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Kolumne: Tatort Telekom

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 13.10.08 08:20 Antworten: 0  
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Kolumne: Tatort Telekom

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir reicht es langsam, was ich mir derzeit bieten lassen muss. Und zwar von verschiedensten Seiten. Was uns aber die Deutsche Telekom seit Jahr und Tag zumutet ging schon bisher an die Grenzen. Und jetzt ist das Fass zum Überlaufen voll.


Man muss sich das einmal vorstellen. Daten von 30 Millionen Kunden waren mit nur wenig Aufwand von jedem beliebigen Rechner mit Internetzugang erreichbar. Das jedenfalls schreibt der Spiegel. Mit nur wenigen Passwörtern können Vertragsdaten wie die Adresse, die Telefonnummer, aber auch Kontodaten und die Einzugsermächtigungen eingesehen und down-geloaded werden. Sim-Karten könnten gesperrt, Tarife verändert werden.


Kurz gesagt, die Kundendatenbank des größten deutschen Telekommunikationsunternehmens Deutsche Telekom AG ist so offen wie ein riesiges Scheunentor.


Dass die gleiche Telekom erst vor kurzem einräumen musste, dass rund 17 Millionen T-Mobile Kundendaten gestohlen wurden, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Und hier kann sich der Vorstandsvorsitzende Obermann nicht mehr herausreden, da er da seit Jahr und Tag das Sagen bei der T-Mobile hatte.


Offenbar war die für diesen Datenschutz verantwortliche und beim Vorstandsvorsitzenden aufgehängte Konzernsicherheit so mit dem gesetzeswidrigen Überwachen der Mitarbeiter, des Bereichsvorstands und des Aufsichtsrats beschäftigt, dass er gar keine Zeit mehr dafür fand, sich auf seine wirklichen Aufgaben zu konzentrieren.


Wir erinnern uns, dass es aber noch andere Versäumnisse gab. So wurde die T-Online unter aktionärsfeindlichen Umständen heim ins Reich geholt. Und was damals nach dem Börsengang bei den Kapitalerhöhungen abging und derzeit Gegenstand einer der größten Prozesse im Aktionärsumfeld ist, kann getrost als riesengroße Schweinerei bezeichnet werden.


Und wieder einmal ist im Hintergrund die Bundesregierung bzw. der Finanzminister verantwortlich. Denn nach wie vor hält die Bundesrepublik Deutschland 14,83 % und das Versager-Förderinstitut, das Millionensummen im dreistelligen Bereich ohne zu prüfen und „versehentlich“ überwiesen hat, 16,87 %. D.h., dass de facto in jeder Hauptversammlung wir, die Bürger dieses Landes, an diesem Saftladen bestimmen können, was zu tun ist. Daran sieht man bestürzenderweise wie schlecht wir als Bürger in den entsprechenden Aufsichtsgremien vertreten sind.


Jetzt ist Tabula Rasa angesagt. Der Aufsichtsrat sollte den Gesamtvorstand angesichts einer solchen Pannenserie in die Wüste schicken.


Als Außenstehender fragt man sich sowieso, wieso Leute wie der Finanzvorstand Eick, der seit Jahr und Tag an Bord ist und an den gesamten Skandalen Mitverantwortung trug seinen Posten noch inne hat. Das kann man nur so erklären, dass er offensichtlich aus dem politischen Bereich heraus – aus welchem Grund auch immer – gestützt wird.


Auch muss das Mittelmanagement einmal deutlich durchforstet werden. Was da für Versager herumlaufen und Gehälter abziehen, passt auf keine Kuhhaut. Und was das Betriebsklima angeht, so ist der Nullpunkt schon längst unterschritten.


Und auch der Aufsichtsrat sollte einmal ausgedünnt werden. Was sind denn da für Flaschen am Werk? Aber wenn man sich einmal anschaut, wo der Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Lehner noch überall in anderen Aufsichtsräten rumturnt, dann wundert es einen nicht. Er sollte sich besser auf diesen Job konzentrieren oder den Weg freimachen. Dann taucht unsere ehemalige Leiterin der KfW Frau Matthäus-Maier wieder auf. Die hat sich mit der Aufsicht schon bei der IKB nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Aber hier bekommt sie offensichtlich noch etwas Gnadenbrot. Warum Reitzle in diesem Club noch mitmacht, verstehe ich nicht. Ich würde von solchen Leuten erwarten, dass sie sich freiwillig aus einem solchen Gremium entfernen. Und mit Dr Mirow wird wieder einmal ein altgedienter SPD Kempe versorgt.


Eins ist jetzt klar. Die gesamten Systeme der Deutsche Telekom AG sind offenbar in einem grottenschlechten Zustand und rott. Und was die Produkte angeht, so ist auch hier eine Einfaltlosigkeit zu spüren, die geradezu erschreckend ist. Es gibt noch nicht einmal ein Gesamtprodukt für Festnetz und Handynetz. Peinlich, peinlich. Und was das IPhone betrifft, hat die T-Mobile dafür einen so hohen Preis an Apple bezahlt, dass ich aus dem Unternehmensumfeld der Vodafone erfuhr, dass das gar nicht mehr wirtschaftlich sein kann.


Und wer schon einmal in einem T-Punkt eine halbe Stunde warten musste und die Chaostruppe dort arbeiten sieht, der erahnt, was nicht optimierte Prozesse bedeuten. Allein die Organisation in den T-Punkten, also die einfachste Übung, dass man nämlich der Reihe nach bedient wird, kriegen die nicht auf die Reihe. Aber intern brüsten sich die Vorstände, dass sie mal ein paar Tage vor Ort waren. Wo hatten die denn eigentlich ihre Augen und Ohren?


Eines ist klar. Der Vorstandsvorsitzende René Obermann hat auf ganzer Linie versagt und sollte endlich seinen Hut nehmen. Mit flotten Sprüchen ist dieser Laden nicht zu regieren. Da muss man schon mit der Brechstange ran.


Zudem sollte die Deutsche Telekom AG so schnell wie möglich privatisiert werden. Am Besten an einen Finanzfonds der harte Sanierungen durchführen kann. Denn das hat dieser Chaosladen dringend nötig.


Mangelnde Sicherheit, gesetzeswidriges Ausspionieren selbst von Organen, aktionärsunfreundliches Verhalten bis an die Grenzend des Betrugs und Ineffizienz pur. Was darf sich dieses Unternehmen eigentlich noch alles herausnehmen?


Gut, wenn man natürlich die Rückendeckung aus dem Bundeskanzleramt und dem Bundesfinanzministerium hat, dann muss man es mit den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland und der Wirtschaftlichkeit nicht so genau nehmen.


Jedenfalls könnte man mit der Telekom, so wie sie heute aufgestellt ist, nicht nur einen Tatort drehen.


Eine ganze Serie mit dem Titel „Tatort Telekom“, wäre angebrachter. Dem Drehbuchautor würde der Stoff nicht ausgehen.


Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.


Ihr Norbert Lohrke


 



 


 


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