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Kolumne: Realistischere Einschätzung

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Autor Global Performance Bewertung (0):
Erstellt am: 15.11.07 16:00 Antworten: 0  
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Kolumne: Realistischere Einschätzung

Stellen Sie sich einmal vor, Anfang 2003 hätte ein Unternehmen folgendes bekannt gegeben: a) Die Prognose für das laufende Jahr kann wohl nicht eingehalten werden, weil Abschreibungen auf die bilanzierten Wertansätze drohen

b) Die vergangenen Bilanzen werden von der Prüfstelle auf Unregelmäßigkeiten hin untersucht

c) Eine Finanzkrise im Unternehmen konnte nur mit Hilfe eines externen Investors vermieden werden

d) Der Vorstandschef geht

Richtig: Die Aktie wäre mindestens um die Hälfte eingebrochen. Nicht so am vergangenen Mittwoch bei Conergy: Ein kurzer Kursrutsch auf diese Schockmeldung nutzten Anleger sofort, um bei der Aktie einzusteigen. Zu Handelsende notierte das Papier sogar im Plus!

 

Diese nahezu unglaubliche Entwicklung zeigt, welche Rolle Stimmungen an der Börse ausmachen. Anfang 2003 reagierten Investoren extrem sensibel auf alles, was nach Unregelmäßigkeiten roch. Aktuell werden dagegen selbst schlimmste Horrormeldungen weggesteckt – vor allem wenn sie aus der boomenden Solarbranche kommen. Wenn man sich die jüngsten Kursexplosionen bei den Branchenvertretern anschaut, erkennt man klare Züge einer Euphorie. Kurszuwächse von 70,80 oder mehr Prozent innerhalb weniger Wochen sind außergewöhnlich, zumal sie ohne entsprechende Meldungen zustande kamen.

 

Der Blick zurück ins Jahr 2003 zeigt, dass damals übertriebene Angst kein guter Ratgeber war – seither haben die Aktienkurse massiv zugelegt. Die Lässigkeit, mit der man aktuell aber die Kursexzesse bei den Solartiteln hinnimmt, macht ebenfalls skeptisch. Der Dienstag hat gezeigt, dass Stimmungen schneller drehen können, als manchem Anleger lieb ist. Möglicherweise war der Kursrutsch erst der Auftakt zu einer wieder realistischeren Einschätzung für die Solarwerte.

 

In diesem Sinne

 

Wolfgang Braun

 

 

Wolfgang Braun ist Chefredakteur des „Global Performance“. Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von mehr als 24 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes fällt. Weitere Informationen unter www.globalperformance.de.

 

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