Etliche Gründe werden von den Experten ins Feld geführt, um die jüngsten Verluste an den Börsen zu erklären: Die Kursturbulenzen in Asien mussten ebenso als Ursache herhalten wie die Krise im US-Wohnungsmarkt oder die Sorgen vor einer Eskalation im Nahen Osten. Wahrer Hintergrund dürfte aber die Erkenntnis der Analysten sein, dass die Gewinnaussichten für US-Unternehmen ungünstiger sind als bislang angenommen. Letztlich wird die Unternehmensbewertung maßgeblich von den Ertragsperspektiven bestimmt. Seit Jahresbeginn haben die Experten ihre Ergebnisschätzungen aber erheblich nach unten angepasst. Zu Jahresbeginn wurde für die operativen Gewinne im S&P 500 für 2007 noch ein Zuwachs von knapp zehn Prozent angenommen, aktuell sind es noch sieben Prozent.
Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA deuten darauf hin, dass die BIP-Wachstumsraten abnehmen. Dazu sind die Lohnstückkosten zuletzt kräftig gestiegen. Für die Unternehmen wird es also schwieriger, die Umsätze zu steigern. Gleichzeitig gibt es Druck auf die Margen, die für US-Unternehmen mit etwa 8,5 Prozent weit über ihrem Mittel der letzten 50 Jahre (rund 6,5 Prozent) liegen. Die Messlatte für die Ergebnisschätzungen liegt daher nach unserer Ansicht auch jetzt noch sehr hoch. Durchaus denkbar, dass der Zuwachs am Jahresende unter fünf Prozent liegt. Bis die Anpassungen vorgenommen sind, könnte es an den Börsen noch ruppig zugehen.
Bleibt die Frage, warum die deutschen Aktien noch kräftiger nachgegeben haben, obwohl die Unternehmen hierzulande Rekordzahlen vorlegen und dazu die Konjunkturperspektiven stimmen. Die Frankfurter Börse ist nun mal von der Wall Street abhängig. Wenn in Übersee die Kurse purzeln, bleiben die deutschen Aktien nicht verschont. Aber langfristig setzen sich an den Börsen bekanntlich die fundamentalen Daten durch – und die sehen für die deutschen Unternehmen ordentlich aus.
In diesem Sinne
Wolfgang Braun
Wolfgang Braun ist Chefredakteur des „Global Performance“. Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von mehr als 24 Prozent - obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes fällt. Weitere Informationen unter www.globalperformance.de.