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Kolumne: Der Sonne zu nah?

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Autor Norbert Lohrke Bewertung:
Erstellt am: 29.10.07 09:24 Antworten: 0  
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Kolumne: Der Sonne zu nah?

Conergy hat letzte Woche einen Kurseinbruch von über -30 % hinnehmen müssen. Als Ursache wurden Probleme mit Lieferanten, die Abwertung von Lagerbeständen und Währungsgeschäfte genannt. Es geht ein Gerücht um, dass die chinesische Suntech Power eine Lieferung im Wert von nahezu 200 Mio. Euro zurückgehalten habe, weil man sich über ausstehende Zahlungen streite. Verschlimmert hat das Ganze noch, dass der Vorstand Hans-Martin Rüter bis zuletzt – offensichtlich wider besseres Wissen - an seinen Prognosen gegenüber der Finanz- und Analystenwelt festgehalten hat.

Nun kann man überall lesen, dass nach Ansicht von Finanzmarktexperten die Probleme des Konzerns hausgemacht wären. Da ist mit Sicherheit einiges dran. Dennoch ist es meines Erachtens an der Zeit, einmal inne zu halten und sich zu fragen, ob das, was im Solarmarkt derzeit passiert, alles noch in Ordnung ist.

Fakt ist doch, dass der Markt für Solarmodule leergefegt ist. Das hat damit zu tun, dass der Rohstoff Silizium äußerst knapp und damit teuer ist. Dass dann die Preise steigen, die Abnehmer – weil satt subventioniert – diese auch zahlen und die Gewinn- und Verlustrechnungen der Solarunternehmen zum Teil gar nicht so unordentlich aussehen, ist Realität und bei der derzeitigen politischen und Marktkonstellation kein Wunder, wirtschaftlich gesehen aber dennoch irgendwie beunruhigend.

Auch, weil unbemerkt vom großen Siliziumhype, es bereits Unternehmen gibt, die mit Solarzellen experimentieren, ja bereits in Pilotprojekten Solarzellen und -moduel produzieren, deren Herstellkosten bis zu 50 % unter denen der derzeitigen siliziumbasierten Solarzellen liegen sollen. Was wird wohl passieren, wenn diese Solarzellen, mit annähernd gleichem Wirkungsgrad nächstes Jahr auf den Markt kommen? Und zudem flexibler sind, da sie nicht die Eigenschaften des glasähnlichen und spröden Siliziums besitzen?

Und zum anderen muss man sich als Investor und Gesellschafter von Solarunternehmen doch mal ernsthaft fragen, was passieren wird, wenn die – aufgrund der Klimahysterie - noch reichlich fließenden Subventionen eines Tages wegbrechen? Ist der Proof of Concept ohne Subventionen, also der Nachweis der Wirtschaftlichkeit bereits erbracht? Ich habe da meine Zweifel. Denn nach wie vor ist Energie mit anderen Technologien billiger herzustellen.

Nun werden Sie mir vielleicht die enormen Kursgewinne der Vergangenheit entgegenhalten und mir sagen, dass der Erfolg für sich spricht und so viele Anleger doch nicht Unrecht haben können. Und ich mit meiner Meinung doch relativ vereinzelt dastehe. Das mag wohl sein. Dagegen möchte ich mit David Lynch antworten, das man nicht Recht hat, weil der Markt rauf oder runter geht, sondern weil man die besseren Argumente hat.

Ikarus stürzte einst ins Meer, weil er der Sonne zu nahe kam, das Wachs seiner Flügel schmolz und sich daraufhin die Federn lösten. Daraus bildete sich der Ikarus-Mythos, der so gedeutet wird, dass der Absturz und Tod des Übermütigen die Strafe der Götter für seinen unverschämten Griff nach der Sonne ist.

Wenngleich die Börsensälen der Welt kaum durch das Sonnenlicht erhellt werden, so kann man dennoch feststellen, das ein Teil des Mythos auch dort immer wieder zutrifft.

Die Übermütigen trifft auch dort die Strafe der Götter: in Form von dramatischen Kursverlusten.

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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