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Kolumne: Business = Intelligence?

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Autor Norbert Lohrke Bewertung (0):
Erstellt am: 09.10.07 09:13 Antworten: 0  
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Kolumne: Business = Intelligence?

 Henning Kagermann hat zugeschlagen. 4,8 Mrd. Euro bietet der SAP-Chef für Business Objects. Business Objects ist ein Anbieter von Programmen zur Datenalanalyse, sog. Business Intelligence Software. Zu den Geschäftsfeldern von Business Objects gehört der Aufbau unternehmensweiter Informationsinfrastrukturen sowie die Entwicklung von Business Intelligence-Lösungen für Reporting, Abfragen und Analysen, Performance Management, Enterprise Information Management, Finanzplanung und Budgetierung und Visualisierung. Auch branchen- und funktionsspezifische Analyse- und Managementlösungen

Der Markt für diese Art von Software wird derzeit auf 10 Mrd. Dollar geschätzt und soll nach Expertenschätzungen mit 10 % pro Jahr wachsen. Laut Verlautbarung des SAP-Finanzvorstands Werner Brandt soll der Deal zur Hälfte mit eigenen Mitteln und zur Hälfte mit Fremdkapital finanziert werden.

Die Übernahme soll zu „signifikanten und zwingenden Synergien“ auf der Umsatzseite führen. Die Synergien auf der Ergebnisseite sollen laut SAP-Management durch gemeinsame Nutzung von Infrastruktur und Kapazitäten entstehen und gehoben werden. Konkrete Zahlen wollte aber keiner nennen.

Dafür bietet SAP 42 Euro pro Aktie, was einen 20 % Aufschlag auf den bisherigen Wert beinhaltet. Dabei bezahlt SAP deutlich mehr, als der amerikanische Konkurrent Oracle für Hyperion bezahlt hat. Oracle nahm absolut nur 3,3 Mrd. Dollar in die Hand. Und dabei gehe ich davon aus, dass beim Preis noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, er also noch höher ausfallen könnte.

Was Kagermann als “unschlagbare Kombination” bezeichnet, ist für die Börse der Sündenfall. SAP weicht von seiner alten Strategie und Tradition, aus sich selbst heraus zu wachsen, ab.

Dass die Anleger bzw. die Börse diesen Deal nicht mit offenen Armen empfangen ist verständlich. Business Objects machte in 2006 mit 5.200 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. 1,1 Mrd. Dollar, das sind umgerechnet 791 Mio. Euro. Unter Zugrundelegung des Kaufpreises ergibt sich so ein Umsatzmultiple von 6,1. Ein stolzer Preis und weit mehr als das Umsatzmultiple von SAP selbst, dass „nur“ 5,39 beträgt. Dabei ist der Umsatz pro Mitarbeiter mit ca. 152.000 Euro deutlich unter dem Umsatz je Mitarbeiter der SAP mit 247.080 Euro.

Ich will gar nicht lange herumreden. Dieser Kauf ist ein Fehler. Er ist erstens zu teuer, zweitens kommt er zur falschen Zeit und drittens – was am Schlimmsten ist – verabschiedet sich SAP von seiner Erfolgsformel, aus sich heraus zu wachsen.

Zu teuer ist der Kauf, weil ein Multiple von 6 schlichtweg nicht in die Zeit passt und ein Unternehmen in einem Wachstumsmarkt schon gut sein müsste, um diesen Preis wieder hereinzuholen. Zur falschen Zeit kommt der Kauf, weil SAP, wenn ich richtig informiert bin, gerade die Devise herausgegeben hat, den Mittelstand mit seinem neuen Low-Cost Produkt zu beglücken. Was nicht einfach sein wird. Das man aber glaubt, zwei mit unterschiedlichen Kulturen ausgestatte Unternehmen, einfach mal zusammenzupacken, ist m.E. der größte Fehler. Merger wie der von Sprint Nextel oder Alcatel Lucent zeigen, wie schief solche Megahochzeiten gehen können.

Vielleicht noch eine persönliche Anmerkung zum Schluss. Ich habe auf der letzten CEBIT vergeblich versucht am riesigen SAP-Stand jemand zu finden, der über XBRL (extensible Business Reporting Language) – der Finanzsprache der Zukunft - Bescheid wusste oder mir sagen konnte, ob und wie der internationale Standard in der aktuellsten SAP-Version unterstützt wird. Es fand sich keiner. Auch hat sich nach der Messe keiner bei mir gemeldet, obwohl ich darum bat.

Vielleicht sollten sich Kagermann und seine anderen Vorstandskollegen erst einmal um ihren Vertrieb und um die Lösungen der Zukunft zur Erleichterung der Anfertigung von Jahresabschlüssen seiner Kunden kümmern. Ich kenne aus meiner beruflichen Zeit genug Unternehmen, die zur Konsolidierung - obwohl sie SAP im Einsatz haben - immer noch mit Excel-Tabellen hantieren. Sie haben richtig gelesen, Excel-Tabellen!

Ob das Business Intelligence im 21. Jahrhundert ist?

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen

Ihr Norbert Lohrke

 

 

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