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Autor | Norbert Lohrke | Bewertung (0): | |
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| Erstellt am: | 20.05.08 09:29 | Antworten: | 0 | ||
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Zunächst möchte ich zum besseren Verständnis den Sinn der Überschrift darlegen. Als Brain Drain (wörtlich Gehirn-Abfluss) bezeichnet man die Abwanderung der Intelligenz eines Volkes und damit die Auswanderung besonders gut ausgebildeter oder talentierter Menschen aus einem Land. Im Wesentlichen sind da z.B. Akademiker, Wissenschaftler und Facharbeiter gemeint. Drain Brain könnte man mit abnehmender Intelligenz (wörtlich: abfließendes Gehirn) gleichsetzen.
Was als nettes Wortspiel daherkommt ist in Wirklichkeit eine verdammt ernste Sache, die nicht unterschätzt werden sollte. Wir reden hier nämlich von der sogenannten „Abstimmung mit den Füßen“. Das ist immer dann der Fall, wenn die nach vorne strebenden und mobilen Kräfte in einer Volkswirtschaft, in der Ferne größere Chancen sehen, als in dem eigenen Land.
154.000 Deutsche und damit 10.000 Menschen mehr als 2006 haben unserem Land im zurückliegenden Jahr den Rücken gekehrt. Erstes Zielland ist die Schweiz. Dann kommen Österreich, die Vereinigten Staaten von Amerika und Polen.
Obwohl in Zeiten der Globalisierung die weltweite Mobilität durchaus zu begrüßen ist, weil wir alle von den Erfahrungen derjenigen, die im Ausland waren, profitieren – wenn sie denn zurückkommen - so ist es ein herber Substanzverlust, wenn die Auswanderer die Zelte endgültig hinter sich abreißen. Denn alleine der Mut, ins Ungewisse zu gehen und Neues auszuprobieren zeigt, dass dort nicht die Schlechtesten das Land verlassen. Im Gegenteil, es sind genau jene, die wir eigentlich in dieser zunehmend sklerotischen Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur benötigen würden.
Diejenigen, die voller Tatendrang sind und diesen in unserer Gesellschaft offensichtlich nicht ausleben können. Weil sie gegen eherne Strukturen und Netzwerke, Neid und Missgunst anrennen. Ein Alarmsignal.
Ist es da ein Zufall, dass gleichzeitig die Meldung über die Ticker geht, das sich jeder achte Deutsche an der Grenze zur Armut befindet? Und das, trotz immer höherer Steuern und Abgaben und wachsender Umverteilung? Normalerweise müsste es doch genau umgekehrt sein, sollte man denken. Es waren doch lange genug diejenigen am Ruder, die sich genau das auf die Fahnen geschrieben hatten. Es den „Reichen“ wegzunehmen und den „Armen“ zu geben, klingt doch einleuchtend und ist doch auch gerecht, oder?
Und hier liegt der Denkfehler. Wenn man die Reichen schröpft, sendet man ein eindeutiges Signal. Wir wollen Euch nicht haben und wenn, nur dann, wenn wir Euch aufs Neiderträgliche gekürzt haben. Was tendenziell die Reichen und alle die es werden wollen zu Ausweichreaktionen bis hin zur Abwanderung veranlasst.
Dabei spielt der irrige Gedanke eine Rolle, dass der Reichtum etwas Schlechtes wäre und damit die Reichen per se ein schlechtes Gewissen haben müssten. Aber auch hier unterliegen die einfachen Gemüter einem Denkfehler. Denn Wohlstand und auch Reichtum fallen in den allermeisten Fällen nicht vom Himmel. Die werden hart erarbeitet.
Basis dafür ist jedenfalls in den ersten Jahren der Verzicht. Verzicht auf Freizeit und Verzicht auf Konsum sind nur zwei, wobei ich da noch eine ganze Latte mehr aufzählen könnte. Dahinter stehen Menschen, die für sich und ihre Familien als Selbständige und Unternehmer neue Wege gehen und dabei ein hohes Risiko auf sich nehmen. Bis hin zum Scheitern der gesamten eigenen Existenz.
Wenn sie erfolglos bleiben, fallen sie durch beinahe alle sozialen Raster. Wenn sie aber Erfolg haben, profitiert davon das Gemeinwohl über reichlich fließende Steuern, über die Schaffung von Arbeitsplätzen und über das sich häufig im Hintergrund abspielende, wohltätige Handeln. Sie selbst sollen davon aber nichts haben.
Und nun kommen diejenigen, die sich ihren Platz im Parlament durch Schnauze halten, wo man sich aus Verantwortung heraus eigentlich zu Wort hätte melden müssen, und das Eingehen von windigen Kompromissen ersessen haben und wollen diesen Menschen, die wirklich etwas geleistet haben, mit einer mächtigen Portion Chuzpe die Butter vom Brot nehmen. Gerecht soll das sein!?
Dabei besitzen sie auch noch die Dummheit zu glauben, dass sie in einer globalisierten Welt damit erfolgreich sein könnten. Ihnen fehlt dabei auch hier der wirtschaftliche Sachverstand. Kapital ist scheu wie ein Reh und mindestens genau so schnell. Und hoch-kompetente Arbeitskräfte sind heutzutage ebenfalls mobil und treffen auf einen weltweiten Arbeitsmarkt. Ein Antrag und ein Flugticket und schon ist man weg. Das ist die Realität.
Immobil sind Grundstücke und schlecht ausgebildete Arbeitskräfte, auch regional tätige Mittelständler, die ihr Geschäft nicht einfach ins Ausland verlagern können. Und die Rechnung bezahlen müssen. In Form noch höherer Steuern und Abgaben. Ein Teufelskreis. Und wer das nicht will, muss um Deutschland eine hohe Mauer bauen. Womit wir ja Erfahrung haben. Die DDR und Honi lassen grüßen.
Es grenzt schon an Aberwitz, dass wir uns dahin bewegen, was wir eigentlich überwunden zu haben glaubten.
Man kann es drehen und wenden wie man will. Leere Hirne führen mittelfristig nicht nur zur Abwanderung derjenigen, die diesbezüglich besser gestellt sind, sondern auch zu leeren Taschen. Und zwar bei allen.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke
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