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Kolumne: Obama und der Big Shift

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 17.06.08 09:07 Antworten: 0  
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Kolumne: Obama und der Big Shift

Der Präsidentschaftskandidat und Hoffnungsträger der Demokraten, der soeben siegreich aus den Vorwahlen gegen Hillary Clinton hervor gegangen ist, hat angekündigt, dass er im Fall seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Wirtschaft über die Erhöhung der Staatsausgaben deutlich ankurbeln will.

 

In einem Interview, dass er dem Wallstreet Journal gab und in dem er feststellte, dass sein Land eine große Veränderung vor sich hat („We’re Going Through a Big Shift“), hat er seine Ziele deutlich gemacht. So will er u.a. die zunehmende Lücke zwischen Reich und Arm bzw. Gewinnern und Verlierern verkleinern. Dabei sieht er zwei Herausforderungen: den Wettbewerb mit stark wachsenden und sich entwickelnden Volkswirtschaften wie China und Indien und die „winner takes it all“-Wirtschaft, die zu einer massiven Ungleichverteilung des Wohlstands führt.

 

Seiner Meinung nach schwächen die Globalisierung und die zunehmende Technologisierung die Position des normalen Arbeiters. Deshalb wird seiner Meinung nach eine starke, ordnende Hand gebraucht, die dafür sorgt, dass der Wohlstand etwas gleichmäßiger verteilt wird.

 

Obama will diesbezüglich im Steuersystem für Veränderungen sorgen. So will er auf der einen Seite das Steuersystem vereinfachen und auf der anderen Seite die Steuerlücken schließen. Es könne nicht sein, dass die Steuer eines Unternehmens vom Erfolg seiner Lobbyisten abhängt. Er möchte auch die Kapitalgewinne höher besteuern und die Steuern für die Top-Einkommensbezieher anheben. Wobei er aber auch Steuerkürzungen erwähnte. Auf der anderen Seite will er Start-up Unternehmen von Steuern freistellen, bis sie den Punkt der Stabilisierung erreicht haben. Und obwohl er im Interview nicht näher darauf eingegangen ist, will er wohl im Gesundheitsbereich eine neue Richtung einschlagen. In seinen Wahlkämpfen war von einer Grundsicherung aller Amerikaner die Rede.

 

Außerdem hat er große staatliche Investitionen in den Energie Markt angekündigt. 15 Mrd. Dollar sollen 10 Jahre lang pro Jahr dafür ausgeben werden. Aufgrund dieser beabsichtigten Größenordung vergleichen manche diese Maßnahme mit dem „Mann zum Mond“-Projekt von John F. Kennedy. Dabei setzt er auf Projekt mit „sauberer Kohle“, Windenergie und weitere alternative Energieprojekte. Obama ist der Meinung, dass der gegenwärtige Energiepfad in die Irre führt und eine Veränderung ansteht.

 

Obgleich ich ziemlich sicher bin, dass Barack Obama der neue Präsident der Vereinigten Staaten werden wird, so ist mir aufgrund des Interviews noch nicht ganz klar, wohin Obama am Ende wirtschaftlich wirklich steuert. Wobei ich nicht verhehlen möchte, dass mir einige Aussagen im Interview sehr gut gefallen haben. So sagt er z.B. an einer Stelle: „ Ich will keine größere Regierung, aber eine Regierung, die stärkere und intelligentere Prioritäten setzt und Steuergelder vernünftiger verwendet“ und „man darf Größe einer Regierung nicht mit Effektivität verwechseln“. Außerdem sieht er die Notwendigkeit gerade junge, kapitalknappe Unternehmen unbürokratisch zu unterstützen. Auch will er das Defizit zurückführen. Wobei er Andeutungen machte, die durchaus als Rückführung der amerikanischen Streitkräfte aus dem Irak gedeutet werden könnten.

 

Was bedeutet das aber nun für uns Anleger? So wie ich Obama einschätze, wird er ein starker Präsident sein, der dem Land über deutliche, staatlich-finanzierte Impulse seien Stempel aufdrücken will. Das betrifft die insbesondere die Branchen Energie und Gesundheit. Hier wird er, wenn er die notwendigen Mehrheiten in beiden Häusern haben sollte, einschneidende Maßnahmen durchsetzen. Was die Rüstungsbranche betrifft, so gehe ich davon aus, dass es die unter Obama schwerer haben wird. Seine Außenpolitik zielt wieder stärker auf Diplomatie. Ich gehe davon aus, dass er eher früher als später die Truppen aus dem Irak zurückziehen und somit das Defizit verringern wird. Dies sollte auch mittelfristig dem Dollar wieder ordentlich Auftrieb geben.

 

Als Fazit kann man festhalten, dass dieser Mann die zentralen Fragen unserer Zeit erkannt hat und bereit ist klare Antworten darauf zu geben. Die sicherlich nicht jedem gefallen werden. Auch wird Obama stärker als andere Präsidenten eine staatliche Industriepolitik betreiben und versuchen die Schere zwischen Arm und Reich etwas zu verkleinern. Wofür er viel Geld benötigen wird. Da liegt auch das Problem. Er wird an Steuererhöhungen nicht vorbeikommen. Fraglich ist nur, wo er ansetzen wird.

 

Was er da genau vorhat, lässt er bewusst im Unklaren. Vermutlich um Mc Cain, der weitere Steuersenkungen verspricht, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wobei ich glaube, dass das amerikanische Volk erkennt, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann und diesbezüglich eine andere Vorgehensweise akzeptieren wird.

Man kann nur hoffen, dass ihm – so er denn gewählt wird – die Bewältigung des Big Shift gelingt. Davon würden nicht nur die USA, sondern wir alle profitieren.

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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