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Kolumne: Sorgenkinder auf gutem Weg

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 23.07.08 09:19 Antworten: 0  
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Kolumne: Sorgenkinder auf gutem Weg

Derzeit sind zwei Entwicklungen äußerst interessant, die für das weitere Geschehen an der Börse in diesem Jahr von größtem Interesse sein könnten. Da ist zum einen der dramatische Einbruch des Rohölpreises auf mittlerweile „nur noch“ 127,25 Dollar je Barrel. Zum anderen sind da die Finanzwerte, für die der Deutsche Bank Analyst Mike Mayo jetzt feststellte, dass deren Wertberichtigungen langsam ausklingen würden.


Der Rohölpreis kommt von der fundamentalen Seite enorm unter Druck. So investiert der Nahe Osten, der über 31 % zur weltweiten Rohölförderung beiträgt, derzeit stark in den Ausbau der Ölförderung. Bis 2011 werden die Länder eine unglaublich hohe Summe von 330 Milliarden Dollar in die bestehenden und neue Ölfelder investieren. Diese Zahl hat das zuständige Ministerium in Saudi-Arabien soeben veröffentlicht. Ein Großteil der Versorgung der Weltwirtschaft mit Rohöl soll damit sichergestellt werden.


Denn als der Preis zu Beginn dieses Jahrzehnts unter 10 Dollar für ein Barrel (159 Liter) Rohöl gefallen war, hatten sie die Pläne zur Kapazitätserweiterung erst einmal auf Eis gelegt. Das begann sich mit den seit 2002 steigenden Preisen zu ändern.


Allen voran, baut Saudi-Arabien nehmen die Saudis 14 Milliarden Dollar pro Jahr in die Hand, um die Fördermenge von 10,4 Mio. auf 12,5 Mio. Barrel am Tag zu steigern. Die Internationale Energieagentur geht sogar davon aus, dass Saudi-Arabien bis 2030 18,2 Millionen Barrel erreichen kann und erwartet Investitionen von bis zu 140 Milliarden Dollar


Aber immer interessanter wird auch der derzeit wieder auf die Beine kommende Irak. Experten schätzen, dass das Land, das derzeit 2,1 Mio. Barrel fördert, 10 Millionen Fass am Tag fördern könnte, also ungefähr so viel wie Saudi-Arabien oder Russland.


Das der Dow gestern in den letzten 15 Minuten beinahe senkrecht nach oben schoss, war im Wesentlichen den Finanzwerten zu verdanken. Und das, obwohl fünf amerikanischen Banken hohe Verluste melden mussten. So kommen alleine Wachovia und Washington Mutual zusammen auf Quartalsverluste 11 Mrd. Dollar. Und Wachovia, Washington Mutual, SunTrust Banks Inc., Fifth Third Bancorp and Regions Financial Corp. haben allein mit Verlusten aus Darlehen 13 Mrd. Dollar verloren. Wachovia, Regions and Fifth Third mussten übrigens auch ihre Dividende kürzen, um das Geld im Unternehmen zu halten.  Und trotzdem sprangen die Kurse, jedenfalls bei Wachovia und Washington Mutual um +11 % nach oben. Was wieder einmal in seiner krassesten Form zeigt, dass an der Börse nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft gehandelt wird.


Ingesamt sind jetzt die Finanzwerte in den letzten fünf Tagen um +31 % nach oben geschossen. Diese Kursgewinne erleichtern jetzt natürlich auch weitere Kapitalaufnahmen, was den Finanzsektor zusätzlich stärken wird.


Verlierer gibt es in diesem Spiel natürlich auch. Es sind wieder einmal die Mitarbeiter, die die Fehlentscheidungen ihrer Chefs ausbaden dürfen. So entlässt allein Wachovia, Charlotte, N.C., 6.350 oder 5.3% ihrer Mitarbeiter und wird 4.400 offene Positionen nicht wie geplant besetzen.


Sollte die Entwicklung so weiter gehen und unsere beiden Sorgenkinder sich in Glückskinder verwandeln, dann könnte es noch einen richtig heißen Herbst geben. Aber anders, als es mancher gedacht und verlautbart hat.


Shortselling ist out. Es leben die Longies.


Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.


Ihr Norbert Lohrke


 


 



 


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