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Autor | Norbert Lohrke | Bewertung (0): | |
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| Erstellt am: | 16.05.08 08:57 | Antworten: | 0 | ||
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Wer kennt und erinnert sich nicht an den künstlich hoch gespielten Gegensatz zwischen New and Old Economy. Wobei viele Old Economy mit guter Economy und New Economy mit schlechter Economy gleichsetzten. Auf der einen Seite also die soliden und verantwortungsbewussten Nadelstreifen-Anzugträger und auf der anderen Seite die leichtfüßigen und turnschuhbekleideten Möchtegerns. Kurz gesagt: Solide Stahlpressen gegen seichten HTML-Code.
Nicht zuletzt die Verwerfungen im Bankensektor haben gezeigt, dass diese von Vorurteilen genährte recht einseitige Sichtweise so nicht zutrifft. Ja noch nie zugetroffen hat. Verantwortung, Leistungswille und unternehmerisches Können machen sich nicht an Äußerlichkeiten fest. Auch, wenn uns das tausende von Hochglanzprospekten und scheinbar seriös daherkommende Werbung so suggerieren möchte. Schon gar nicht, wenn man sich auf die Suche nach neuen und innovativen Produkten und Verfahren begibt.
Dennoch wird die Kundenentscheidung für ein Produkt im Zweifel und aus Gewohnheit oder auch aus purer Trägheit letztlich in Richtung Bekanntes und Vertrautes tendieren. Deswegen haben es Neuerungen grundsätzlich schwer. Die Macht der Gewohnheit ist stärker als man denkt. Aber nicht nur bei den Kunden ist das der Fall. Auch in den Köpfen von Richtern scheint sich dieser Unterschied nachhaltig festgesetzt zu haben.
Jetzt können sich die Gegner der New Economy wieder einmal bestätigt fühlen. Denn vor kurzem wurde einer ihrer Repräsentanten vor dem Landgericht Hamburg zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Rede ist von dem einstigen Verlagserben und Internetunternehmer Alexander Falk. Mit Scheingeschäften soll er den Wert der Ision AG als Wachstumsunternehmen künstlich nach oben getrieben haben, um es dann zu einem Kaufpreis von 762 Mio. Euro und damit einem sattem Gewinn an die Energis zu verkaufen.
Die Anklage lautete auf gemeinschaftlichen Betrug in Tateinheit mit einem Verstoß gegen das Aktiengesetz und Beihilfe zur Bilanzfälschung. Nach Überzeugung der Kammer wurde bei der Ision AG eine Manipulation der Umsatzzahlen durch Luft-Buchungen von rund 6,3 Millionen Euro zum dritten Quartal 2000 vorgenommen. Auch sei entgegen der Ad hoc Meldungen, die ein Umsatzwachstum und steigende Gewinne sahen, genau das Gegenteil eingetreten. Rückläufige Umsatzerlöse (11,3 statt 18,4 Mio. Euro) und ein negatives Ergebnis von 77 Mio. Euro waren es dann am Ende.
Den Mindestschaden beziffert das Gericht auf 37 Mio. Euro. Falk, der bereits zwei Jahre in Untersuchungshaft verbrachte, hat inzwischen Revision eingelegt.
Obwohl das damals sicherlich nicht ganz mit rechten Dingen ablief und ich weit davon entfernt bin, Herrn Falk zu verteidigen, so bin ich schon verwundert, wie unterschiedlich Wirtschaftsvergehen in Deutschland behandelt werden. Ich erinnere nur an die Deutsche Babcock – bekanntlich ein Old Economy Unternehmen -, das in den Ruin getrieben wurde. Herr Dr. Frenzel musste dafür nicht 2 Jahre ins Gefängnis, sondern kam mit einer Geldbusse davon. Oder der Bruch des Bankgeheimnisses durch den Ex-Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Bank AG Breuer, der seinerzeit Leo Kirch in den Ruin trieb. Breuer war nicht einen Tag seiner Freiheit beraubt. Und auch die Vergehen bei Banken und Landesbanken und deren Millliarden-Verluste, sind bis heute ungesühnt.
Es ist meines Wissens noch nicht mal eine Untersuchung auf den Weg gebracht oder eine Anklage erfolgt. Wobei man sachlich feststellen muss, dass der Schaden im Fall Falk Fall in Relation zu den gerade angeführten Vergehen - rein finanziell gesehen - eine Lächerlichkeit darstellt. Auch, wenn man mal die Telekom und deren Prozess dagegen hält.
Da drängt sich mir der Verdacht auf, dass in diesem Land mit zweierlei Maß gemessen und Recht gesprochen wird. Hier die in Politik und Wirtschaft vernetzten und etablierten Anzugträger und dort die lobbylosen Jungunternehmer. Wobei man nicht genug darauf hinweisen kann, dass zu New Economy Zeiten, die Old Economisten genug Fehler gemacht haben. Zur Rechenschaft wurde von denen allerdings bisher kaum einer gezogen.
Auch habe ich das Gefühl, dass hier ein Exempel statuiert werden soll. Als wolle man im Nachhinein doch noch einen Schuldigen für die Verwerfungen von damals präsentieren.
Nicht, dass ich falsch verstanden werde. Wirtschaftsverbrechen sind Wirtschaftsverbrechen und müssen hart und konsequent geahndet werden. Aber wenn schon, dann sollen alle gleich behandelt werden.
Justitia sind ja nicht umsonst die Augen verbunden. Man hat ihr aber leider keine Handschuhe angezogen. So kann sie offensichtlich am Tuch fühlen, wenn sie vor sich hat und ihr Urteil danach ausrichten.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke
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