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Kolumne: Ich klage an!

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Autor Norbert Lohrke Bewertung:
Erstellt am: 21.04.08 08:11 Antworten: 0  
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Kolumne: Ich klage an!

„Jeder Staat hat zuerst die Pflicht, die eigene Bevölkerung vor schweren und dauernden Verletzungen der Menschenrechte zu schützen, wie auch vor den Folgen humanitärer Krisen, mögen Sie von der Natur oder vom Menschen hervorgerufen worden sein. Wenn jedoch die Staaten nicht imstande sind, diesen Schutz zu garantieren, muss die internationale Gemeinschaft mit den rechtlichen Mitteln eingreifen, die in der UN-Charta und anderen internationalen Dokumenten niedergelegt sind“ und „Dies stellt keine Verletzung der Souveränität dar. Vielmehr ist die derzeit herrschende Gleichgültigkeit schädlich. Drum „Tue nichts anderen, was Du nicht willst, dass es Dir getan wird.“

 

Das sind die weisen Worte, die unser deutscher Papst Benedikt XVI vor der UN-Vollversammlung in New York ausgesprochen hat. Worte, die in ihrer Bedeutung. Klarheit und Wahrheit und damit ihrer revolutionären Kraft aus dem Wust der Medienwelt einsam und weit herausragen.

 

Nun werden Sie sich fragen, was das den das nur ansatzweise mit der Börse bzw. der Aktienanlage zu tun hat. Mehr als es auf den ersten Blick erscheint und Sie vielleicht denken, will ich Ihnen darauf antworten.

 

Denn zeitgleich lese ich die besorgniserregende Nachricht, dass der Chef des Internationalen Währungsfonds Dominique Strausss-Kahn vor den dramatischen Folgen der Ernährungskrise warnt. „Es besteht vielleicht die Gefahr von Kriegen“ und „das Schlimmste liegt vielleicht noch vor uns“. Dabei warnt er ausdrücklich vor der Reaktion mit Protektionismus. Als Ausweg sieht er im Gegenteil, die Ausweitung des internationalen Handels. „Es ist unsere Aufgabe, den Staaten zu einem ausgeglichenen Außenhandel zu helfen“.

 

Das ist leider sehr berechtigt, da die steigenden Nahrungsmittelpreise bereits in Haiti, Bangladesch, Ägypten, Kamerun und der Elfenbeinküste zu gewalttätigen Protesten geführt haben. Die ich nachvollziehen kann. Denn, dass die Menschen angesichts des Hungertods sich gegen die Herrschenden wenden, ist nur allzu verständlich.

 

Obwohl viele Ursachen der Probleme in den Ländern selbst vorherrschen, so ist die Sache mit den steigenden Lebensmittelpreisen eine, die wir in den Industriestaaten zu verantworten haben. Auch, wenn Frau Merkel das anders sieht. D.h., um es deutlich auszusprechen, dass unsere deutsche und europäische Wirtschaftspolitik diesbezüglich eine schwere Schuld auf sich geladen hat. Wir haben nämlich die Anreize gesetzt, die zu dieser schweren weltweiten humanitären Katastrophe führten, die schlimmer ist, als die amerikanische Hypothekenkrise – über die wir alle jammern - es je sein wird.

 

Ich spreche neben der total verfehlten europäischen Agrarpolitik von der unseligen alternativ-ökologischen Gutmenschpolitik, mit der sich breite Bevölkerungsteile hierzulande brüsten. Die das gute Gewissen, wie ein Kampfschwert vor sich hertragen und alles besserwisserisch an die Wand drücken, was sich dieser zweifelhaften Ideologie nicht unterordnet. Politisch stehen dafür vor allem die alternativen Grünen, aber auch die Neue alte Linke. Aber bis weit in die großen Parteien der CDU/CSU und SPD hinein, ist der Wunsch nach Außen, mit gutem Öko-Gewissen dazustehen, zu spüren.

 

Nun bin ich weit davon entfernt, alles was da aus dieser Ecke kommt, in Bausch und Bogen zu verurteilen. Schließlich ist jedem Christen die Schöpfung unmittelbar anvertraut und Auftrag zugleich. Was mir aber schon lange missfällt, ist die Arroganz des guten Gewissens, die mit dem oben beschriebenen Menschentyp einhergeht. Jenen, die immer alles ganz genau wissen. Für die Krieg immer schlecht ist. Für die Solarenergie die gute Energie ist und Atomstrom vom Teufel. Für die, die glauben, dass Biosprit die Rettung ist und allen hilft. Die unsere deutschen Soldaten zu Entwicklungshelfer degradieren und für die die Schuldigen der Klimaveränderung schon lange eindeutig feststehen.

 

Da höre ich wieder den schon einmal Unheil bringenden Unterton „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ heraus.  Und es erschaudert mich.

 

Mir ist das, was ich von diesen Menschen höre, zu holzschnittartig. Zu einfach. So leicht und zum Sonderpreis ist gutes Gewissen in dieser vielschichtigen Welt nicht zu haben. Das wissen alle, die ernsthaft versuchen dabei mitzuwirken, unsere Welt nur ein Jota besser zu machen.

Ich klage deshalb jene an,

 

- die Menschen, die wirtschaftlich vernünftige Maßnahmen vorschlagen als Neoliberale beschimpfen und sich selbst in alternativem Gewand in Energie- und Umweltfragen als Ökofaschisten aufführen

 

- die Atomenergie weltweit verdammen und in ihrem Pseudo-Moralismus auch den für die wirtschaftliche Entwicklung der für Entwicklungs- und Schwellenländern so notwendigen Strombedarf am liebsten in Gestalt von Neokolonialisten verweigern würden

 

- die unsere Umweltstandards in der Dritten Welt implementieren wollen und so deren Entwicklung besserwisserisch und unter Duldung humanitärer Probleme erschweren bzw. hemmen

 

- die den Einsatz und die Subvention von Biosprit vor dem deutschen und europäischen Parlament forciert haben, mit unseren Steuergeldern die Nahrungsmittelpreise künstlich nach oben trieben, den Spekulanten so das Feld für eine weitere Preistreiberei eröffnet haben und damit Millionen von Menschen in den Hunger getrieben haben (+ 1 % Preiserhöhung entzieht 16 Mio. Menschen die Nahrungsgrundlage!)

 

- Staatenlenker wie Frau Merkel, die öffentlichkeitswirksam an den Pol fliegen, um für das Klima gutmenschenartig in die Schlagzeilen einzugehen, und es zulassen, dass klimaschädlich jeden Montag und Freitag die Flugzeuge zwischen Bonn und Berlin und Straßburg und Brüssel hin- und herfliegen, weil viel zu viele Politiker nicht in der Lage sind wirtschaftlich und ökologisch vernünftige politisch eindeutige Entscheidungen zu treffen und wir uns Ministerien mit zwei Sitzen leisten

 

- diejenigen die im Besitz von Arbeitsplätzen sind und Mindestlöhne fordern und damit jene bitter treffen, die froh sind, dass sie wenigstens diese – wenngleich schlecht bezahlten – Arbeitsplätze haben; das Schwerbehindertengesetz als Einstellungsverhinderungsgesetz sollte Mahnung genug sein

 

- Humankapital als Unwort titulieren und ganz übersehen – übrigens wie damals in der Debatte um Umweltemissionszertifikate - dass wir Volkswirte uns dabei etwas gedacht haben und damit die Wertigkeit über den Preis als Instrument erhöhen und nicht - wie uns vorgeworfen wird - herabwürdigen

 

Kurzum klage ich all jene an, die glauben, dass gut gemeint, auch tatsächlich gut gemacht ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Max Weber und seine Gegenüberstellung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik.

 

Der Kieler Volkswirtschaftsprofessor Gerhard Prosi hat schon vor Jahren in seinen Vorlesungen und Schriften gefordert, dass „die weltweiten Menschenversuche endlich aufhören sollten“. Dabei bezog er sich auf die unseeligen Planwirtschaften in den kommunistischen Staaten, denen viele sog. Alternative hierzulande das Wort redeten.

 

Es ist an der Zeit, dass wir wieder in Problemlösungen denken und dabei Ideologien und Pseudo-Moralismus außen vor lassen. Die weltweiten Probleme sind einfach zu groß.

Wir sollten die Wirkungen unserer Taten zukünftig stärker im Voraus bedenken und die Dinge zu Ende denken. Auch und gerade beim Biosprit oder in Energiefragen. Wir Investoren und Anleger wollen alle gern große Gewinne machen. Was übrigens nicht unmoralisch ist. Weil wir über diese Lenkungswirkung der Gewinne dafür sorgen, dass das Kapital da hinkommt, wo es gebraucht wird und Nutzen stiftet. Zum Wohle aller. Wir wollen das aber nicht auf Kosten der Ärmsten in der Welt.

 

Das haben wir manchen alternativen Gutmenschen voraus. Deshalb fordern wir, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Anreize im Sinne einer vernünftigen Ordnungspolitik zukünftig richtig und verantwortungsbewusst gesetzt werden.

 

Bei Biosprit und der Verstromung von sog. Biomasse ist das gründlich daneben gegangen. Ihr in Brüssel und Berlin. Habt jetzt wenigstens den Mut und die Einsicht, die falschen Entscheidungen zurückzunehmen.

 

Ich jedenfalls will mit meinen Steuergeldern nicht länger Hunger in den Entwicklungs- und Schwellenländern subventionieren!

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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