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Kolumne: Und ab (-wärts) geht die Post

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 12.08.08 09:10 Antworten: 0  
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Kolumne: Und ab (-wärts) geht die Post

Obwohl die Post in den vergangenen Tagen und Monaten wiederholt in den Schlagzeilen war und man auf den Gedanken kommen könnte, dass da ordentlich was positiv bewegt wurde, so zeigt ein Blick auf den Chart der Aktie, dass dies keineswegs der Fall war. Seit Ende Mai fällt die Aktie kräftig nach unten. Lag der Kurs am 19. Mai noch bei 22,13 Euro, so notiert sie derzeit nur noch bei 15,99 Euro (Schlusskurs gestern). Das ist ein Kursverlust in nur drei Monaten von satten -27,7 %.


Kein Wunder, wenn Sie mich fragen. Schließlich hat es die Post dieses Jahr nicht leicht. Der Absturz Zumwinkels scheint dabei nur eines von sich häufenden Zeichen zu sein, die das versinnbildlichen. Da wäre das ausgelaufene Briefmonopol. Dem die Post – jedenfalls meiner Einschätzung zufolge – etwas hilflos gegenübersteht. Und was die Nummer mit den Mindestlöhnen betraf, so ging der Schuss ja ordentlich nach hinten los. Sich hinter dem Rockzipfel der Mutter zu verstecken, wenn’s eng wird – auch wenn es die Regierung der Bundesrepublik Deutschland ist – ist nicht gerade ein Zeichen für Stärke. Und schon als Kinder fanden wir andere, die das machten, ganz schön doof.


Und dann die Katastrophe über dem großen Teich. Da haben sich die Kollegen der Post aber mächtig verhoben. Ich gehe mal davon aus, dass dieser Ausflug in die weite Welt auf dem Mist von McKinsey, die quasi zum Mobiliar der Deutschen Post gehören, gewachsen ist. Theorie und Praxis kann ich da nur sagen. Wobei ich die Strategen von McKinsey in einem echt bewundere. In der Abrechnung ihrer Leistungen. Wenn Sie die Stunden- und Tagessätze von den Kollegen sehen, fallen Sie hinten über. Das passiert mir aber auch zunehmend bei den Ergebnissen. Wobei sich die Macies da häufig exkulpieren und die Verantwortung in andere Hände legen. Im Zweifel sind also die Umsetzenden schuld.


Sei’s drum. Ehrensache, dass Zumwinkel seinerzeit seinen Ex-Kollegen Brot und Wasser reichte. Dafür müssen jetzt die Aktionäre und auch Mitarbeiter bluten. Jeder Tag dieses US-Abenteuers kostet schlappe 5 Millionen Dollar. Macht nichts, denkt sich da der Vorstandschef Frank Appel. Wer einen Post Tower mit all seinen architektonischen Unwägbarkeiten bis hin zum Pfeifton - je nach Windstärke – stemmen konnte, der wird doch wohl den Amis zeigen können, wo der Tower steht? Und so gibt er dem Druck aus dem Land des Wilden Westens nicht nach. Die Zusammenarbeit mit UPS soll es retten. Farblich würde das Braun schließlich ohne weiteres zum Gelb der Post passen, oder? Das Problem ist nur, dass die beiden Präsidentschaftskandidaten das anders sehen und die Zusammenarbeit nicht gewünscht wird. Statt seinen Job ordentlich zu machen, droht Appel - wie zuvor schon sein Vorgänger – wieder einmal der Politik. Wie einfach man doch in ehemaligen Staatsbetrieben sein Geld verdienen kann.


Aber nicht nur in den Vereinigten Staaten muss sich der Postchef ein „return to sender“ gefallen lassen. Auch hierzulande mag das mit der Zustellung nicht so recht klappen. So bietet er seit längerem die Deutsche Postbank AG wie Sauerbier an. Und in Anfällen von Scheinsouveränität tut er in Interviews so, als hätte er alle Zeit der Welt. Wäre das so, dann würde er die Postbank nicht just in der Zeit zum Verkauf stellen, wo es dem Bankensektor seit Langem am Schlechtesten geht. Und jetzt kommt’s. Obwohl die nur 7,4 Mrd. Euro kosten soll, will sie keiner haben. Also auch hier: Annahme verweigert!


Aber mit dem Timing hatten es die ehemaligen Staatsbetriebe ja noch nie. Man denke nur an die Deutsche Telekom AG und den vollkommen überteuerten Kauf der amerikanischen Voicestream seinerzeit. Ja, ja. Abwarten ist nicht deren Stärke. Macherimage geht vor. Schließlich will man ja auch mal als Top-Manager in die Aufmacher der Magazine. Das stählt das Ego.


Fragt man sich schlussendlich was noch bleibt? Im Briefsektor, der immer noch wesentlich zum Jahresüberschuss beiträgt, schwinden die Margen. Das Expressgeschäft kriecht im Schneckengang. Und die Bank will keiner haben.


„Und ab geht die Post“, habe ich mir jedenfalls irgendwie anders vorgestellt.


Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.


Ihr Norbert Lohrke



 


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