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Kolumne: Schmelzende Renditen!

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 08.10.07 09:05 Antworten: 0  
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Kolumne: Schmelzende Renditen!

Die Stahlbranche wirft China Preisdumping vor und nimmt derzeit politisch Einfluss, um die EU Kommission zu einer Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO in Genf zu veranlassen. Der Vorwurf: In den Bereichen Draht, Edelstahl und feuerverzinkter Flachstahl sowie Grobblech sollen die chinesischen Stahlbauer mit Hilfe von Subventionen der chinesischen Regierung Überkapazitäten aufbauen und deshalb ihren Stahl unter Herstellungskosten auf dem Weltmarkt absetzen.

Warum die Stahlbauer unruhig werden, zeigt ein Blick auf die Statistik. War China bis 2004 noch ein Stahlimportland, d.h. dass es mehr Stahl ein- als ausführte, ist es mittlerweile zu einem großen Stahlexporteurland herangewachsen. So werden mittlerweile 33 Mio. Tonnen Stahl exportiert, ungefähr soviel, wie noch vor ein paar Jahren importiert wurden.

Warum die deutschen Stahlproduzenten unruhig werden, wird aber erst verständlich, wenn man die Kapazitätsentwicklung anschaut. Die Rohstahlproduktion in China liegt bei derzeit ca. 420 Mio. Tonnen, was in etwa einem Drittel der weltweiten Produktion entspricht. Und was vor allem die Alarmglocken schrillen lässt, ist die Tatsache, dass während die Produktionskapazitäten um fast 18 % zunehmen, der Verbrauch mit 9 % deutlich hinterherhinkt. D.h. hier fließt unaufhörlich eine ganze Menge Stahl ungebremst auf den Weltmarkt zu.

Das ist schon interessant. Da beglücken deutsche Stahlunternehmen den Weltmarkt über Jahre hinweg mit ihren Produkten, verdienen sich eine goldene Nase und beschweren sich sofort, wenn andere das ebenso tun wollen. Das kann natürlich nur Preisdumping sein. Oder auf Kosten der Umwelt gehen. Es ist auf jeden Fall von Übel. So die Stahlbarone, die vom Ruhrgebiet aus, den Weltstahlmarkt „noch“ im sicheren Griff haben.

So einfach wollen wir es den Herren aber nicht machen. Warum sollen eigentlich andere Staaten nicht auch ihre Chancen auf dem Weltmarkt nutzten dürfen? Wir waren es doch, die wollten, dass die Chinesen und andere kommunistische Staaten unsere westlichen Vorstellungen, insbesondere des Marktes übernehmen. Sich jetzt darüber zu beklagen, dass sie mitunter das Spiel besser spielen, als wir selbst, ist ganz schön durchsichtig. Und das sie nicht nur Absatzmärkte sein wollen, kann man auch verstehen. Der Blick nach Ostdeutschland zeigt, was dann passieren kann.

Die Qualität macht’s am Ende des Tages. Darauf sollten die Stahlkocher sich konzentrieren. Und auf neue Produkte. Wettbewerb ist nun mal anstrengend. Und das Argument mit der Umwelt und den Arbeitsbedingungen wollen wir mal nicht überstrapazieren. Da können wir gerne in der deutschen und europäischen Entstehungsgeschichte des Stahls mal nachlesen, ob da auch alles so umwelt- und menschenverträglich zuging.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Umwelt und Arbeitsbedingungen sind ein hohes und schützenswertes Gut. Gerade deshalb sollten sie nicht dazu benutzt werden, um aufstrebende Nationen von den Märkten fernzuhalten. Denn die Chance ihre komparativen Vorteile auszuspielen, sollten wir Entwicklungs- und Schwellenländer schon zugestehen.

Wir im Westen sollten auf dem Weltmarkt mit Qualität, Liefertreue und Innovationen überzeugen. Und da liegt vielleicht das Problem. Die Stahlbranche kommt nämlich nicht nur von der direkten Konkurrenz unter Druck, sondern auch von der indirekten. So ersetzt zunehmend Kohlefaser den doch recht gewichtsintensiven Stahl. Und Carbon ist einfach genauso hart aber weitaus leichter.

Die Stahlbranche geht keinen leichten Zeiten entgegen. Das zeigt die hektische Lobbyarbeit. Auch wenn sie alle noch gut verdienen. Der Zenit scheint überschritten zu sein.

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Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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