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Kolumne: Strategiemangel als Kernkompetenz

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 24.07.08 09:42 Antworten: 0  
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Kolumne: Strategiemangel als Kernkompetenz

Gestern habe ich in meinen „Kapitalmarkt-Trends“ unter der Rubrik „Radar internationale Presse“ über den schwachen Ausblick, den Vodafone anlässlich der Vorstellung seiner Quartalszahlen gab, berichtet. Die Umsätze, die derzeit noch um +19 % wachsen, sollen – wie man hört – zukünftig nicht mehr so reichlich sprießen. Insbesondere Europa macht den Briten zu schaffen. Aber nicht nur Vodafone hat hier seine liebe Müh und Not. Auch unsere Deutsche Telekom AG siecht dahin und macht wieder einmal Schlagzeilen. Negative!


Die Tochter T-Systems – will man den Gerüchten Glauben schenken – hat einen deutlichen Aderlass vor sich. Wie man hört, sollen betriebsbedingte Entlassungen anstehen. Das jedenfalls konnte den Worten des Personalvorstandes Sattelberger indirekt entnommen werden. Laut unabhängigen Schätzungen könnte es bis zu 4.000 Mitarbeiter treffen. Wenn das denn reicht. Derzeit sind in dem Unternehmen mit Konzernzentrale Frankfurt ca. 56.600 Mitarbeiter beschäftigt. Dieser Personalabbau ist Teil eines Sparprogramms, das bis 2010 um die 800 Mio. Euro senken soll. Der T-Systems Chef Reinhard Clemens begleitet die Maßnahme, die auch eine Produktbereinigung vorsieht, großspurig mit den Worten, dass „wir nicht mehr alles machen, aber was wir machen, machen wir perfekt“.


Wobei ich ein großes Problem habe das Wort perfekt mit der T-Systems AG im Speziellen und der Deutsche Telekom AG zu verbinden. So z.B., wenn ich die Personalpolitik bei beiden betrachte. Denn die ist – gelinde gesagt – seit Jahren eine einzige Katastrophe. Diese ziel- und planlos zu nennen wäre noch Schönrederei.


Sattelberger, Eick und Obermann machen da zusammen einen Fehler nach dem anderen. Anstatt einmal einen harten Schnitt vornehmen, ermüden sie die Mitarbeiter, die Aktionäre und auch die Öffentlichkeit mit ihrem „Management bei Schnittchen“ (wurde nicht noch letztes Jahr die Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern als große Errungenschaft gefeiert?).


Das führt bei den Mitarbeitern zu großer Verunsicherung, bei den Gewerkschaftern und Betriebsräten zu Vertrauensverlust und massivem Widerstand und geringerer Produktivität. Wobei die ganze Spitzelaffäre ja auch noch nicht ausgestanden ist und einzelne Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutsche Telekom AG, das Unternehmen diesbezüglich angezeigt haben. Man kann sich unschwer ausmalen, wie die Stimmung auf den Fluren der Telekom derzeit ist.


Dabei muss doch jedem, der die T-Systems nur ein wenig kennt, klar sein, dass diesem Unternehmen eine umfangreiche Reorganisation bevorsteht, die mit massiven Personalentlassungen und Verkäufen von Teileinheiten einhergehen muss. So sind die verschiedenen in der Vergangenheit zugekauften Teile des zusammen gewürfelten Unternehmens bis heute nicht vollständig integriert. Und die Organisation bzw. das Organigramm ist das Gegenteil von Übersicht und Transparenz.


Und wie stark sich der gesamte Vorstand verschätzt hat, zeigt doch dass der Versuch die T-Systems zu verkaufen, im letzten Jahr kläglich gescheitert ist. Wo sind denn die vielen Interessenten für die ach so tolle T-Systems, von denen die Herren Vorstände sprachen? Stattdessen ist man notgedrungen die Kooperation mit Cognizant Technology eingegangen.


Und was die Telekom selbst betrifft, so kann ich auch keine vernünftige Strategie erkennen. Angesichts der Bewegung, die es bei den Versorgern hinsichtlich des  Netzes gibt, müsste sich Obermann doch jetzt endlich auch einmal Gedanken machen, wie er proaktiv einen solchen in der Telekommunikationsbranche ebenso möglichen und denkbaren Vorstoß aus Brüssel parieren will. Eine Netzgesellschaft unter Führung der Telekom, an der sich die anderen beteiligen müssen/können, könnte eine solche Option sein. Leider fehlt Herrn Obermann dazu der Mut.


Da er in strategischen Fragen bisher nicht erkennbar tätig wurde, ist für mich der einstige Hoffnungsträger Obermann schon jetzt gescheitert und verbrannt. Lockere Sprüche allein reichen halt nicht aus, einen Konzern wie die Deutsche  Telekom AG zu verändern. Und die Mäcies (ugs. für Berater der Strategieberatung McKinsey) scheinen auch bei der Telekom am Ende ihres Lateins angekommen zu sein.


Dr. Hollstein, einstiger Vorstand der H&R Wasag AG, sagte mir einmal im persönlichen Gespräch auf einer Investorenkonferenz, dass die Strategie das wirklich Einzige ist, das er beeinflussen könne und wenn er dort richtig läge, alles andere zwangsläufig folge.


Daran sollte sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Herr René Obermann ein Beispiel nehmen.


Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.


Ihr Norbert Lohrke


 


 



 


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