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Kolumne: Mindestverstand statt Mindestlohn

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 19.02.08 09:25 Antworten: 1  
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Kolumne: Mindestverstand statt Mindestlohn

Soeben hat der niederländische und zweitgrößte europäische Postanbieter TNT NV mitgeteilt, dass er über einen Rückzug aus dem deutschen Briefgeschäft nachdenkt. Der Vorstandsvorsitzende Peter Bakker macht das davon abhängig, ob er vor Gericht in der Mindestlohnfrage gewinnt oder verliert und der ungerechtfertigte Vorteil der Mehrwertsteuerbefreiung der Deutschen Post AG bleibt.

 

Die Niederländer sind nach eigenen Angaben bereit für ihre 4.000 Mitarbeiter einen Mindestlohn von 7,50 Euro zu bezahlen und wehren sich vehement gegen den gesetzlich vorgegebenen Mindestlohn von 9,80 Euro je Stunde.

 

TNT hat ihre Dienste - wie die PIN, die mittlerweile für 40 Gesellschaften Insolvenz anmelden musste – bundesweit und insbesondere in den Ballungszentren ein flächendeckendes Netz für die Beförderung von Briefen aufgebaut. Nach dem kompletten Fall des Briefmonopols rechnet TNT mit einem Marktanteil von 15 %.

 

Auch, wenn die Bundesregierung moralinsauer versucht, den Spieß umzudrehen. Was sie in der Mindestlohnfrage derzeit für einen wirtschaftlichen Flurschaden anrichtet, ist an Ignoranz und Dummheit nicht mehr zu überbieten. Und unser Wirtschaftsminister Glos steht untätig daneben und tut so, als ob ihn das alles nichts angehe. Sieht er denn nicht wie offensichtlich falsch und blamabel das Verhalten der großen Koalition in dieser Frage ist? Wie wettbewerbsverzerrend und einseitig? Und eine Deutsche Post AG, die eine so starke Subventionierung nötig hat, sollte der Anleger nicht mit der Pinzette anfassen. Das Schicksal und der Aktienkurs der Deutschen Telekom AG sollten als Abschreckung genügen.

 

Da wird in Talkrunden landauf und landab von Gutmenschen wiederholt das Argument gebracht, dass man von einem Lohn doch auch Leben können muss. Was ja richtig ist. Aber offensichtlich gibt es Gruppen, die mit geringen Löhnen leben können, auch müssen, und froh sind, dass es solche Jobs für sie gibt. Nicht jeder hat in seiner Kindheit und Jugend in Bildung investiert und kann jetzt die Früchte in Form höherer Gehälter ernten.

 

Zudem ist die Frage, inwieweit das staatliche Bildungswesen – insbesondere wenn ich mir die Hauptschulen ansehe, und nicht nur diese - die Mindeststandards für erfolgreiches Lernen wirklich gewährleistet sind. Wie gedenken unsere Parlamentarier diesem Missstand abzuhelfen? Ich selbst habe in einem Landesarbeitskreis für berufliche Bildung in Schleswig-Holstein mit ein zwei Verbündeten vergeblich versucht, dass Thema bei der Wurzel zu packen. Wissen Sie was? Die reden nur, haben aber gar keinen Bock das Thema anzufassen. Das ist die traurige Realität in unserem Lande.

 

Außerdem ist die Alternative - wie man anhand PIN und TNT sieht – nicht besser bezahlte Jobs, sondern keine Jobs. Und wer da wie der SPD-Schreiber sagt, dann lieber keine Jobs, dem sollte man unsere höheren Abgaben für die Versorgung von Hartz IV Empfängern von seinem Parlamentariergehalt direkt abziehen.

 

Mich wundert nicht, dass deutsche Parlamentarier, die ihr Gehalt aus unseren Steuergeldern automatisch jeden Monat auf ihr Konto überwiesen bekommen und sich über ihre mit jedem Tag zunehmenden Pensionsansprüche freuen, nicht mehr nachvollziehen können, wie es breiten Schichten in unserer Bevölkerung ergeht.

 

Wissen die denn überhaupt, wie gerade auch kleinen Firmen bzw. Existenzgründungen darauf angewiesen sind, dass es ein Potential von günstigen Kräften gibt? Wobei diese Jungunternehmer auch bereits sind, höhere Löhne zu bezahlen, sobald es ihnen möglich ist. Wissen die eigentlich, wie viele Selbständige unter dem Mindestlohn arbeiten, wenn man einmal die Anzahl der Stunden durch das rechnet, was dann übrig bleibt und entnommen werden kann?

 

Nein, dass wissen sie nicht. Weil sie nicht nur keine Ahnung haben, sondern sich um Wirtschaft und Wirtschaftspolitik einen Dreck scheren. Das ist die traurige Wahrheit. Weil es sich natürlich gut macht, wenn man sich vor die Kameras stellt und „Freibier für alle“ grölt. Nur einer muss hinterher die Rechnung auch bezahlen. Da ist aber dann meistens keiner mehr zu sehen.

Die Alternative: Eine schöne neue Welt und Planwirtschaft pur. D.h.:

 

Mindestlöhne werden zukünftig vom Arbeitsminister Scholz für alle Branchen festgelegt. Er holt sich dabei Expertise von Herrn Lafontaine und Gysi. Für Maximalgewinne der Unternehmen ist unser Finanzminister Steinbrück zuständig. Damit hat er auch gleich die Steuern und deren Hinterziehung unter Kontrolle. Direktinvestitionen begrenzt unser Wirtschaftsminister Glos. Von Herrn Putin holt er sich über Ex-Bundeskanzler Schröder Rat wie man Unternehmen, die bereits kräftig investiert haben, nachträglich abzockt. Dann hat er endlich auch was Vernünftiges zu tun.

 

Managementgehälter sind natürlich Chefsache. Darum kümmert sich unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel höchstpersönlich. Denn mit Appellen an den Neid ist in diesem Land politisch immer noch am Meisten zu erreichen. Fehlt noch etwas? Ach ja Bildung. Die wird ebenfalls staatlich reglementiert. Nur noch das darf gelernt werden, was nach Ansicht eines Kontrollgremiums nicht in verschwendeter Zeit mündet und einen Mindestnutzwert hat. Und angesichts der Probleme bei der Deutschen Telekom und der Post reaktivieren wir wieder das Amt des Postministers. Analog zu Northern Rock enteignen wir die Telekom und Post Aktionäre und holen beide Unternehmen wieder heim ins Reich.

 

Ok. Ich habe das Ganze etwas überzeichnet und ins Lächerliche gezogen. Aber im Ernst: sind wir davon wirklich so weit entfernt? Da alle Mindeststandards fordern, habe ich mir gedacht, dass sicherlich auch ich das Recht habe, einen Mindeststandard zu fordern. Meine Botschaft und Forderung:

 

Mindestverstand für Alle. Ich bin mir nur noch nicht sicher, wie ich den im Berliner Parlament durchsetze.

 

In diesem nicht ganz ernstgemeinten Sinne! Oder doch?!

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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Kommentare

Antwort von: Bauer alert('HUHU');
Geantwortet am: 25.02.08 13:02

finde ich gut!