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Kolumne: Investorenparadies mit Beigeschmack!

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 01.10.07 09:27 Antworten: 0  
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Kolumne: Investorenparadies mit Beigeschmack!

Wieder einmal ist der berühmt-berüchtigte amerikanische Finanzinvestor Wyser-Pratte mit „lautem Getöse“ und ohne vorher zu Klopfen, in die Konzernzentrale der TUI in der Karl-Wiechert-Alle 4, in 30625 Hannover, hineingerumpelt. Und wieder einmal ist seine Strategie bzw. sein Programm in wenige Worte zu fassen. Michael Frenzel, Vorstandsvorsitzender der TUI AG, muss weg!

 

Wie schon bei der IWKA, die jetzt KUKA heißt und der Cewe Color, wo Hollander ihm allerdings die kalte Schulter zeigte, versucht er auch bei der TUI die Festung einzureißen. Dabei hofft er auf unzufriedene Investoren, die mit ihm eine Koalition schmieden wollen, um den seiner Meinung nach unfähigen Konzernlenker hinwegzufegen, das Unternehmen neu auszurichten und dann mit einem dicken Sack Bares über den Atlantik nach Hause fliegen zu können.

Deutschland sieht er als Investorenparadies. Weil, wie er feststellt, eben das möglich ist, womit er sein Geld verdient. Und das nicht zu knapp. Sympathien gewinnt der ehemalige Marine damit weniger, was ihn aber offensichtlich auch nicht zu stören scheint. Kein Wunder, angesichts seiner Renditen!

Was auf den ersten Blick wie ein Kompliment daherkommt, ist in Wahrheit ein äußerst schlechtes Zeugnis, das Herr Wyser-Pratte uns und dem Aktienstandort Deutschland ausstellt. Hier dürfen, wie bei der TUI geschehen offensichtlich Milliarden von Kapital ineffizient eingesetzt und verschwendet werden, ohne dass es irgendeinen zu kümmern scheint. Man muss sich nur mal den Aktienchart der TUI betrachten. Der Chart eines gut geführte Unternehmens sieht etwas anders aus. Was Frenzel an Kapital vernichten durfte, ohne dass ihn da einer zur Verantwortung zog, nimmt einem die Luft.

Schauen wir doch einfach mal, wer in diesem Ramschladen der Aufsichtsratsvorsitzende ist. Dr Jürgen Krumnow, ehemaliges Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank AG und der Stellvertreter ist Jan Kahmann, Mitglied des Bundesvorstands der vereinigten Diensleistungsgewerkschaft ver.di.

Ein Klasse-Gespann! Vor allem eines, das seine Interessen für die jeweiligen Interessensgruppen auf Kosten der Gesellschafter und Aktionäre offensichtlich und recht deutlich wahrzunehmen weiß. Wer wohl die 1. Mrd. Euro Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten finanziert? Oder warum der Personalaufwand mit fast 6 % steigt, wo doch der Jahresüberschuss weggebrochen ist „Honi soit qui mal y pense!“, was soviel heißt wie „Ein Schuft wer Böses dabei denkt“.

Den Fondsmanagern ist das egal. Die kaufen die TUI - schön brav und blöd - allein deshalb, weil der Wert ein Mitglied des Dax ist. Die würden auch Pappschachteln kaufen, wenn man sie in den Dax stellen würde. Und die anderen Aktionäre in Deutschland haben offensichtlich nicht die Kraft oder den Mut dazu, sich mit Versagern im Vorstand anzulegen.

Weil wir wieder einmal nicht die Drecksarbeit selber machen wollen, holen wir uns Gastarbeiter, diesmal aus den USA. Und wie das dann bei uns so üblich ist, lassen wir sie erst die Arbeit machen und schimpfen hinterher über die Art und Weise wie sie von statten ging. Sie erinnern sich doch noch an die Heuschrecken Debatte? Letztlich sind wir aber doch alle froh, Münte eingeschlossen, dass es sie gibt. Nur laut sagen will das keiner. Political Correctness, you understand?

Lassen Sie mich folgende Fragen mit Nachdruck stellen. Wieso schaffen wir es nicht selbst, die wegen der Unfähigkeit ihrer Vorstände dahindümpelnden, börsennotierten Konzerne unter Druck zu setzen und wieder auf Vordermann zu bringen? Wieso ist es uns offensichtlich egal, dass Milliardenwerte verschwinden, ohne dass wir mal nachfragen, wie das denn eigentlich sein kann? Wieso müssen sich dazu die Amis auf den Weg machen und das Geld mit über den Teich nehmen, dass wir doch selbst gut hier benötigen könnten? Haben wir denn zuviel davon?

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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