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Kolumne: Die Luft wird dünner

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 04.04.08 09:02 Antworten: 0  
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Kolumne: Die Luft wird dünner

Soeben hat die Northwest Airlines Corp. angekündigt, dass sie die Flugpreise, die Zuschläge für Flugbenzin und die Gepäckgebühren anheben wird. Außerdem sollen die Inlandsflüge um -5 % reduziert werden. Ferner sollen die ursprünglichen Pläne weiter Piloten und Flugbegleitpersonal einzustellen fallen gelassen werden.

 

Grund sind die steigenden Ölpreise, die für die Fluggesellschaften zunehmend zu einer großen Belastung werden. Denn nicht nur Northwest haben, trotz eines international steigenden Flugaufkommens, zu kämpfen. Auch UAL Corp. mit seiner Fluglinie Delta Air Lines hat Kostensenkungsmaßnahmen angekündigt. Und drei kleinere Airlines haben bekannt gegeben, dass sie den Open Sky schließen werden. Dabei handelt es sich um die relativ unbekannten Fluggesellschaften ATA Airlines Inc., Alohla Airgroup Inc. und Champion Air.

 

Dieses Schicksal könnte in Kürze auch die italienische Fluglinie Alitalia ereilen. Die rast nämlich derzeit im Sturzflug auf den harten Boden der Tatsachen zu. Auch ihr machen die hohen Kerosinkosten zu schaffen. Aber nicht nur das. Auch das verlustreiche Frachtgeschäft zieht das Unternehmen nach unten. So fliegt das Unternehmen mittlerweile in die tiefrote Abenddämmerung. Und da die flüssigen Mittel nur noch bis Juni reichen, ist die vollkommene Umnachtung auch nicht mehr weit.

 

Mit der Air France/KLM hätte die Alitalia noch einmal mit einem geschickten Flugausweichmanöver die Kurve kriegen können. Das ist nun leider nicht mehr möglich. Schuld daran sind die Gewerkschaften, die die Besitzstände der Mitarbeiter gewissenlos mit Klauen und Zähnen verteidigen und den notwendigen, ja überfälligen Sanierungsplan von Air France/KLM nicht mittragen wollen. Die hätten gern das Frachtgeschäft dicht gemacht und die Flotte des Unternehmens deutlich reduziert.

 

Dabei spekuliert die Pilotengewerkschaft darauf, dass der italienische Staat schon einspringen wird. „Wir sind schließlich wichtig für Italien“, heißt es dort. Und weil die italienischen Parlamentswahlen vor der Tür stehen, erhofft man sich von Seiten der Politiker entsprechende Unterstützung. Dass angesichts der weltweiten Herausforderungen im Flugverkehr, allein aufgrund der im Entstehen begriffenen gigantischen arabischen Flotten, die Luft immer dünner für „Staatsgesellschaften“ wird, scheint diese Ewig Gestrigen nicht zu stören.

 

Was tun?

 

Wie ich schon lange für die IKB den Marktaustritt fordere, so muss wohl auch den italienischen Piloten die bittere Konsequenz einer Insolvenz aufgezeigt werden. Denn anders scheinen diese nicht zur Vernunft zu kommen. Wir dürfen es nicht akzeptieren, dass jedes Mal, wenn etwas schief geht, nach dem Staat gerufen wird und der treudoof unter Verschwendung seiner Steuergelder es schon richten wird. Das kann und darf nicht sein.

 

Dass selbst die Deutsche Bank AG schon den Versuch gemacht hat, bei Frau Merkel und Herrn Steinbrück betteln zu gehen, zeigt die Frechheit mit der auf unsere Kosten hierzulande, aber auch in anderen europäischen Staaten, Einzelne sich zu Lasten der Allgemeinheit bedienen wollen. Das dürfen wir nicht zulassen.

 

Wobei hier Ausnahmen die Regel bestätigen. So hat Fed Chef Bernanke bei einem Hearing vor dem amerikanischen Senat die nicht unumstrittene Rettungsaktion von Bear Stearns eindrucksvoll verteidigt. Die Gefahr, dass Bear Stearns weitere Banken in den Abgrund gerissen und eine internationale Bankenkrise ausgelöst hätte, war einfach zu groß. Dieses Risiko konnte und durfte Bernanke nicht eingehen. Wobei man auch hier klar sagen muss, dass es niemals so weit hätte kommen müssen, wenn die Aufsichtsbehörden ihren Job gemacht hätten.

 

Und auch eins hat uns die Krise gezeigt. Dass die Risikosysteme, die Pflicht sind und übrigens auch von Wirtschaftsprüfern geprüft und testiert werden (sollten), allesamt nicht funktioniert haben. Also haben auch die Ernst & Young’s und PricewaterhouseCoopers dieser Welt versagt. Von Bafin und den Notenbanken ganz abgesehen.

 

Für mich zeigen die oben beschriebenen Beispiele eines. Ein großes Manko an Ordnungspolitik. Ein Begriff, den niemand mehr zu kennen scheint, geschweige denn zu verstehen. Nicht einzelne Staatseingriffe sind gefragt. Die Systeme und Weichen müssen richtig (ein-) gestellt werden. Daran hapert es Hinten und Vorne. Ob die Diskussion um die Netze, die Bankenkrise mit dem Versagen jeglicher Aufsicht, die Steinkohleförderung, die Renten oder das Gesundheitssystem.

 

Solange die Verantwortlichen nicht in Ordnungen und Systemen denken und kompetent die richtigen Anreize setzen, solange werden wir diese Katastrophen mit ihrer gigantischen Wertvernichtung haben.

 

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

 

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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