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Kolumne: Millionen für's Wegschauen!

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 02.10.07 09:18 Antworten: 1  
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Kolumne: Millionen für's Wegschauen!

Für meine Kritik an manchen Vorständen bin ich bekannt. Ob das Otto Christian Lindemann von Beate Uhse ist, Spoerr von der Freenet oder Frenzel von der TUI. Sie alle und viele andere mehr, haben es verdient an den Pranger gestellt zu werden. Was aber meistens vergessen wird ist, dass diese Personen im Hintergrund zahlreiche Helfer und Helfershelfer haben und von Leuten gedeckt werden, die eigentlich diesen Personen qua Gesetz auf die Finger schauen sollten. Die Rede ist von den Aufsichtsräten in unserem Lande.

Bei Beate Uhse ist das Ulrich Rothermund, bei Freenet Prof. Dr. Helmut Thoma und bei Frenzel Ex-Deutsche Bank Vorstand Dr. Jürgen Krumnow. Hinter diesen tummeln sich zahlreiche mehr oder weniger verdiente Personen und zahlreiche Gewerkschafter, die dem Mitbestimmungsgesetz geschuldet sind.

Diese Aufsichtsräte verdienen nun abermals deutlich mehr. Die Gesamtvergütung der Unternehmenskontrolleure wächst um 8 Prozent. Ein guter Anlass um mal nachzuschauen, ob die Herren diese Gehaltserhöhung, die jeden normalen deutschen Arbeitnehmer vor Freude durch die Decke gehen ließe, auch verdient haben. Sonderbehandlungen wie Sie z.B. Volkswagen seinen Aufsichtsräten in Form von Damen aus dem horizontalen Gewerbe zukommen ließ, sollen hier nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Dass da beim genaueren Hinschauen noch das ein oder andere ans Tageslicht kommen würde, ist jedem von uns eh klar.

Nehmen wir z.B. mal Gerhard Cromme. Es sitzt in fünf Aufsichtsräten. U.a. ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG und der Siemens AG. Herr Cromme bekommt dafür 1,1 Mio. Euro. Auch ist er der Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Gegen den er selbst wiederholt verstoßen hat. Dennoch soll er bei Siemens für das Ende der Korruption sorgen.

Oder Prof Dr. Helmut Thoma, der dem Vorstand der Freenet ein Aktienoptionspaket von gerade mal 50 Mio. Euro durchgewunken hat. Da wäscht eine Hand die andere. Wenn man den Ausführungen des ehemaligen und geschassten Rechnungswesenleiters der Freenet Glauben schenken darf, war die Geschäftsbeziehung des Sohns von Herrn Thoma mit der Freenet, trotz geschäftlichen Misserfolgs nicht zu seinem persönlichen finanziellen Nachteil.

Die mangelnde Aufsicht des gesamten Volkswagenaufsichtsrats in der Rotlichtaffäre brauche ich glaube ich nicht weiter ausführen. Und bei Siemens kam in der Vergangenheit der ein oder andere nur zum Kaffeetrinken und des leckeren Essens wegen. Vielleicht auch weil er mit seiner Frau in München mal shoppen gehen wollte. Anders sind die Korruptionsfälle dort nicht zu erklären.

Dass der Ex-Siemens-Vorstand Heinrich von Pierer, der von den Korruptionsfällen in seinem eigenen Laden aber auch gar nichts gewusst haben will - nicht einmal etwas geahnt hat - jetzt in 5 Aufsichtsräten sitzt und 469.409 Euro dafür kassiert, ist wohl eher auch dem Wunsch nach Verwertung der guten Beziehungen geschuldet, als der Fähigkeit für ein intaktes Aufsichts- und Kontrollsystem in den betroffenen Unternehmen zu sorgen. Vielleicht sollte man ihm besser einen Beratervertrag geben.

Was Dr. Krumnow bei der TUI bekommt, weis ich nicht. Wenn man sich den Aktienkurs anschaut (nicht jetzt wo Wyser-Pratte für etwas frischen Wind sorgt) kann von „verdient“ auch keine Rede sein. Im Gegenteil: Wenn man da liest, was der ehemalige Vorstand Prof. Dr. Selenz, der sich einmal weigerte eine seiner Meinung nach „gefälschte Bilanz“ zu unterschreiben und deshalb vom Aufsichtsrat seiner Pflichten entbunden wurde, so schreibt, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass hier weniger Aufsicht am Werk war und ist, als Verdeckung krummer Geschäfte.

Die Unsitte, dass abgehalfterte Vorstandsvorsitzende im eigenen Unternehmen Aufsichtsrat werden, sollte meines Erachtens gesetzlich verboten werden. An den Kodex, der dies vorsieht, hält sich doch sowieso keiner. Unser Regierungs-Ober-Corporate Governance-Aufseher am Allerwenigsten.

Was tun, wenn man „Böcke“ zu Gärtnern macht bzw. gemacht hat? Da ist guter Rat teuer. Ich plädiere für eine Erweiterung der persönlichen Haftung. Jeder Aufsichtsrat soll das Gesetz im Nacken spüren. Nur dann ist eine unabhängige Kontrolle gewährleistet. Und die ihren Job korrekt machen – und das ist wohl die Mehrheit – hat von solchen Gesetzen, nichts zu befürchten.

Aufsicht in Deutschland funktioniert nur auf der unteren Ebene. Wenn Sie ihren Wagen falsch parken, können sie sicher sein, dass Sie ein Knöllchen bekommen. Wenn unsere Herren Aufseher gemeinsame Sache mit dem Vorstand machen und ganze Unternehmen gegen die Wand fahren, bekommen die noch Beraterverträge und Aktienoptionen. Und die Gewerkschafter im selben Rat nicken eifrig dazu.

Deutschland im Jahre 2007; kein Wintermärchen!

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

Ihr Norbert Lohrke

 

 

 

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Kommentare

Antwort von: LONGshort
Geantwortet am: 03.10.07 20:03

Aufsicht in Deutschland funktioniert nur auf der unteren Ebene. Wenn Sie ihren Wagen falsch parken, können sie sicher sein, dass Sie ein Knöllchen bekommen. Wenn unsere Herren Aufseher gemeinsame Sache mit dem Vorstand machen und ganze Unternehmen gegen die Wand fahren, bekommen die noch Beraterverträge und Aktienoptionen. Und die Gewerkschafter im selben Rat nicken eifrig dazu. besser kann man es nicht ausdrücken