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Kolumne: Crash mit Folgen!

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 05.10.07 09:52 Antworten: 0  
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Kolumne: Crash mit Folgen!

Die gestrige außerordentliche Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG hat der Umbenennung des Unternehmens in Daimler AG mit 98,76% zugestimmt. Leitlinie der Umbenennung soll eine klare Unterscheidung zwischen der Unternehmensmarke Daimler sowie den verschiedenen Produktmarken des Konzerns sein. Die Konzernmarke Daimler tritt gegenüber Politik und Gesellschaft, den Finanzmärkten, den Wirtschaftsmedien sowie als Arbeitgeber bei den Mitarbeitern auf und ist das Dach für alle Produktmarken. Die einzelnen Produktmarken sollen das „Aushängeschild zum Kunden“ sein.

Damit wurde zum zweiten Mal in der Geschichte des Konzerns die Idee des ganz großen Wurfs zu Grabe getragen. Als Welt AG ist man seinerzeit abgesprungen. Als Daimler AG ist man - nach zwischenzeitlichem Crash - wieder gelandet. Dazwischen eine Kapitalvernichtung unerhörten Ausmaßes. So kann’s gehen, wenn die Augen größer sind als der Magen. Jeder kennt diesen Spruch, den man als Kind früher am Tisch zu hören bekommen hat, wenn die Teller nicht leer gegessen wurden.

Herr Zetsche versuchte gestern in der Hauptversammlung dennoch das Ganze in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Dass er sich sehr schnell von den Zahlen verabschiedete und hin zu den Produkten wanderte, war mit Sicherheit nicht nur der stärkeren Konzentration auf das, was wirklich zählt, geschuldet. Das Chrysler Engagement ist nämlich noch nicht zu Ende, wie man annehmen könnte. Ein Schlussstrich, wie heute vielfach in der Medienwelt zu lesen ist, war und ist das nämlich nicht.

Dass DaimlerChrysler AG, sorry natürlich die Daimler AG, noch einen Anteil von immerhin 19,9 % an Chrysler hält und, dass sie einen 1,5 Mrd. Dollar Kredit an Cerberus vergeben musste, ist nicht ganz freiwillig geschehen. Ohne diese Auflagen wäre der gesamte Deal doch geplatzt. Und das darin auch Risiken stecken, hat Herr Zetsche schlichtweg übergangen. „Den Cerberus-Kredit könne man ab nächstem Jahr am Markt verkaufen“ sagte er. Das glaube ich ihm wohl, die Frage ist nur zu welchen Abschlägen? Und die Gefahr, dass auf die Daimler Aktionäre noch eine Abwertung auf den Anteil an Chrysler zukommt, sehe ich noch nicht als gebannt. Denn für die Amerikaner läuft es derzeit sehr, sehr schlecht. Schlechter als bei den Wettbewerbern. Auch die 1 Mrd. Dollar Garantie für die Pensionspläne ist noch nicht vom Tisch.


 
Dass das Konzernergebnis der fortgeführten Aktivitäten im 2. Quartal um -20 % zurückging, scheint gar niemand zu interessieren. Auch, dass dort der Umsatz mit -1,6 % rückläufig ist. Ich habe auch gestern nicht gehört, dass wie dem 2. Quartalsabschluss zu entnehmen ist, im dritten Quartal eine Ergebnisbelastung von -3 Mrd. Euro aufgrund der Neubewertung der aktiven latenten Steuern entsteht. Und dass im ersten Halbjahr ein einmaliger Sondereffekt aus einem um+1,3 Mrd. Euro höheren Ergebnis aus at Equity bewerteten Anteilen enthalten ist, nehmen wohl auch die Wenigsten zur Kenntnis.

Der Hochglanzeffekt des ausgestellten S-Klasse-Lacks und der Broschüren scheint über diese Nebensächlichkeiten hinwegzuglänzen. Dabei sollten die Aktionäre, nicht zuletzt wegen der wechselvollen Geschichte, zukünftig doch ein bisschen genauer hinschauen. Auch dem Aufsichtsrat ist das anzuraten. Da sitzen noch einige, die den alten Kurs mitgetragen haben. Ich gehe jede Wette ein, dass die beim nächsten Abenteuer wieder ihre Hand nach oben strecken.

Bitte sehen Sie mir es nach, wenn ich in die allgemeine Daimler-Euphorie etwas Wasser in den Wein schütte. Aber die Zahlen, insbesondere in Q2 sind so prächtig nicht. Und mit keinem Wort wurde erwähnt, welchen Imageschaden der Chrysler Ausflug bei den Kunden weltweit hinterlassen hat! Und was es kostet den wieder zu beseitigen.

Ob die neue Daimler AG die derzeit doch recht hohe Bewertung rechtfertigt? Ich habe da meine Zweifel. Da sind Vorschusslorbeeren mit eingerechnet, die m.E. nach dem gerade beendeten Abenteuer nicht gerechtfertigt sind und sich das Management erst noch verdienen muss. In einem derzeit nicht ganz einfachen Umfeld.

Und, wer weis, wann den Herren aus Stuttgart das nächste Abenteuer einfällt?

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

Ihr Norbert Lohrke

 

 

 

 

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