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Kolumne: Monster Business

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 15.05.08 09:21 Antworten: 0  
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Kolumne: Monster Business

Jetzt ist also die amerikanische Hypothekenkrise und deren Auswirkungen auch im Berliner Schloss Bellevue angekommen. Kein geringerer als unser Bundespräsident Horst Köhler hat sich in einem Stern Interview zu der Hypothekenkrise und den Verwerfungen an den Finanzmärkten geäußert.

 

Warum diese Äußerungen einen besonders hohen Stellenwert haben, kommt nicht nur deshalb, weil sie von einem deutschen Bundespräsidenten stammen. Und zwar in einer Deutlichkeit, die ungewohnt und erfrischend zugleich ist und keinen diplomatischen Spielraum offen lässt. Nein, hier spricht ein Sachverständiger, der als ehemaliger geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds und Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes das Finanzbusiness besser kennt, als manch in der angesprochenen Branche tätiger.

 

Und was er zu der Finanzkrise sagt, ist für einen Bundespräsidenten, dessen Amt hierzulande eher zurückhaltend interpretiert wird, schon starker Tobak. Er verglich die internationalen Finanzmärkte, die sich „mächtig blamiert“ hätten, mit einem „Monster“ und hat ein „klar vernehmbaren Schuldbekenntnis der Banker“ gefordert. Seiner Meinung nach, habe die Branche „kaum noch Bezug zur Realwirtschaft“. Ferner ist dem Interview von „strengerer und effizienterer Regulierung der Finanzmärkte“ die Rede. Auch davon, dass „die meisten Landesbanken offensichtlich kein tragfähiges Geschäftsmodell“ hätten.

 

Ich kann unserem Bundespräsidenten nur beipflichten und ihm zu seinem Mut und seinen klaren Worten gratulieren. Es ist gut zu wissen, dass es in dem verlotterten Polit-Berlin, wenigstens einen gibt, der bereit ist, die Dinge schonungslos beim Namen zu nennen. Und sich dabei gegen die Mächtigen der Republik stellt und damit ein wirklicher Bundespräsident der Bürger dieses Landes ist.

 

Und, dass endlich jemand wie er die Funktion der Landesbanken - diese Lotterbuden zur Durchsetzung fragwürdiger politischer Interessen - in Frage stellt, finde ich äußerst bemerkenswert. Denn die haben nach der jüngsten Krise und Milliardenverlusten, denen Steuergelder zugrunde liegen, allesamt ihre Existenzberechtigung verloren. Wie auch die IKB. Dass diese Kritik im Grunde und indirekt auch an alle Ministerpräsidenten unseres Landes und zahlreiche sonstige Minister, die in den Verwaltungs- bzw. Aufsichtsräten just dieser Landesbanken gerichtet ist, zeigt erst, wie scharf dieser Angriff unseres Präsidenten wirklich ist.

 

Im Bankenwesen ist ein radikales Umdenken gefordert. Da hat der Präsident recht. Aber die Unterlegung mit Eigenkapital allein wird es nicht richten. Das weiß Köhler auch. Wir brauchen dazu tiefere und strukturelle Veränderungen. Und zwar im gesamten Finanzsektor, insbesondere auch in der Vermögensverwaltung. Und auch in der Finanzmarktaufsicht. Jeder kleine Berater wird von der Bafin derzeit strenger überwacht, als die großen Banken. Wie die Krise gezeigt hat. Die Structured Investment Vehicles (SIV) z.B. wurden teilweise gar nicht geprüft. Man stelle sich das einmal vor. Was eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist und Zeugnis für die Überflüssigkeit des zahnlosen Bonner Tigers BaFin (Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen).

 

Und der derzeitige Skandal im Zusammenhang mit den Einlagensicherungsfonds rund um die Phoenix Anlagegesellschaft, bei der zahlreiche zwangsverpflichteten Einlagenfondsmitglieder unschuldig vor dem Aus stehen, weil wegen der Schadensersatzforderungen der Phoenix Gläubiger unglaublich hohe Nachzahlungen auf sie zukommen, zeigt, welch großer Handlungsbedarf im Finanzsektor herrscht.

 

Vor dem sich diese große Koalition, unsere Bundeskanzlerin, unser Finanzminister und unsere Justizministerin konsequent drücken. Und Frau Merkel wie viele Bundeskanzler zuvor, lieber in der Ferne weilt und von dort werbewirksame Bilder nach Deutschland sendet, als in unserem Land nach dem Rechten zu sehen und endlich das Notwendige pflichtbewusst anzugehen. Und sich nicht wegzuducken bzw. es bei Ankündigungen zu belassen.

 

Monster, vom lateinischen monstrum abgeleitet, steht für „mahnen bzw. warnen“ und ist ein Ausdruck für Dinge, die sich durch Größe, Stärke oder Hässlichkeit hervorheben. Es ist vor allem im Umkreis theologischen Denkens der Kirchenväter ein Mahnzeichen dafür, dass die Gläubigen auf die Gefahren und Folgen eines Abweichens vom rechten Glauben hinweisen soll.

 

Insofern ist es an der Zeit für Innehalten und Umkehr. Nicht nur in den Bankenvierteln von Frankfurt, London und New York, sondern auch in den Regierungszentralen. Und Berlin hat da einen immensen Nachholbedarf.

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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