Kolumne: Von Keilen, China und lukrativen Trading Chancen!
An den Börsen ist momentan eine regelrechte Ausverkaufsstimmung zu spüren nachdem der S&P 500 Index am letzten Dienstag um 4,2% in die Knie ging und viele Anleger gleichzeitig ihre Positionen verkaufen wollten. Findige Analysten fanden sich bestätigt, da es mehrere große Keile in den Indizes gab die regelkonform aufgelöst wurden und der Beginn der Korrektur sowieso fest stand. Hierzu kann ich nur sagen Glück gehabt. Ob der Keil (an dessen Prognosekraft und auch der von allen anderen Mustern ich stark zweifle) ausschlaggebend waren, bleibt für immer ein Geheimnis der Märkte. Fundamental wurde der Einbruch damit erklärt, dass China die Wirtschaft bremsen wolle und es dadurch zu einer weltweiten Abschwächung kommen werde. Mich wundert nur, dass diese Tatsache genau am letzten Dienstag ins Bewusstsein der Händler kam, da die chinesische Regierung schon seit etlichen Monaten von einer Abkühlung spricht um das Wachstum einigermaßen im Bereich der acht Prozent zu halten. Ich kann mir jedoch beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Chinesen vor den olympischen Spielen im Jahr 2008 eine Rezession riskieren werden, wenn die ganze Welt auf das Reich der Mitte blickt. Anschließend steht im Jahr 2010 die Weltausstellung an, eine weitere wichtige Veranstaltung wodurch sich die Chinesen gegenüber den anderen Industrienationen profilieren können. Ich bin also nicht davon überzeugt, dass wir eine Rezession sehen werden und glaube nach wie vor an eine weitere Fortsetzung der Aktienhausse.
Vielleicht ist der aktuelle Rebound im Dow Jones bereits der Beginn des kommenden Bodens, da der Juni Future auf dem Tagestiefstkurs eröffnet hat und sich anschließend bis in die Gewinnzone erholen konnte. Die Jünger von Larry Williams werden dieses Muster wahrscheinlich „Oops Buy Pattern“ nennen. Auch der S&P weist ein ähnliches Verhalten auf, was jedoch nicht bedeuten muss, dass es nicht weiter heruntergehen kann. Das größte Geheimnis des Tradings liegt nicht darin, ob man viele Indikatoren, Oszillatoren, Elliot Wellen, Gann oder etwas anderes nutzt sondern im Endeffekt in der Strategie sowie dem Risikomanagement.
Da mich in den letzten Tagen einige Mails erreicht haben von Anlegern die mich fragten, was man in der jetzigen Situation tun solle, möchte ich diese Frage gleich öffentlich beantworten. Ich würde momentan bei den Aktienmärkten abwarten und erst einmal zusehen. Jetzt noch trendfolgend mitzugehen halte ich für nicht allzu klug, da ich denke die größte Bewegung ist schon wieder vorbei. Interessant ist, dass die implizite Volatilität der Optionen auf den S&P laut dem VIX (Index der S&P Optionen) inzwischen von einem Tief bei 10% auf 18,61% angestiegen ist. Damit notiert die Vola zwar nicht ganz so hoch wie bei der letzten Korrektur im Mai 2006 jedoch am oberen Ende der Spanne der letzten drei Jahre. Auch die implizite Vola im VXN (Vola Index auf den Nasdaq) ist mit 23,66% im oberen Drittel der letzten 36 Monate angelangt.
Was will ich Ihnen damit sagen?
Die hohen Werte der impliziten Volatilität bedeuten, dass momentan eine gehörige Portion Angst im Markt ist. Die Händlerschaft rechnet mit größeren Ausschlägen des Kurses, weswegen die Werte der Optionen steigen. Der Hintergrund ist, dass bei einer höheren Volatilität auch die Wahrscheinlichkeit steigt mit der eine Option am Ende ihrer Laufzeit im Geld liegen wird. Die Volatilität ist ein Wesen das leider nur sehr wenig beachtet wird was vorwiegend daran liegt, dass viele den Umgang und die Zusammensetzung dieser nicht verstehen. Kurz gesagt ist die Volatilität die einfache Standardabweichung auf Sicht eines Jahres. Wenn also die implizite Volatilität wie aktuell im S&P 18,61% beträgt, dann rechnet der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von 68,3%, dass der Markt innerhalb einer Spanne von +/- 18,61% bleiben wird . Man kann hier natürlich auch mit der zweiten und dritten Standardabweichung rechnen. Je geringer also die Vola desto weniger Bewegung erwartet der Markt.
Was hat diese Feststellung jedoch mit der Fragen zu tun wie ich im Markt nun vorgehen würde?
Sehr viel. Da ich oben bereits dargelegt habe, dass ich noch nicht an ein Ende der Hausse glaube würde ich nun auf eine Konsolidierung warten. Ich gehe nicht davon aus, dass der Markt in Form eines „V“ sofort umkehrt und wieder in Richtung der alten Hochs läuft, sondern dass es wahrscheinlich eine Range mit Doppel- oder Dreifachboden bzw. einem 1-2-3 Tief geben wird. Jede Form der Konsolidierung wird die Volatilität in die Knie zwingen. Bei den Aktienmärkten kann man als Daumenregel sagen, dass die Volatilität bei Einbrüchen sofort explodiert, da diese in der Regel schnell und teilweise auch schmerzhaft sind, während Anstiege gemächlich und geradezu langweilig verlaufen. Dennoch kann auch ein Abwärtstrend, sollte ich mich irren und es entsteht einer, die Vola zusammen sacken lassen. Man kann also annehmen, dass jeder sich entwickelnde Trend zu einem Rückgang der Volatilität führt bzw. auch eine Konsolidierung diese gen Süden laufen lassen wird. Der Knackpunkt liegt nur an den Übergängen. Meine Berechungen haben ergeben, dass die Volatilität sofort schlagartig zunimmt, sobald es zu einem Wechsel im Trend kommt. Somit wäre also die von mir erwähnte, jedoch nicht erwartete V-Umkehr zunächst ein weiterer Volatilitäts-Booster. Der sich anschließend etablierende Aufwärtstrend würde jedoch wieder zu einem Rückgang dieser führen.
Lange Rede kurzer Sinn, was ist zu machen?
Sobald sich eine Pause im Markt abzeichnet und der Abwärtstrend beendet scheint, wäre ein Ratio Call Spread eine interessante Möglichkeit um sowohl an einem Rückgang der impliziten Volatilität als auch an einem Anstieg zu profitieren. Der einzige Nachteil ist nur, dass der Ratio Call Spread unbegrenztes Verlustpotential aufweist ab einem bestimmten Punkt oberhalb der verkauften Calls, weswegen sowohl Laufzeit als auch Strikes genau ausgewählt werden müssen. Momentan würde ich mir die Zeit nehmen und abwarten. Jedoch könnte sich schon in den kommenden Tagen das Fenster für einen interessanten Trade wie oben erwähnt öffnen. Ganz aggressive Trader können auch in den März S&P Options mit einer Restlaufzeit von nur noch neun Tagen ihr Glück suchen. Aufgrund der hohen Vola bekommt man noch ganz ansehnliche Prämien für Puts bei 1300 Punkten. Das Theta ist aufgrund des starken Anstiegs der IV (impliziten Vola) explodiert und arbeitet nun massiv gegen den Wert der aus dem Geld liegenden Optionen. Vorsicht ist jedoch geboten, da ein weiterer Ausverkauf nicht ausgeschlossen werden kann und hier einer auf den ersten Blick sehr lukrativen Chance ein gehöriges Risiko gegenüber steht. Deswegen sind Trades mit Short Options auch nur für erfahrene Trader geeignet, die auch den möglichen Verlauf mittels Optionsrechner simulieren können und sofort eine Notfallstrategie besitzen, wenn etwas schief geht.
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Auch die Systemhändler freuen sich über eine erhöhte Volatilität in den Märkten und erzielen ansehnliche Gewinne. Schauen Sie doch mal unter http://www.systemkongress.com vorbei und lernen Sie direkt von den Profis.
(Quelle: Sebastian Hell, http://www.emfis.com)