der Begründung, dass die Arques – man höre und staune – enttäuschende Zahlen vorgelegt habe. Ich weiß ja nicht, was das Unternehmen Frankfurter Börsenbriefe, dem wir den Tagesdienst zu verdanken haben, verdient. Aber ich wage einmal die Aussage, dass sie froh wären, wenn sie solche Zahlen, wie die Arques vorweisen könnten. Und zwar absolut wie relativ. Beim Übertreffen von Zielvorgaben von enttäuschenden Zahlen zu sprechen, ist schon starker Tobak. Da muss man sich ernsthaft fragen, wo die Expertise der Analysten liegt?

 

Die Actebis jedenfalls liegt derzeit über Plan. Auch ist im Zusammenhang mit der Bewertung des Unternehmens ein Vielfaches von den 146 Mio. Euro gefallen. Ob der Börsengang nun ein paar Monate früher oder später kommt, dürfte doch relativ egal sein, wenn man den inneren Wert des Unternehmens im Blick hat, was ein Fachmann auch haben sollte. Weiter wird eher negativ angemerkt, dass 15 Mal soviel Geld wie bisher für Firmenkäufe ausgegeben wurde. Da kann ich nur sagen, gut so. Wenn das Ergebnis – analog zur Entwicklung in der Vergangenheit – 15 Mal so hoch ist wie bisher, können sich die Aktionäre der Arques Industries AG auf satte Renditen und Kursgewinne freuen.

 

Fazit: Wir wir alle wissen, lehrt uns das Leben, dass wir es – um im Bild zu bleiben -  selten mit ganz vollen Gläser zu tun haben. Jetzt aber jedes Mal zu lamentieren, dass etwas fehlt, wenn es nicht ganz voll ist, geht mir langsam so etwas von auf den Zeiger.

 

Wenn die, die in der Vergangenheit alles runtergeschrieben haben, ihrer Linie treu bleiben würden, dann müssten sie jetzt aber ordentlich ins Schwärmen geraten. Und was die Arques angeht. So wäre ich und sicherlich auch mancher Anleger – nicht nur was diesen Wert anbetrifft –schon dankbar, wenn man einfach die Fakten zur Kenntnis nimmt bzw. unverfälscht wiedergibt.

 

Miesepeter und Ignoranten gibt es in diesem Lande nämlich schon mehr als genug!

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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