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Kolumne: Vertrauen ist der Anfang von Allem

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 18.03.08 09:27 Antworten: 0  
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Kolumne: Vertrauen ist der Anfang von Allem

Weltuntergangsfantasien machen derzeit die Runde. „Jetzt ist die Rezession in USA da“, höre ich viele Menschen vor den Mikrofonen sagen. Banken raten jetzt zur Zurückhaltung bei der Anlage in Aktien. Viele haben Angst, dass jetzt alles zusammenbrechen könnte. Die Angst vor dem Crash geht um. Finanztitel stürzen Börsen ins Chaos, kann man heute im Handelsblatt lesen. Sonst so eigenständig agierende Unternehmenslenker wie Deutsche Bank Chef Ackermann rufen nach dem Staat bzw. einer konzertierten Aktion von Banken, Regierungen und Notenbanken.

 

Ackermann spricht in diese Zusammenhang auch von einem „Investorenstreik“. Etwas was die Branche noch nie gesehen habe. Damit meint er die Tatsache, dass die Wertpapiere mit den faulen Hypothekenkrediten sein Monaten kaum noch handelbar sind. Und bauernschlau wie unser Deutsche Bank Chef nun einmal ist, fordert er, dass der Staat nun die faulen Hypothekenkredite aufkaufen soll. Also Sie und ich. Über unsere Steuern.

 

So lamentiert er, dass nach jedem Zwischenfall, wenn man den Boden wieder gefunden zu haben glaubt, der nächste Schlag kommt. Und in einem Anflug von göttlicher Eingebung, sagt er einen Satz, den ich geradezu belustigend finde: „Wir müssen alles tun, um schnell wieder Vertrauen zu gewinnen“. Ich will Ihnen auch sagen warum ich belustigt bin. Weil die gleiche Bank mit dem Slogan „Vertrauen ist der Anfang von Allem“ in den letzten Jahren massiv geworben hat. Was – wie man sieht - eine Einbahnstraße war. Von uns Kunden hin zur Bank.

 

Lieber Herr Ackermann, Vertrauen kann man nicht „gewinnen“. Vertrauen muss man sich hart erarbeiten, falls Sie überhaupt wissen, was das bedeutet. Und jemand der – wir Sie und Ihre Kollegen - das Vertrauen, über Jahre missbraucht hat und nicht mal in der Lage war, ordentlich sein Bankgeschäft zu betreiben, sollte jetzt besser einfach sein Maul halten, wie man bei uns in Bayern sagt. Und kleinlaut die Scherben aufkehren, die er hinterlassen hat. Denn ich und viele andere hören Ihnen und Ihren Kollegen eh nicht mehr zu. Geschweige denn, dass wir Ihnen noch glauben, was Sie und Ihre Kollegen sagen. Oder sollen wir die Böcke zu Gärtnern machen?

 

Aber kommen wir zur Krise zurück. Ich halte viele Aussagen, die derzeit getroffen werden, für blanken Unsinn. Lassen Sie uns deshalb die Situation sachlich analysieren. Wir müssen zunächst einmal die Realwirtschaft bzw. die Warenströme von der Finanzwirtschaft und den Finanzströmen trennen. Was wir derzeit sehen und spüren, spielt sich zunächst in der Finanzwirtschaft ab. Dort wurde gutes Geld gegen schlechte Hypothekenanleihen getauscht. Davon ist die Realwirtschaft erst einmal gar nicht betroffen. Insofern ist es erst einmal ein Problem der Finanzwelt. Und wenn ich wie Hans im Glück Gold gegen Steine tausche, habe ich am Ende halt nichts mehr. So einfach ist das. Und diejenigen, die so dumm waren, das zu tun, die sollen dafür auch gerade stehen. Und, wenn das, wie bei Bear Stearns, den Verlust der Eigenständigkeit mit sich bringt. Das soll aber der Markt regeln.

 

Dass die Zentralbanken dabei unterstützend eingreifen sollten, ist gebongt. Aber der Staat sollte sich bitte ansonsten weitestgehend heraus halten. Wenn mein Nachbar beim Pokern verliert, zahle ich ihm doch auch nicht die Spielschulden, oder? Ackermann lag wohl etwas zu lange unter der Höhensonne, wenn er die Übernahme der Miesen durch uns fordert.

 

Und was die amerikanischen Immobilien betrifft. So sind die nach wie vor da und bleiben das auch. Auch, wenn sie derzeit im Wert fallen. Sicherlich treffen dieser Wertverlust und der Wertverlust der Aktien die amerikanischen Verbraucher, die daraufhin ihren Konsum einschränken werden und damit zu einer Abschwächung der US-Wirtschaft beitragen. Aber auch da, wird bald die Untergrenze erreicht sein.

 

Was ich sagen will ist, dass es zu keinem Crash kommen muss, nicht zuletzt deshalb, weil weltweit doch genug Liquidität im Markt ist bzw. in den Markt gegeben wird. Also sollte man Rotschilds Satz zu Herzen nehmen, der „kaufen wenn die Kanonen donnern“ fordert oder Warren Buffets Haltung, dass „er versucht ängstlich zu sein, wenn andere gierig sind und gierig, wenn andere ängstlich sind“ und antizyklisch Aktien kaufen.

 

Was aber lernen wir aus der derzeitigen Krise? Angesichts des Versagens der Banken bin ich dafür, dass wir das Kreditwesengesetz von Grund auf überarbeiten und nach unten öffnen. Geldgeschäfte sind Geschäfte, wie jedes andere auch. Ich wüsste nicht, wieso wir diese gigantischen Markteintrittshürden in den Bankenmarkt bräuchten. Und was die besondere Geschäftsführereignung betrifft, so kann man diesen Passus streichen, wenn man die derzeitigen Bankenvorstände agieren sieht.

 

Auch frage ich mich, wieso man die Vermögensberatung BAFIN-pflichtig macht, wo doch die Großen zeigen, dass sie es auch nicht können. Also, weg mit diesem Markteintrittsverhinderungsgesetz.

 

Denn in Wirklichkeit ist diese Krise eine Strukturkrise des Bankensystems. Wir müssen uns überlegen, wie wir in Zukunft das Bank- und Geldgeschäft in Deutschland vernünftiger organisieren. Und da wäre manch kleiner, wesentlich intelligenter als diese Riesenkonzerne.

 

Und, wie Sie alle wissen: Vertrauen hat mit Größe nichts zu tun. Es sei denn menschlicher Größe. Und die findet sich auch im Kleinen.

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

 

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