Als ich Freitagnachmittag auf den Dax blickte, konnte ich es anfangs kaum glauben. Der Deutsche Aktienindex schoss nämlich senkrecht nach oben. Ich kann mich kaum erinnern, so etwas schon mal gesehen zu haben. Verantwortlich dafür war FED-Chef Ben Bernanke.
Die Zinssenkung der amerikanischen Notenbank in Höhe von 0,5 % für die Ausleihungen an die Banken kam für uns alle sehr überraschend. Kurz vor Toresschluss, also am Freitag, die Zinsen so deutlich zu senken ist ein unglaublich cleveres Vorgehen, des - von den amerikanischen Medien meines Erachtens stark unterschätzen - amerikanischen Notenbankchefs Ben Bernanke.
Er schlägt damit nicht nur zwei, sondern drei Fliegen mit einer Klappe. Erstens beruhigt er die Banken, indem er Ihnen zwischen den Zeilen zu verstehen gibt, dass er sie nicht hängen lässt. Dann kam zweitens, das psychologische Moment, dass die Börsianer positiv ins Wochenende gehen, um dann heute morgen bei guter Laune zu starten (was, wie der Nikkei zeigt, gelungen ist) und drittens ist er weiter seinem Grundsatz treu geblieben, die Inflation zu bekämpfen, in dem er die Federal Funds Rate unverändert lässt und damit ebenfalls ein deutliches Zeichen setzt.
Dass dieses Signal einhellig verstanden und respektiert wurde, zeigen die Reaktionen weltweit. Wie stark dieses Vorgehen tatsächlich war, sieht man darin, dass weltweit die Investoren wieder in den Dollar gehen. Das hat mit Sicherheit damit zu tun, dass der Dollar derzeit stark unterbewertet ist, also Währungsgewinne locken und viele der Yen Carry Trades aus purer Liquiditätsnot rückgängig gemacht wurden. Was aber offensichtlich auch honoriert wird, ist der relativ souveräne Umgang mit der zurückliegenden Krise.
Während aufgrund des Crash seit Mitte Juli der Nikkei ca. 16 % und der Dax ca. 11 % verloren haben, waren das im Mutterland der Krise nur 8 %. Da reibt man sich doch verwundert die Augen. Haben wir alle am Ende die Krise überschätzt bzw. zu stark auf unsere Verhältnisse hierzulande bezogen?
Mag sein. Jedenfalls können die Marktteilnehmer aufgrund der Freitag-Aktion erst einmal aufatmen und haben etwas Zeit gewonnen, um ihre und die Gesamtlage neu zu taxieren. Dabei wird vielleicht erkannt werden, dass eine Liquiditätskrise, dann keine mehr ist, wenn genug Liquidität vorhanden ist bzw. bereitgestellt wird. Was derzeit unumwunden der Fall ist.
Was das für die Börsen bedeutet? Nach hektischen Tagen und Wochen sollten diese langsam wieder zur Normalität zurückkehren. Obwohl es sicher noch den ein oder anderen Ausschlag geben wird, sollte man sich wieder auf die grundlegenden wirtschaftlichen Daten konzentrieren. Und die sind gut, wenngleich die Konjunktur leicht nachlässt. Das Wachstum in Asien jedoch ist ungebrochen. In China sowieso. Und in Japan zeigen die jüngsten Daten auch nach oben.
Und was Deutschland betrifft, können sich die soeben veröffentlichen Halbjahreszahlen der Unternehmen durchaus sehen lassen.
Es ist an der Zeit, die Märkte mit Abstand und neu zu bewerten.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen
Ihr Norbert Lohrke

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